Vueling drängt auf deutschen Markt Spanischer Billigflieger will mit Top-Service punkten

Der spanische Billigflieger will Europa erobern, mit besserem Service und der Finanzkraft von British Airways im Rücken. Nach Frankreich ist jetzt Deutschland dran.

Zu allem Entschlossen: Vueling-Chef Alex Cruz will die Billigfluggesetze neu schreiben. Quelle: dapd

Palmen ragen vom dichten Rasen in den tiefblauen Himmel, der warme Wind trägt Salzluft heran, und über den Bergen hängen Kondensstreifen der Flieger vom nahen Flughafen Barcelona. Doch Alex Cruz kriegt davon nichts mit. Grund: Der Chef des Billigfliegers Vueling hatte angeordnet, möglichst viel Tageslicht in die Hauptverwaltung zu lenken, um die Kosten für die Beleuchtung zu senken. Ein Schlaukopf hatte daraufhin dunkle Sonnenschutzfolie auf die Fenster kleben lassen. "Den will ich sofort sprechen", ruft er seiner Assistentin Cristina zu.

Die größten Billigflieger Europas
Die von deutschen Flughäfen aus startenden Billigflieger sind nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) teurer geworden. Je nach Fluglinie lagen die Durchschnittspreise für einen einfachen Flug im vergangenen Herbst zwischen 70 und 140 Euro brutto, wie das Forschungsinstitut berichtete. Im vorangegangenen Sommer hätten sie noch bei 50 bis 130 Euro gelegen. Insgesamt nutzten im ersten Halbjahr 2014 der Studie zufolge knapp 31 Millionen Passagiere Angebote sogenannte Low Cost Carrier. Im Sommerflugplan 2014 bedienten sie insgesamt 722 Strecken in und ab Deutschland - ein Plus von rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch verlief die Entwicklung regional sehr unterschiedlich. Die meisten Günstigflieger-Passagiere verzeichneten die Berliner Flughäfen. Auch die Airports Hamburg und Köln/Bonn konnten ihr Passagieraufkommen steigern. Starke Rückgänge gab es dagegen auf Regionalflughäfen wie Weeze oder Hahn, wo sich die gesunkene Präsenz von Ryanair bemerkbar machte. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Platz zehn: Air Baltic mit 25 FlugzeugenDie lettische Fluggesellschaft Air Baltic belegt mit 25 Flugzeugen, darunter fünf Boeing 737–500, acht Boeing 737–300 und zwölf Q-400 NextGen Platz zehn. Quelle: Presse
Platz neun: Aer Lingus mit 50 FlugzeugenMit 50 Flugzeugen liegt Air Lingus auf Rang neun. Zu der Flotte der irischen Fluggesellschaft zählen je drei Boeing 757-200, Airbus A330-200, Airbus A321-200, jeweils vier Airbus A319-100 und Airbus A330-300 und 33 Airbus A320-200. 2015 sollen außerdem neun Flugzeuge vom Typ Airbus A350-900 an die Fluglinie ausgeliefert werden. Quelle: dpa
Platz acht: Wizz Air mit 54 FlugzeugenDie ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an. Wizz Air verfügt über eine junge Flotte mit Flugzeugen vom Typ Airbus 320. Alle 54 Flugzeuge werden von V-2500-Motoren von International Aero Engine betrieben. Quelle: dapd
Platz sieben: Jet2 mit 55 FlugzeugenDie britische Billig-Airline Jet2 gibt es erst seit 2002, trotzdem hat sie mit 55 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit den 23 Boeing 737-300, einer Boeing 737-300F, sieben Boeing 737-300QC und jeweils zwölf Boeing 737-800 und Boeing 757-200 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an. Quelle: Presse
Platz sechs: Germanwings mit 57 FlugzeugenGermanwings schafft es mit einer Flotte von 57 eigenen und 23 Eurowings-Flugzeugen auf Platz sechs unter den Top 10 der europäischen Billig-Airlines. Ab Frühjahr 2015 sollen 64 eigene Flugzeuge der Typen A319 und A320 sowie 23 durch Eurowings betriebene Regionalflugzeuge für Germanwings im Einsatz sein. Quelle: dpa/dpaweb
Platz fünf: Flybe mit 62 FlugzeugenDie britische Airline Flybe betreibt mit 45 Maschinen die größte Flotte an Bombadier DashQ8-400 Maschinen weltweit. Hinzu kommen noch elf Maschinen vom Typ Embraer 175 (vier weitere sind bestellt) sowie sechs Jets vom Typ 195. Flybe hat seinen Sitz in Southhampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an. Quelle: Presse

Bevor der leicht untersetzte 47-Jährige sein etwas großes Sakko über den Stuhl geworfen hat, zerstreut die Mail eines Haustechnikers seinen Zorn. Eine Excel-Tabelle zeigt, was die Folie bei welcher Temperatur trotz höherer Lichtkosten bei der Klimaanlage spart. "Wer Geld spart, darf bei uns sogar den Vorstand übergehen", lacht Cruz und versinkt wieder in seinen Plänen.

Die sind extrem ehrgeizig. "Wir wollen in Südeuropa die Nummer eins werden, ganz Europa aufrollen und die Gesetze der Branche neu schreiben", kündigt Cruz an. Vor drei Jahren war die Linie mit dem Kunstnamen aus dem spanischen Wort für Flugzeug und dem englischen Verb "flying" außerhalb Spaniens unbekannt. Nun ist sie daheim führend und in Frankreich oder Italien fast gleichauf mit Easyjet.

Grund für den Erfolg sind solide Finanzen, eine extrem ausgeprägte Sparkultur und der teils von Sponsoren finanzierte bessere Service, der gut zahlende Geschäftskunden lockt. So will Cruz nun auch Deutschland erobern. Gut ein Jahr nach dem Erstflug hat Vueling hierzulande eine Millionen Passagiere und zehn Zielorte. Cruz: "Bis 2016 wollen wir mindestens fünf weitere Städte anfliegen und deutlich mehr als doppelt so viele Passagiere haben."

Die größten Fluggesellschaften der Welt

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Das ist erst der Anfang. "Vueling hat beste Chancen, ein weiteres europaweites Billignetz zu schaffen neben Ryanair, Easyjet und Norwegian", urteilt Andrew Lobberg Analyst bei der Investmentbank HSBC.

Dazu tragen vor allem die soliden Finanzen bei. Die Katalanen sind seit 2007 neben Turkish Airlines die einzige profitable Linie rund ums Mittelmeer und haben statt Schulden 330 Millionen Euro Nettovermögen - obwohl drei Viertel des Geschäfts aus den Krisenländern der Euro-Zone stammt. Zusätzliche Stärke verleiht Vueling, dass sie seit Ende Juni gemeinsam mit British Airways und der früheren spanischen Staatslinie Iberia zur IAG-Gruppe gehört.

Ein weiteres Plus der Katalanen ist der Service. Die Linie füllt ihre Flieger zu fast 40 Prozent mit gut zahlenden Geschäftsreisenden. Lufthansa kommt auf bestenfalls 30 Prozent, Easyjet gar nur auf 20. Grund ist ein besserer Komfort als bei vielen etablierten Linien. Dabei übernehmen die Mehrkosten teilweise Sponsoren, die unter den Passagieren Kunden gewinnen wollen.

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