WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Werbesprech

Der Verbraucher ist keine Melkkuh

Seite 2/2

Und wieder einmal Amazon

Amazon will nach Angaben des Bundeskartellamts auf Preisauflagen für Händler auf seinem Marktplatz verzichten. Quelle: dpa

Man sollte denken, dass Amazon in der jüngsten Vergangenheit genug in der Kritik stand. Genug zumindest, um umzudenken. Stattdessen scheint es in der DNA des Unternehmens zu stecken, seine Kunden vor den Kopf zu stoßen. Jüngst musste das Bundeskartellamt einschreiten und externen Amazon-Partnern (z.B. die Drogeriemarktkette dm) erlauben, ihre Waren in den eigenen Shops oder bei anderen Internetanbietern billiger anzubieten. Das wollte Amazon verhindern. Nun muss der E-Commerce-Weltmarktführer begreifen, dass er - zumindest in Deutschland - nicht alleine über die Preisgestaltung eines ganzen Marktes zu bestimmen hat.

Irreführung: Fielmann

Man könnte diese Beispiele endlos fortsetzen. Der Optikerkette Fielmann wurde redaktionell getarnte Werbung untersagt. Es brauchte zwei Instanzen, um den Marktführer davon zu überzeugen, dass irreführende Schleichwerbung in Deutschland verboten ist.

Das Problem, das sich hier dem Endverbraucher offenbart, ist die Zunahme an Oligopolisten und Monopolisten in zahlreichen Märkten, insbesondere in der Internet-Economy, wo Unternehmen wie Google, Facebook, Ebay und Amazon ganze Weltmärkte beherrschen. Dieselbe Marktmechanik gilt jedoch auch für inländische Dienstleister wie für deutsche Airlines und die Bahn. Überall dort, wo Marktmacht ausgespielt werden kann, hat der Verbraucher tatsächlich auch immer das Nachsehen.

Unternehmen, überflüssig wie ein Kropf

Diese Unternehmen sind allesamt auf dem Holzweg. Und ihre durchschaubare Werbung („Your Airline“ (Air Berlin), Nonstop You“ (Lufthansa), „Die Bahn macht mobil“) können sie sich gleich sparen. Der Verbraucher ist keine Melkkuh. Er wird sich das nicht gefallen lassen. Er wird schnell nach Alternativen suchen: Nach Unternehmen, die sich an seinen Bedürfnissen und Wünschen orientieren. Wenn die Airlines, die Bahn, ElitePartner, Amazon und Fielmann (um nur die beschriebenen Beispiele aufzugreifen) nicht umdenken, werden sie von Wettbewerbern abgelöst, deren Ziel nicht ausschließlich darin besteht, ihre Kunden übers Ohr zu hauen.

Dienstleister



In der heute schnelllebigen, Internet-getriebenen und globalen Welt wird es nicht lange dauern, bis sich neue Anbieter formieren, die fair mit ihren Kunden umgehen. Weil sie darin eine Chance - ein neues, erfolgversprechendes Geschäftsmodell - erkennen.

Diese ehrlichen Modelle sind keinesfalls neu, sie werden von Marketing- und Werbe-Gurus wie David Ogilvy seit den 60er Jahren propagiert. In der heutigen Zeit sind sie die zwingende Voraussetzung für geschäftlichen Erfolg. Wenn traditionelle Unternehmen sie nicht umsetzen, werden sie vom Markt verschwinden. Das kann schneller gehen, als den Aktionären Recht ist.

Der Verbraucher, von solchen Unternehmen mit Füßen getreten, kann und wird zurücktreten. Und er wird damit die Märkte stärker verändern als je zuvor. Soziale Medien wie Facebook, Twitter, YouTube und unzählige Blogs geben ihm die öffentliche Macht dazu in die Hand. Er wird sie nutzen und viele Unternehmen vor unlösbare Probleme stellen.

Es sei denn, sie denken um. Ich empfehle ihnen, das jetzt zu tun.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%