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Vor dem Luftfahrtgipfel Lufthansa mit Milliardenverlust – und trotzdem noch am besten dran

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Luftfahrt-Gipfel: Das sind die Forderungen der Branche

Um das Überleben der Luftfahrtbranche zu sichern, fordert der BDL laut Insidern beim – natürlich virtuellen – Treffen mit Minister Scheuer nun öffentliche Hilfen an drei Stellen.

Eiligster Punkt sind die Gelder für die Flughäfen. Hier wünscht sich die Branche zum einen eine Milliarde Euro als Ausgleich dafür, dass die Flughäfen auch bei geringer Nachfrage weiter offenbleiben. Dazu hätten die Airports gern, die aktuellen gesetzlichen Vorschriften für diese Zuschüsse bis möglichst weit ins nächste Jahr zu verlängern. Gegenwärtig stehen die Hilfen teilweise im Widerspruch zum europäischen Beihilferecht. Sie könnten gekippt oder vor Gericht angegriffen werden, wenn die Krise nachlässt.

Zweiter Gesprächspunkt werden am Freitag die Hilfen von bis zu 1,7 Milliarden Euro für die Deutsche Flugsicherung sein. Die DFS abgekürzte Lotsenorganisation ist zwar in diesem Jahr noch unter anderem durch Bundeszuschüsse finanziert. Doch ihr droht wegen des Verkehrsrückgangs bereits im nächsten Jahr ein Fehlbetrag von bis zu einer halben Milliarde. Dafür sorgen neben den niedrigeren Einnahmen die trotz aller Sparmaßnahmen eher steigenden Kosten durch neu eingestellte Lotsen. Das sollte einen Chaos-Sommer wie 2018 verhindern, als Tausende Flüge verspätet starten oder gar ganz ausfallen mussten, weil es an Luftaufsehern fehlte.

In einem Aufwasch hätten die Fluglinien gerne auch eine weitere Erleichterung. Um die angeschlagenen deutschen Airlines zu schonen, hat die DFS ihnen die Gebühren für dieses Jahr gestundet. Nun soll das Lotsenunternehmen diese Zahlungen abschreiben. Die Forderung stützen vor allem die Fluglinien, aber nicht aus Solidarität. Denn nach den gängigen Regeln lebt die DFS davon, ihre Kosten auf die Airlines umzulegen. „Wenn sich dann im Jahr 2021 die Zahl der Flüge im Vergleich zu 2019 halbiert, müssten die Airlines pro Flug die doppelte Gebühr zahlen“, so ein Branchenkenner. „Das ist angesichts der ohnehin schon rekordverdächtig hohen deutschen Luftraumkosten untragbar.“


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Letzter Posten der Flug-Wunschliste sind neue Reiseregeln. Die Branche stört, dass Risikogebiete vor allem danach festgelegt werden, ob es dort in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 neue Corona-Kranke pro 100.000 Einwohnern gab. Stattdessen wünscht sie sich als zweites Kriterium, wie hoch der Anteil der positiv getesteten Reiserückkehrer ist. „Gegenwärtig schwankt dieser Anteil zwischen 0,2 bis 0,5 Prozent bei klassischen Urlaubsländern wie Spanien, Italien oder Ägypten – und bis zu fünf Prozent bei Zielen mit vielen Verwandtenbesuchen wie Südosteuropa oder Teile der Türkei“, heißt es in Verbandskreisen. Würden Auflagen für Rückkehrer wie die Pflicht zum Corona-Test mit anschließender Quarantäne auf letztere Gebiete beschränkt, würden wieder deutlich mehr Menschen in den Urlaub fliegen. „Das brächte uns am Ende viel mehr als zusätzliche Staatshilfen“, so ein hochrangiger Vertreter einer Fluglinie.

Wie viele der Forderungen bei der Politik am Freitag Gehör finden, ist unklar. „Bei den direkten Hilfen für die Flughäfen gibt es erste positive Signale von Minister Scheuer und auch bei den Lotsengebühren sieht es gut aus“, so ein Branchenvertreter. Bei den Reiseregeln hingegen ist seine Hoffnung auf Änderung eher gering: „Auch wenn das die für den Steuerzahler günstigste und für uns die schnellste Hilfe wäre, sind solche Lockerungen angesichts der hohen Fallzahlen leider unwahrscheinlich. Aber vielleicht beim nächsten Gipfel.“

Mehr zum Thema: Easyjet-Chef Johan Lundgren über seine Erwartungen an den neuen Berliner Flughafen, die Folgen der zweiten Corona-Welle und die Frage, wie es in Deutschland mit Easyjet weitergeht.

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