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Verheerende Signale für die Branche

Springer verkauft sein Printimperium an die Funke-Gruppe, Publicis und Omnicom fusionieren. Viel ist darüber geschrieben worden - nicht aber, warum diese beiden Nachrichten so desaströse Auswirkungen haben werden.

Das Logo der Axel Springer AG vor dem Axel-Springer-Hochhaus Quelle: dpa

Die Axel Springer AG, ein Unternehmen, das man bis vor wenigen Tagen zu den größten Medienhäusern Deutschlands zählte, trennt sich von seinem Erbe. Die vom Gründer Axel Cäsar Springer 1945 gegründeten Blätter Berliner Morgenpost, Hamburger Abendblatt (1948), sowie Hörzu (1946) und Bild der Frau gehen an die Funke-Gruppe, der ehemaligen WAZ, die damit ihr Portfolio um regionale Tageszeitungen und Frauen- und Programmzeitschriften ausweitet.

Print gehört in die Provinz

Für Springer ist es ein bewusster Abschied von Print. Obwohl die abgestoßenen Blätter eine gute Rendite abwarfen, hat man in der Berliner Axel-Springer-Straße keine Lust mehr auf Print. Print gehört in die Provinz nach Essen. In Berlin hingegen findet die digitale Zukunft statt. Dies jedoch eher in Form von PKW- (autohaus24.de), Immobilien-Portalen (immonet.de) und Job-Börsen (stepstone.de), die man schwerlich dem Medienmarkt zuordnen kann. Mit dem Geld aus dem Funke-Deal will sich Springer, so wird vermutet, das Kleinanzeigenportal Scout einverleiben.

Das Signal, das Springer damit sendet, ist verheerend. Es ist ein Signal an den gesamten Medien- und Werbemarkt: Print ist tot. Wer von den Werbungtreibenden ohnehin beabsichtigte, seine Print-Werbebudgets weiter zu kürzen, wird dies nun getrost erst recht tun. Der Umsatzverlust, der Print für das nächste Jahr erneut droht, wird nun - dank Springer – vermutlich höher ausfallen, als bisher angenommen. Ob die Funke-Gruppe dieses Szenario in Betracht zog, als man die vermeintlich profitablen Objekte übernahm, darf bezweifelt werden.

Niemand hat die Absicht, bessere Medien zu machen

Ein weiteres Signal muss man als verheerend bezeichnen: Niemand hat mehr die Absicht, bessere, zeitgemäße Print-Medien zu entwickeln. Es geht ausschließlich um Einspareffekte und Synergien. Dass einzige Ziel, das die Print-Medienhäuser öffentlich zu Tage fördern, ist, dass sie beabsichtigen, ihre Medien billiger zu machen, also durch Synergie-Effekte und weiteres Ausdünnen der Redaktionen möglichst hohe Renditen zu erwirtschaften. Hier wird die ehemalige Cash-Cow Print nur noch gemolken. Damit verstärken sie das Signal: Print ist zum Tode geweiht. Wir entnehmen nur noch das bisschen Blut, das wir im ansonsten bereits ausgehöhlten Körper vorfinden.

Diese Springer-Titel gehören bald der Funke-Gruppe

Dieser Paukenschlag erweist sich als gelungene Story für die Finanzmärkte. Die Rede ist von Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Dollar. John Wren, CEO von Omnicom bringt es auf den Punkt: „Wir werden in großem Umfang Wert schaffen für Aktionäre.

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