Werbesprech

McDonald's - Mein Zehn-Jahres-Boykott

Die Produktqualität ist immer noch die beste Werbung. Warum halten sich so wenige daran? Dabei könnte alles so einfach sein.

Ich liebe es (nicht mehr) - Gutes Marketing soll Vertrauen zwischen Kunden und Unternehmen schaffen, und nicht von der mangelhaften Qualität der Produkte ablenken Quelle: dpa

Auch bei McDonald's gibt ein Blick hinter die Hochglanzwerbung höchst unappetitliche Wahrheiten frei (das ist nichts Neues, aber immer wieder erschreckend): Zehn (!) Jahre gibt McDonald's seinen Schweinefarmern Zeit, den McRib-Schweinen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Auf sanften Druck, wie Discovery berichtet. Zehn Jahre, solange müssen die armen Schweine also noch die jeweils 114(!) Tage ihrer Schwangerschaft in diesen Gitterkäfigen aufrecht stehen.

Kein Wunder, dass McDonald's so etwas hinter Hochglanzwerbung (voller geheuchelter Transparenz(!), wir alle kennen die Kampagnen) geradezu versteckt. Während McDonald's also von seinen Farmern verlangt, dass diese innerhalb von zehn Jahren ihre Schweine besser als heute behandeln, ist genau dies für den diesjährigen Cannes-Grand-Prix-Gewinner Chipotle seit mehr als zehn Jahren Realität!
Chipotle bemüht nicht einmal das (Marketing-)Bullshit-Bingo wie McDonald's , sondern sagt einfach wie es ist: 'Schweine, die wie vor 50 Jahren aufgezogen werden, ohne Antibiotika, vegetarisch, leben glücklichere, gesündere Leben und produzieren das beste Fleisch, das wir je gegessen haben. Seit 2001.

