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Wie man seine Firma ruiniert - und die ganze Branche gleich mit

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Auto-Konzerne missachten die Bedürfnisse der Kunden


Damit nicht genug: Sowohl Zahl als auch Umfang der Rückrufaktionen der Pkw-Hersteller haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Der ADAC ermittelte 1500 Rückrufaktionen alleine in der Automobilindustrie. Für den Auto-Käufer wirkt es so, dass die Qualität der intensiv und mit viel Prunk beworbenen Marken massiv nachgelassen hat. Dass die Konzernchefs und ihre Marketingverantwortlichen dennoch glauben, immer höhere Preise durchsetzen zu können, um sich selbst Millionen-Gehälter und ihren Aktionären immer höhere Dividenden auszuzahlen, spricht für eine grenzenlose Naivität. Sie spielen mit dem Feuer. Und sie spielen der nachwachsenden Käufergeneration in die Hände, denen das Auto als Prestigeprodukt längst nichts mehr bedeutet.

Rückrufe der deutschen Autobauer

Die Verantwortlichen in den Chefetagen der Automobilkonzerne machen derzeit den größten Fehler, den man begehen kann: Sie schauen auf die bevorstehenden Quartalsergebnisse statt in die Zukunft ihrer Branche. Sie betrachten ihre Bilanzen statt auf die Bedürfnisse ihrer heutigen und künftigen Kunden zu hören. Das wird sich als kolossaler Bumerang erweisen.

Missachtung der Markenqualität und Betrug am Kunden sind nur zwei von vielen Möglichkeiten, seine Firma und gleichzeitig die ganze Branche nachhaltig zu ruinieren. Streiks sind eine andere.

Der im seit zwei Jahren schwelenden Tarifkonflikt mittlerweile 14. Lufthansa-Streik in Folge macht aus dem Vorzeige-Kranich einen angeschlagenen Pleitegeier. Die Streiks kosten die Airline nicht nur bis zu 300 Millionen Euro, sondern auch die Wirtschaft des Landes 25 Millionen Euro pro Streiktag. Sie zwingen die Lufthansa zu immer neuen Einschnitten und Sparmaßnahmen. Und sie kratzen bedrohlich an der Zuverlässigkeit der ehemals glanzvollen Marke. Sie zwingen die Kunden auf Bahn und Pkw auszuweichen. Die Streikenden sägen am einzigen Ast, auf dem sie sitzen.

Digitales Hinterland

Eine weitere, ganz hervorragende Möglichkeit zur Beschädigung seiner Firma und ihrer Zukunftsaussichten am Markt ist die Missachtung der Digitalisierung. Auf dem diesjährigen IT-Gipfel griff Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die deutschen Dax-Konzerne für deren Rückständigkeit bei der Digitalisierung heftig an. Er stichelte: "Wenn beim nächsten Mal eine Investorenkonferenz für Start-ups in Berlin ist, wäre es schön, wenn auch die Dax-Konzerne da wären und nicht nur amerikanische Wagniskapitalgeber."

Gabriel hat offenbar recht. Eine Umfrage von Crisp Research unter Führungskräften in Deutschland ergab, dass nur 7 Prozent der Manager als „Digital Leader“ einzustufen sind, die sowohl über das nötige Wissen zum Thema Digitalisierung als auch über die Management-Qualitäten verfügen, „um die richtigen Entscheidungen in einer Welt voller disruptiver Entwicklungen zu treffen“.

Dienstleister



Ausgerechnet der neue VW-Chef Matthias Müller („Selbstfahrende Autos sind ein Hype“) ließe Zweifel aufkommen, ob er der Richtige ist, um den Autobauer für den Wettbewerb mit Apple, Google und Tesla fit zu machen. Damit schließt sich der Kreis zu den offensichtlichen Missständen im VW-Konzern. Denn die Digitalisierung als schlichten Medienhype abzutun, dürfte eine katastrophale Fehleinschätzung sein.

Es wäre ratsam, Führungskräfte, die ihre Unternehmen dermaßen schädigen, bald zu entfernen. Sie sollten Platz machen für verantwortungsvolle Vordenker, die ihre Kunden und die Gesellschaft respektieren. Und die ihre Firmen mit mutigen Schritten in die digitale Zukunft führen.

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