Werbesprech

Ärger um "Maybe"-Kampagne - Verbietet die Werbung doch ganz!

Nach dem Verbot der „Maybe“-Kampagne von Marlboro und der Klage des Konzerns entbrennt eine Diskussion um Einschränkung der Werbefreiheit. Der Werbebranche drohen weitere Verbote. Dieser Weg ist inkonsequent.

Werbung, die Ärger macht
Der Bref Duo Stick von Henkel: In der Ukraine erregte ein Werbespot die Gemüter, da die Farben des WC-Duftspülers der Landesflagge ähneln. Henkel stoppte die Kampagne. Quelle: rtr
Die Deutsche Umweltstiftung klagt gegen die Werbung des Daimler-Konzerns für dessen Flagschiff-Modells „S-Klasse“. In Anzeigen würden die Schadstoffklassen der Varianten mit Spitzenmotorisierung nicht genannt. Maximal würden die Fahrzeuge 213 bzw. 225 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Die Umweltstiftung sagt, das Modell „S 63 AMG 4Matic lang“ komme auf 242 g/km und erreiche nur die schlechte Effizienzklasse „F“. Laut Mercedes hätten zum Zeitpunkt der Freigabe der Werbung die Emissions- und Verbrauchswerte noch nicht festgestanden. Quelle: dpa
Nach der Entlassung von Gustl Mollath aus der Psychatrie nach einem langjährigen Streit um die Frage, ob er an Wahnvorstellungen leide oder Opfer einer Jusitzpanne sei, warb der Autovermieter Sixt mit einem Mollath zugeschriebenen Zitat. Die Anzeige brachte dem Unternehmen heftige Kritik ein, es folgte eine Entschuldigung und Sixt bot Mollath nachträglich ein Honorar an. Quelle: dpa
Eine Tierschutzorganisation deckte im Juli 2013 auf, dass ein Tierfutterhersteller in der Ukraine illegale Kämpfe zwischen Hunden und gefesselten Bären unterstützte. Das Unternehmen Royal Canin (gehört zu Mars) entschuldigte sich und versprach, nichts von dem Werbeabkommen der ukrainischen Tochter gewusst zu haben.
Ein wohl nur ein einziges Mal in Bayern aufgehängtes Plakat der Deutschen Familienversicherung führte im August 2013 zu heftiger Kritik in sozialen Netzwerk. Der Grund: Pflegekräfte fühlten sich durch den Werbespruch „Soll Ihre Tochter Altenpflegerin werden oder freie Berufswahl haben?“ verunglimpft. Foto: Caritas-Berufsfachschule Bamberg
Der Fußball-Verein Werder Bremen hat immer mal wieder Probleme, einen zahlungskräftigen Trikot-Sponsor zu finden. Als im August 2012 der neue Vertrag mit dem Fleischproduzent Wiesenhof verkündet wurde, kritisierten vor allem Tierschützer danach das Werbeabkommen. Die Massentierhaltung, vor allem von Hühnern, ist heftig umstritten. Quelle: dpa
Fußballspielerin und Waschmaschine: Der Spot des ZDF zur Fußball-Europameisterschaft der Frauen im Jahr 2013 brachte eine Empörungswelle mit sich. Es werde ein Klischee bedient, so der Vorwurf. Das ZDF blieb standhaft. Quelle: dpa
In einem Fußballspiel der Europameisterschaft 2012 zeigte der dänische Stürmer Nicklas Bendtner nach einem erzielten Tor seine Unterhose – mit Werbeaufdruck. Der Fußballverband UEFA verhängte eine Strafe in Höhe von 100.000 Euro. Quelle: dpa
Für den Werbeclip für ein Wasserstoffauto musste der koreanische Hersteller Hyundai in Großbritannien Ärger einstecken. Ein Mann stieg in dem Spot in der Garage in das Auto ein, startete den Motor – und einen Selbstmordversuch. Da der Wagen jedoch keine Schadstoffe ausstößt, scheitert die Selbsttötung. Hyundai distanzierte sich von dem Film.
Im März 2013 entschuldigte sich Ford für dieses Werbeplakat, das mit dem Slogan „Lassen Sie Ihre Sorgen zurück“ für den großen Kofferraum eines Autos werben sollte. Die in Indien produzierte Anzeige sei ohne Zustimmung voreilig im Internet veröffentlicht worden, teilte das Unternehmen mit und entschuldigte sich für den Vorfall. Das Motiv zeigte auf dem Vordersitz eines Autos den italienischen Politiker Silvio Berlusconi, der drei gefesselte Frauen in den Kofferraum eines Wagens geladen hatte. Gegen Berlusconi läuft unter anderem ein Gerichtsverfahren wegen des Vorwurfs, Sex mit Minderjährigen gehabt zu haben. Quelle: Presse
Der Sony-Konzern sorgte in diesem Jahr mit einer Anzeige für die Spielekonsole „Playstation 3“ und die mobile Variante des Modells in Argentinien für Aufmerksamkeit. Auf einem Werbeplakat war ein auf einem Bett liegender Junge zu sehen, der einen Controller in der Hand hält. Quer darüber gedruckt war der Spruch: „Wenn Ihr Sohn spielt, fragt er nicht, wie er auf die Welt gekommen ist.“ Quelle: Presse