Wo der Burger und das Leben teuer sind
Big-Mac-Index 2012: Wo der Burger und das Leben teuer istEr ist ein Sinnbild für den Niedergang kulinarischer Sitten, für Globalisierung, für die Amerikanisierung aller Lebensbereiche: Der Big Mac der US-Amerikanischen Fast-Food-Kette McDonald's. Das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" bedient sich dieses Hamburgers um die weltweiten Kaufkraftunterschiede nachzuzeichnen - im Big-Mac-Index. Weil McDonald’s mit 32.000 Restaurants in über 115 Ländern vertreten ist, gibt es fast überall Big Macs. Und da die beliebten Hamburger der Fast-Food-Kette durch strenge Franchise-Verträge fast überall auf der Welt gleich aufgebaut sind, bieten sie durch die unterschiedlichen Thekenpreise in den verschiedenen Ländern eine gute Grundlage um die Kaufkraftunterschiede der Staaten zu vergleichen.   Ein Beispiel: Die McDonald’s-Kunden in Pakistan müssen für ihren Big Mac weniger bezahlen, als in den USA. Also ist die Kaufkraft des Dollars in Pakistan höher als die Kaufkraft des US-Dollars in den USA selbst. Da der Preis des Big Macs in Dollar umgerechnet in Pakistan niedriger ist, können Kunden dort grundsätzlich also mehr Hamburger kaufen. Das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist“ stellte 1986 zum ersten Mal den Big-Mac-Index auf. Laut dem aktuellen Index beträgt der Preis des Hamburgers in den USA durchschnittlich 4,20 Dollar, also 3,3 Euro (Stand: 11. Januar). Ein Überblick, wie sich die Big-Mac-Preise in anderen Staaten vom McDonald’s-Heimatmarkt unterscheiden. Quelle: dpa
Teurer als in den USA ist ein Big Mac in den 17 Ländern der Eurozone. Durchschnittlich kostet der Hamburger in der europäischen Währungsunion 3,49 Euro (4,43 Dollar). Laut dem Big-Mac-Index ist der Euro also gegenüber dem Dollar um rund sechs Prozent überbewertet. Vor gut einem Jahr war der Preisunterschied deutlich größer, die Überbewertung der Gemeinschaftswährung lag bei 21 Prozent. Doch der Eurokurs ist im Zuge der europäischen Staatsschuldenkrise in den letzten Monaten deutlich gefallen; Mitte Januar erreichte die Gemeinschaftswährung im Vergleich zum Dollar sein 16 Monats-Tief. Für die exportabhängigen Volkswirtschaften der Länder der Eurozone ist dies keine schlechte Nachricht: Schließlich können Exportwaren dadurch auf dem Weltmarkt billiger angeboten werden also noch vor einem Jahr. Tendenziell sollten nun mehr Waren verkauft werden. Quelle: dapd
Am billigsten ist der Big Mac laut Index in Indien. 84 Rupien kostet der Hamburger in dem Schwellenland im Schnitt, also umgerechnet 1,62 Dollar. Hierzulande sind das 1,27 Euro (Stand: 11. Januar 2012). In Indien ist der Big Mac also 61 Prozent billiger als in den USA. Der Preisunterschied zwischen den Hamburgern, lässt auf einen ebenso hohen Wertunterschied zwischen den Währungen schließen: Demnach ist die Rupie nicht einmal halb so viel wert wie der US-Dollar – so der Big-Mac-Index. In Indien lassen sich somit grundsätzlich mit der US-Währung mehr Big Macs erwerben, als das mit dem US-Dollar in Amerika möglich ist. Seit 1996 gibt es McDonald's in Indien (im Bild: Die Ersteröffnung in Neu-Dehli). Das asiatische Land ist übrigens der einzige Staat, in dem der Big Mac mit Hühnerfleisch belegt ist. Hintergrund: Für die mehrheitlich hinduistische Bevölkerung sind Kühe heilig - und Rindfleisch deshalb tabu. Auch der Name ist anders. Das Äquivalent zum Big Mac heißt in Indien Maharaja Mac. Quelle: AP
Reisende, die mit der US-Währung zahlen, profitieren von einem niedrigen Big-Mac-Preis im Reich der Mitte: In China kostet der Hamburger durchschnittlich 15,4 Yuan, also umgerechnet 2,44 US-Dollar. Das macht einen Unterschied von 42 Prozent zum Big-Mac-Preis in den USA. Quelle: AP
Ebenfalls knapp ein Drittel weniger als in den USA müssen Big-Mac-Käufer in Russland für den Standard-Burger durchschnittlich hinlegen. Zwischen Sankt-Petersburg und Nowosibirsk kostet der Hamburger im Schnitt 81 Rubel, das sind 2,55 Dollar - ein Minus von 39 Prozent. Das spricht für eine deutliche Unterbewertung der russischen Währung. In einer McDonald's-Filiale in Sankt-Petersburg (hier im Bild) bekamen 30 Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg am historischen Tag des Sieges des 9. Mai 1999 eine Runde Burger geschenkt. Quelle: AP
Auch in Mexiko (die historische Kathedrale in der Hauptstadt Mexico D.F. im Bild) können sich ausländische Reisende mit weniger Dollar einen Big-Mac gönnen. Hier kostet ein Hamburger 37 Pesos, das sind 2,70 Dollar. Quelle: AP
In den Vereingten Arabischen Emiraten (im Bild: Dubai) kostet der Big Mac 12 Dirhams, ungefähr 3,27 Dollar. Quelle: REUTERS

Durch Werbung vom Produkt ablenken

Ist genau das nicht, verdammt nochmal, der Kern eines jeden guten Fleischproduktes, egal, ob Schwein oder Rind? Die Qualität des Fleisches selbst!?
Was nutzt mir das ganze Marketing-Brimborium drumherum, wenn das spätere Produkt einen solch negativen Nukleus hat?

Unternehmen sollten bei ihren Marken darüber nachdenken, ob sie weiter den Konsumenten ablenken wollen vom wahren Produkt, oder ob sie ihm reinen Wein einschenken und schleunigst Unternehmen, Marke, Produkt und Management dem notwendigen Paradigmenwechsel unterziehen. Ich denke jedenfalls, wenn McDonald's soviel Zeit hat, bis es die Schweine ernst nimmt, kann ich mir entsprechend viel Zeit lassen, bis ich McDonald's wieder ernst nehme, oder?

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