Weltgrößte Werbeagentur WPP-Chef Sorrell erklärt nach Fehlverhalten-Vorwürfen seinen Rücktritt

Der Chef der weltgrößten Werbeagentur WPP, Martin Sorrell, nimmt nach einer internen Untersuchung mit sofortiger Wirkung seinen Hut.

Nimmt bei WPP seinen Hut. Quelle: AP

LondonDer 73-Jährige erklärte am Wochenende, sein Rücktritt sei im besten Interesse der Agentur. Dem britischen Unternehmen zufolge, zu dem unter anderem die deutsche Agentur Scholz & Friends gehört, läuft eine interne Untersuchung, ob Sorrell Firmeneigentum unrechtmäßig genutzt habe. Sorrell wies die Vorwürfe zurück.

Bis ein Nachfolger gefunden sei, soll der Verwaltungsratsvorsitzende Roberto Quarta die Leitung des Unternehmens übernehmen. Zugleich wurden Mark Read, Chief Executive Officer von Wunderman und WPP Digital, und Andrew Scott, WPPs Corporate Development Director und Chief Operating Officer, Europe, zu gemeinsamen Chief Operating Officer von WPP ernannt.

Sorrell werde für den Übergang zur Verfügung stehen, hieß es weiter. In Übereinstimmung mit seinem Arbeitsvertrag werde „Sir Martin so behandelt, als sei er nach dem Ausscheiden aus dem WPP pensioniert worden.“

Sorrell führt den Konzern seit über 30 Jahren und hat WPP vom Einkaufswagen-Hersteller zum weltgrößten Werbekonzern gemacht. Unter dem Dach von WPP sind hunderte Werbeagenturen mit 130.000 Mitarbeitern in 112 Ländern organisiert.

Zuletzt hatte der Werbegigant allerdings Probleme. Der Aktienkurs fiel innerhalb eines Jahres um 35 Prozent. Der Werbekonzern kämpft mit der Verlagerung von Werbe-Budgets – weg von klassischen Agenturen, hin zu den Internetriesen Google und Facebook. Zudem hatten die Großkunden Unilever und Procter & Gamble zuletzt angekündigt, ihre Werbeausgaben zu senken.

Die Vorwürfe gegen Sorrell brachten das Unternehmen an der Börse zusätzlich unter Druck. Für Guy Jubb, Wirtschaftsprofessor an der Universität Edinburgh, ist der Fall beispielhaft für Konzerne mit als unantastbar geltenden Chefs. „Wieder einmal wird deutlich, dass es zu Problemen führt, wenn ein einzelnes Individuum zu viel Macht besitzt.“

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%