Die „Maybe“-Kampagne von Marlboro läuft bereits seit drei Jahren. Doch dann wurde sie jäh gestoppt. Das Landratsamt München verbot dem Zigarettenkonzern Philip Morris die aktuelle, bundesweite Kampagne mit dem Argument, sie mache aus einem Zauderer (einem „Maybe“) einen Macher und würde besonders Jugendliche zum Rauchen animieren. Jetzt klagt Philip Morris gegen das Verbot. Die Klage sei am Donnerstag beim Verwaltungsgericht München eingereicht worden, teilte das Unternehmen mit. Das Verbot entbehre jeder Grundlage, die Kampagne halte alle gesetzlichen Vorschriften ein, sagte eine Sprecherin. Außerdem habe Philip Morris freiwillig jedes einzelne Motiv vor dem Einsatz der Wettbewerbszentrale zur Prüfung vorgelegt. Bereits 2012 äußerten die zuständigen Landesbehörden, aber auch das Bundesverbraucherschutzministerium Bedenken gegen die Kampagne. Dies veranlasste Philip Morris dazu, die Außenwerbung freiwillig auszusetzen. Der Sprecher des Forums Rauchfrei, Johannes Spatz, formulierte damals die Hoffnung, das könne der Beginn einer stärkeren Einschränkung der Tabakwerbung sein.

Hickhack um Tabakwerbung

Man darf den Aufsichtsbehörden nun unterstellen, es ginge ihnen weniger um den Schutz Jugendlicher als schlichtweg um ein generelles Verbot der Tabakwerbung. Tatsächlich bemüht sich das Verbraucherschutzministerium seit Jahren darum, ein generelles Verbot der Werbung für Tabakprodukte in der „Nationalen Strategie zur Sucht- und Drogenpolitik“ zu verankern.

Doch ganz so einfach ist das nicht. Das Hickhack um das Werbeverbot entsteht schon deshalb, weil es sich bei Tabak um ein legales Produkt handelt, an dem der Bund bekanntlich gut verdient: Der Steueranteil auf jeder Zigarette liegt bei 73 Prozent und die Steuereinnahmen betrugen im vergangenen Jahr immerhin stolze 14 Milliarden Euro.

