Werbesprech

Diese Todsünden gefährden ihre Marke

Charakterschwächen ziehen sich oft wie ein roter Faden durch das gesamte Unternehmen, machen meist seinen Misserfolg aus.

Die verrücktesten Werbeaktionen
U-Boot in MailandFür eine Versicherung, die ihre Kunden dafür sensibilisieren wollte, dass wirklich alles passieren kann, tauchte in Mailand ein U-Boot auf. Und zwar mitten in der Stadt. Es rammte einen Smart und riss den Asphalt auf. Die verwirrten Matrosen, die dem Boot entstiegen, wurden von Sanitätern abtransportiert. Quelle: Screenshot
Nacktshopping Quelle: dpa
Sexspielzeug für die Spielfreak-Frauen Quelle: dapd
Brötchen wie Brüste Quelle: Screenshot
Guerilla-MarketingSchon fast ein Klassiker sind die Guerilla-Marketingkampagnen von Nike, bei denen der Sportartikelhersteller übergroße Fußbälle so arrangierte, als seien sie in Gebäude oder Autos eingeschlagen. Auch gigantische Turnschuhe sollten auf die Produkte des Unternehmens aufmerksam machen. Quelle: Screenshot
Vorname gegen Gratis-Games Quelle: Screenshot
Die Kostenlos-Zeitung Quelle: dapd
screenshot flashmob Quelle: Screenshot
Hamilton Island - "Der beste Job der Welt" Quelle: Pressebild
Arbeiter demontieren an der Allianz Arena in Muenchen den Schriftzug des Sponsors Quelle: AP

"Sünden entstehen nach der klassischen Theologie aus sieben schlechten Charaktereigenschaften". Charaktereigenschaften, die man leider immer öfter in Werbung, Marketing und Unternehmen antrifft.

Machen wir eine Reise durch die Facetten der neuen Todsünden (derart bezeichnet, da sie über kurz oder lang den Tod der Marke, des Unternehmens bedeuten):

Hochmut (Eitelkeit, Stolz, Übermut)

1. Nicht mehr der Kunde steht im Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns, sondern der Profit. Der Konsument wird Mittel zum Zweck, im Grunde stört er die industriell genormten Abläufe. Das haben wir alle schon erlebt. Das Unternehmen, gegründet, um unsere Probleme und Sehnsüchte vorherzusehen, wendet sich geradezu gegen uns, sobald wir es kritisch hinterfragen.

2. Das Management stellt Mitarbeiter ein, die ihm selbst nicht gefährlich werden können, und gefährdet damit das gesamte Unternehmen. Reine Erfüllungsgehilfen. Jetzt wird auch intern nichts mehr hinterfragt.

Richtig gefährlich wird es, wenn sich Hochmut und Faulheit verbünden.

Faulheit (Feigheit, Ignoranz, Trägheit des Herzens)

3. Warum noch selbst etwas wagen, warum noch selbst kreativ oder innovativ werden, wenn man nur die neuesten Entwicklungen des Wettbewerbs (siehe Samsung) adaptieren muss?

4. Warum dann nicht aus der Not des Early Followers eine Tugend machen und die Strategie des 'Outspending Competition' verfolgen, die in vielen generischen Märkten immer wieder gern gewählt wird. Wenn ich schon nichts zu sagen habe, gebe ich dafür wenigstens das meiste Geld im Wettbewerbsumfeld aus. 'Man gönnt sich ja sonst nichts'.

Outsmarting Competition ist in diesen Unternehmen ein wahres Fremdwort.

5. Daher muss man wohl Fans kaufen, statt Freunde, Botschafter, Marken-Advokaten zu gewinnen. (Das führt inzwischen soweit, dass Facebook gegensteuern will, um seine Währung, die 'Likes', authentisch zu erhalten.)

6. Verwaltung, statt Gestaltung, steht hier an erster Stelle. Bürokratie, die Apparate aufbläht, Wasserköpfe erzeugt, weiter vom eigentlichen Sinn des Unternehmens ablenkt.

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