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Werbesprech

Die Machenschaften der Mediaagenturen

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Steigerung der eigenen Interessen grenzt an Betrug

Mangelnde Transparenz ist die eine Sache. Mit dem Werbegeld der Kunden eigene Interessen wie die Steigerung der Agentur-Rendite zu verfolgen, die dem Kunden zudem schaden, grenzt dagegen an Betrug. Wäre der Tatbestand des Betrugs in solchen Fällen mühelos nachzuweisen, würden die Agenturen wohl mit Klagen überschüttet.

Brancheninsider vergleichen die Verrohung der Sitten mit der Metapher eines Steuerberaters, von dem man zwar unabhängige Beratung im Dienste des Klienten erwartet, der jedoch hinterrücks vom Finanzamt entlohnt wird, bei seinen Empfehlungen Eigeninteressen verfolgt und damit Geld in die eigene Tasche wirtschaftet.

Derweil tun die Mediaagenturen immer neue Erlösquellen auf. Zunächst wurde ihnen „nur“ vorgeworfen, Werbeschaltungen an ihre Kunden zu berechnen, für die sie selbst von den Medien niemals eine Rechnung erhielten. Nun heißt das neue Zauberwort „Trading“: Hierbei kaufen die Agenturen auf eigene Rechnung Werbeplätze in großen Mengen spottbillig ein und verkaufen sie nach Aussage eines Vermarkters für das angeblich Sechs- bis Siebenfache des Einkaufspreises an ihre Kunden weiter.

Nun würde man erwarten, dass die Mediaagenturen in dieser erneut aufgeflammten Diskussion um ihr Geschäftsgebaren Aufklärung liefern. Doch der neu gewählte Geschäftsführer des Agenturverbandes OMG, Klaus-Peter Schulz, weist die Vorwürfe in einem Handelsblatt-Beitrag als „Legende“ zurück . Er hat die Diskussion als ein Thema für Ewiggestrige schlichtweg für beendet erklärt.

Den Hals in der Schlinge

Doch so einfach werden die Mediaagenturen wohl nicht davon kommen. Denn inzwischen gibt es Whistleblower aus den eigenen Reihen, die die Vorwürfe bestätigen. Jon Mandel, Ex-CEO der WPP-Tochter Mediacom New York sagte im März in einer Rede vor der Association of National Advertisers: „Mediaagenturen verhalten sich nicht entsprechend ihrer Treuhänderpflichten gegenüber den Kunden und verletzen das in einer Partnerschaft akzeptable Verhalten.“ Die Agenturen seien nicht transparent und würden Mediapläne empfehlen, die abseits der Strategie und der Kundenziele lägen und vor allem ihren eigenen finanziellen Interessen dienten.

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