Diese Promis greifen noch zur Zigarette
Rauchen in der Wohnung – das ist für viele Deutsche in Ordnung. Drei von vier Bundesbürgern geben laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov an, dass Raucher auch in Zukunft in ihrer Mietwohnung qualmen dürfen. Hintergrund ist der Streit zwischen einem Mieter und seiner Vermieterin, der am Mittwoch vor das Amtsgericht in Düsseldorf kommt. Die Vermieterin hatte dem 74 Jahre alten Mann nach 40 Jahren die Wohnung gekündigt, weil er Raucher ist. Von den Befragten gibt ein knappes Drittel (29 Prozent) an, noch nie geraucht zu haben. Regelmäßige Raucher sind demnach 35 Prozent. 10 Prozent rauchen ab und zu, 26 Prozent haben früher geraucht. Auch bei einigen Prominenten ist der Glimmstängel sehr beliebt. Welche Politiker und Stars nicht von der Zigarette lassen können – und welche früher einmal geraucht haben. Quelle: dpa
Die Schauspielerin Catherine Deneuve schreitet zur Eröffnung der 66. internationalen Filmfestspiele mit einem royal verzierten Schal über den roten Teppich. Sie steckte sich beim Internationalen Filmfest in Cannes vor zwei Jahren öffentlich mindestens eine Zigarette an. Auch mit 69 Jahren kann es die französische Film-Diva Catherine Deneuve nicht lassen. Quelle: AP
Jack Nicholson zieht bei den Golden Globes in Beverly Hills, Kalifornien (1998), genüsslich an einer Zigarre. Bis heute raucht der Schauspieler regelmäßig. Vier Mal hat er versucht aufzuhören, einmal hielt der Vorsatz sogar zehn Jahre. In einem Interview mit der Welt verriet er: „Als ein Raucher kann ich Ihnen eines versichern: Jedes Mal, wenn mir jemand nahe legt ,Sie sollten wirklich nicht mehr rauchen, das schadet Ihnen' – dann wird mein Rauchimpuls umso stärker. Ganz schnell. Das ist der 100-prozentige Effekt eines solchen guten Ratschlags.“ Quelle: AP
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist derzeit auf Sommertour und genießt die Natur. Doch frische Luft war nicht immer ein Faible von ihr. Früher hat auch Angela Merkel geraucht. „Ganz am Anfang ihrer Kabinetts-Karriere“ habe sie Entspannung beim Rauchen gesucht, gab die heutige Bundeskanzlerin vor 20 Jahren zu. Damals war sie Frauenministerin und hatte bereits mit dem Rauchen aufgehört. Unbequem kann das qualmende Laster für Politiker werden, zum Beispiel wenn deren Parteien sich für ein Rauchverbot einsetzen. Gleichzeitig verlocken hitzige Debatten zu einer Beruhigungszigarette in der Pause. Quelle: dpa
Der wohl bekannteste Raucher Deutschlands: Helmut Schmidt. Seit Jahren frönt der Ex-Bundeskanzler seiner ungesunden Leidenschaft. Weil die EU Mentholzigaretten verbieten will, soll Schmidt sich sogar einen Vorrat von 200 Stangen zugelegt haben. Quelle: dpa
Ein Plakat eines rauchenden Barack Obama mit Joint in San Francisco deutet auf die Vergangenheit des US-Präsidenten hin. Eine Biografie über Obama beschreibt dessen Vorliebe fürs Kiffen in jungen Jahren. Obama, der von seinen Freunden an einer Eliteschule in Hawaii schlicht „Barry“ genannt wurde, sei Mitglied einer Kiffer-Bande namens „Choom Gang“ gewesen, heißt es in Auszügen der Biografie „Barack Obama. The Story“. Dem Politiker-Stress wollte wohl Barack Obama auch lange Zeit mit Nikotin entgegenwirken. Vor drei Jahren soll der US-Präsident aufgehört haben. Doch der Kampf gegen das Nikotin war auch für ihn eine persönliche Herausforderung, wie seine Frau Michelle Obama nach einem Bericht der Zeitung „The Telegraph“ durchblicken ließ. Damals, im Jahr 2011, sei der US-Präsident bereits fast ein Jahr rauchfrei gewesen. Er habe seinen Töchtern zeigen wollen, dass er ohne Zigarette leben könne. Quelle: picture-alliance
Modedesigner Marc Jacobs ließ einmal sogar Supermodel Kate Moss rauchend über den Laufsteg schreiten – ausgerechnet am Weltnichtrauchertag. Statt zu reichhaltigem Essen greifen viele Menschen aus dem Modebusiness offenbar lieber zur Zigarette. Quelle: dpa
Ärger fürs Rauchen bekommen oft Nachwuchs-Stars, die sich dabei erwischen lassen. Medien rügten Miley Cyrus, als plötzlich Fotos, auf denen sie rauchte, auftauchten. Die 20-Jährige habe eine Vorbildfunktion für Jüngere, hieß es zur Begründung. Quelle: AP
Ärger bekam auch Madonnas Tochter Lourdes, als ihre Mutter sie mit 15 beim Rauchen sah – auf einem Paparazzi-Bild. Die Queen of Pop war gar nicht begeistert: „Ich glaube, ich muss ein bisschen strenger sein“, sagte sie in einem Interview des US-Senders NBC. Auf dem Foto war Lourdes noch einige Jahre jünger. Damals begleitet sie ihre Mutter zur Premiere eines Harry-Potter-Films. Diese unschuldigen Zeiten sind wohl vorbei. Quelle: picture-alliance
Katharina Thalbach (links) und Angela Merkel haben einige Ähnlichkeiten. So verkörperte Thalbach im Sat.1-Film „Der Minister“ die Rolle der Kanzlerin. Genau wie die Bundeskanzlerin hat auch sie ein qualmendes Laster. Die Berliner Schauspielerin greift ab und zu zur Zigarette. Im Moment rauche sie aber nicht, teilte ihre Agentur mit. Es gebe bei ihr verschiedene Phasen, welche mit und welche ohne Rauch. Das ist dann doch ein Unterschied zu Merkel, die, wie bereits erwähnt, ihr Laster aufgegeben hat. Quelle: picture-alliance
Auch sonst glimmen an deutschen Film-Sets die Kippen. Zum Beispiel in der Hand von Armin Rohde. Noch. Denn der 58-Jährige würde nach eigenen Angaben schon länger gern damit aufhören. Quelle: picture-alliance
Der Schauspieler Ben Becker raucht während der Fotoprobe von „Jedermann“ in Salzburg eine Zigarette – und nicht nur da. Auch auf der Bühne und bei Interviews greift der Charakterdarsteller zur Fluppe. Auf Anfrage, ob er aufgehört habe, gibt die Agentur des 48-Jährigen an: „Leider nicht“. Quelle: picture-alliance
US-Schauspieler Charlie Sheen greift schon seit Jahren regelmäßig in die Zigarettenschachtel. Er konsumiert allerdings nicht nur Nikotin. Gerade mal zehn Jahre war er alt, als er seinen ersten Joint rauchte. Auch Kokain soll der Schauspieler genommen haben. Quelle: dpa
Der Schein trügt: Lindsay Lohan ist schon lange nicht mehr das nette Mädchen von nebenan. Sie gilt inzwischen als wilde Party-Gängerin. Bei ihr gehört der Qualm fast schon zum gepflegten Rüpel-Image. Quelle: AP
Ob nun der deutsche Schauspieler Ben Becker, das britische Supermodel Kate Moss, die französische Schauspielerin Catherine Deneuve oder der US-Schauspieler/Regisseur Sean Penn – sie alle greifen immer noch zur Fluppe. Für die einen gehört es zum coolen Image, andere können einfach nicht damit aufhören. Trotz umfassender Rauchverbote greifen viele Stars immer wieder zu Zigaretten. Quelle: dpa

