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Werbesprech

Ein Lob auf tumbe Reklame

Warum sollte Werbung intelligent sein, wenn Produkt und Marketing, Medium und Rezipient es nicht mehr sind? Das kann und darf nicht ihre Aufgabe sein.

Die verrücktesten Werbeaktionen
U-Boot in MailandFür eine Versicherung, die ihre Kunden dafür sensibilisieren wollte, dass wirklich alles passieren kann, tauchte in Mailand ein U-Boot auf. Und zwar mitten in der Stadt. Es rammte einen Smart und riss den Asphalt auf. Die verwirrten Matrosen, die dem Boot entstiegen, wurden von Sanitätern abtransportiert. Quelle: Screenshot
Nacktshopping Quelle: dpa
Sexspielzeug für die Spielfreak-Frauen Quelle: dapd
Brötchen wie Brüste Quelle: Screenshot
Guerilla-MarketingSchon fast ein Klassiker sind die Guerilla-Marketingkampagnen von Nike, bei denen der Sportartikelhersteller übergroße Fußbälle so arrangierte, als seien sie in Gebäude oder Autos eingeschlagen. Auch gigantische Turnschuhe sollten auf die Produkte des Unternehmens aufmerksam machen. Quelle: Screenshot
Vorname gegen Gratis-Games Quelle: Screenshot
Die Kostenlos-Zeitung Quelle: dapd

Werbung ist tumb - und das hat seinen Grund: Warum sollte Werbung intelligent sein, wenn Marketing und Produkt einfältig sind? Warum sollte Werbung intelligent sein, wenn der Rezipient naiv ist? Warum sollte Werbung intelligent sein, wenn das Medium sich töricht zu immer neuen intellektuellen Tiefen herablässt?

Tumb? Ja, Werbung ist tumb. Wissen.de listet diese Definition:  

tumb〈Adj.töricht, naiv, einfältig ... und u.a. diese Synonyme:

1. naiv, kindlich, arglos, harmlos, treuherzig, kritiklos, unkritisch, urteilslos, undifferenziert, bieder, schlicht, beschränkt, .., simpel, einfach

2. töricht, tölpelhaft, unklug, .., ungeschickt, schwerfällig; ugs: unbedarft, stieselig, blöde, doof, einfach/schlicht gestrickt

Aber ist das so verkehrt? Ist das nicht ihre hervorragende Aufgabe? Die Trends um sie herum zu assimilieren? Sich chamäleonartig zu wandeln ohne aufzuregen, aufzufallen und zu polarisieren? Die ideale Reflektion ihres gesellschaftlichen Kontextes zu sein? Schlussstein des Brückenbogens zu sein, gespannt vom real-existierenden Produkt zum wahrhaften Konsumenten?

Tumbe Reklame ist nicht mehr und nicht weniger als der vorläufige Höhepunkt kommunikativer Evolution:

Wer wie viel in der Werbung verdient
Junior Art DirectorWerbeagenturen bewegen und verdienen viel Geld, aber auch in der bunten Werbewelt fängt beim Gehalt jeder klein an. Ein 27 Jahre alter Junior Art Director hat ein durchschnittliches Jahresgehalt von 28.967 Euro. Da in der Branche oft nach Leistung gezahlt wird, steigt das Gehalt mit den Dienstjahren. Das ist das Ergebnis einer Erhebung vom Onlineportal www.gehalt.de Ausgewertet wurden über 5.000 Datensätze. Quelle: Fotolia
blaue Bleistifte Quelle: Fotolia
Marketing-AbteilungGeregelte Arbeitszeiten gibt es in der Branche kaum, von den Mitarbeitern wird Flexibilität verlangt, Überstunden dürfen kein Fremdwort sein. Kreativ sein geht eben nicht nur in festen Arbeitszeiten. Die kreativen Köpfe, die sich um das Marketing kümmern und 30 Jahre alt sind, bekommen dafür durchschnittlich 34.306 Euro im Jahr. Quelle: Fotolia
ProjektmanagerDas Projektmanagement entscheidet, wer, was, wann und innerhalb welcher Deadline zu erledigen hat. Dafür bekommt ein 33-jähriger Projektmanager im Jahr durchschnittlich 38.063 Euro. Grundsätzlich gilt: Kleine Agentur, kleiner Verdienst, große Agentur, großer Verdienst. Quelle: Fotolia
Ein junge Frau tippt auf einer Computertatstatur für Linkshänder. Quelle: ZBSP
Ronneke Bosselaar shows the new Bluetooth wireless headset for mobile phones, built by Philips, at the Bluetooth CeBIT booth Quelle: AP
KonzepterAuch in der Werbebranche gibt es was das Gehalt betrifft, Unterschiede zwischen Ost und West. Bekommt ein Mann in Bremen 41.121 Euro pro Jahr, verdient er in Sachsen nur 32.741 Euro. Das höchste Gehalt bekommen die Werber in Baden Württemberg bezahlt, in Mecklenburg Vorpommern gibt es das schlechteste. Der Durchschnittskonzepter, 33 Jahre alt, verdient pro Jahr 41.622 Euro. Quelle: Fotolia

1. Tumbe Reklame konzentriert sich auf das Wesentliche.

Tumbe Reklame ist nicht blöd (!). Sie trägt immer noch die Intuition kluger Werbung in sich. Kreativ ist, was verkauft; das hat man ihr oft genug gesagt. Nun glaubt sie es selbst. Und was verkauft sich in diesen Zeiten ubiquitären Ramsches besser als der Ramsch?

2. Tumbe Reklame ist wahrhaftig und klar.

Tumbe Reklame kommt ohne Umschweife zum Punkt: Zielgruppe. Produkt. Preis. Packshot. Da wird nicht lange drumherumgeredet. Effizient. Effektiv. Geschichten kann man sich beim Bäcker erzählen. Die Umarmung. Der Kuss. Und Schluss. Das beste Persil aller Zeiten.

3. Tumbe Reklame stellt den Menschen nicht in Frage.

Tumbe Reklame geht dem Konsumvolke nicht mehr inspirierend voran, sondern bestätigt es dort, wo es sich träge hinter dem Ofen lümmelt. In seiner Comfort Zone. Warum auch nicht?

Warum jemanden verunsichern, sein Leben infrage stellen, wenn man ihm doch etwas verkaufen möchte? Ihm muss man schmeicheln, sie muss man umgarnen. Dann klappt es auch mit dem Nachbarn.

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