Werbeverbot für Barbie-Puppen?

Das Thema Werbeverbote betrifft jedoch nicht nur die Tabakindustrie. Von künftigen Verboten und Einschränkungen ist kaum eine Branche ausgenommen. Geht es nach dem Willen der EU-Kommission, drohen Werbeverbote für Alkohol und erhebliche Einschränkungen auch für die Bewerbung von Fastfood, Limonaden, Lebensmitteln, rezeptfreien Medikamenten - ja sogar für PKWs. Böse Zungen fordern daher auch ein Werbeverbot für Barbie-Puppen, da sie zum Schlankheitswahn verleiten und nachweislich süchtig machten...

Während es längst zahlreiche Verbraucherschutzmechanismen und freiwillige Selbstkontrollen gibt, die jede Form von Diskriminierung, Vertrauensmissbrauch und Sicherheitsgefährdung der Verbraucher sanktioniert, sind Werbeverbote nicht erforderlich. So argumentiert der in Berlin ansässige Markenverband. Tatsächlich ist das Grundrecht auf Kommunikationsfreiheit in unserem Grundgesetz verankert. Meinungs-, Medien- und Informationsfreiheit müssten daher auch für die Werbung gelten.

Weitere Einschränkungen und Werbeverbote hätten - und das übersehen die Politiker dabei allzu gern - signifikante Konsequenzen für unsere Medienvielfalt. Denn die meisten unserer Medien finanzieren sich in erheblichem Maße durch ihre Einnahmen aus Werbung. Weniger Werbung bedeutet daher automatisch auch weniger Medien. Das Schwert könnte also zweischneidiger nicht sein.

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