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Werbesprech

Wehmütige Werber-Weihnacht

Pünktlich zu Weihnachten überschlagen sich die negativen Schlagzeilen in der Medien- und Werbebranche: Skandale, Stellenabbau, Streitereien und Defizite. Da sind gute Nachrichten willkommen. Besonders wenn ausgerechnet die Werber Gefühl zeigen und den Deutschen warm wird ums Herz. Eine Kolumne.

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Ein werblicher Lichtblick zum Advent ist der #heimkommen-Werbespot des Einzelhandelsriesen Edeka. Foto: Edeka/dpa Quelle: dpa

Die aktuellen Konsumdaten der GfK verheißen zu Weihnachten nichts Gutes. Nach einer Umfrage der Nürnberger Marktforscher werden die deutschen Verbraucher in diesem Jahr im Schnitt nur 274 Euro für Geschenke ausgeben. Das sind, im Widerspruch zu bislang positiveren Schätzungen, elf Euro weniger als noch im Vorjahr und bedeutet einen Rückgang um vier Prozent. Noch düsterer sieht es für den Handel aus: Hier ermittelte GfK einen Rückgang um fünf Prozent. Der erwartete Handelsumsatz beträgt demnach 14,3 Milliarden Euro, gegenüber dem Vorjahr werden also satte 750 Millionen in den Kassen fehlen.

Die Gründe dafür sind unklar. Es vermischen sich wachsende Sorgen um Konjunktur und Arbeitsplätze mit möglichen Reaktionen auf die Terroranschläge von Paris, die jedoch nach Aussage der GfK in der Erhebung nicht einmal Berücksichtigung fanden. Der GfK-Konsumklimaindex befindet sich derzeit auf dem niedrigsten Stand seit Jahresbeginn. Die Markforscher sprechen von einer „latenten Verunsicherung“. So klagten auch die zahlreichen Weihnachtsmärkte in den Innenstädten des Landes zur Eröffnung über einen unerwarteten Rückgang der Besucher.

Das alles sind keine sonderlich guten Vorboten für die Werbeetats des kommenden Jahres. Denn die Unternehmen investieren ungern in Absatzförderung, wenn sie gleichzeitig zusehen müssen, wie ihre Umsätze sinken - zumal die Marketingbudgets meist und zwangsläufig aus dem verdienten Geld des Vorjahres bestritten werden.

Traurige Gesichter unterm Weihnachtbaum

Traurig dreinblicken werden auch die Abermillionen Haushalte, die vom VW-Abgasskandal betroffen sind. Nach Aussage von VW-Fahrern haben sie auch drei Monate nach Veröffentlichung der Betrugsserie keine Post aus Wolfsburg erhalten. Sie wissen nach wie vor nicht, ob sie die großen Verlierer sind, um wie viel Abgasemission und Spritverbrauch höher sind als angenommen, ob und für wen höhere Steuern anfallen und sie am Ende den sicheren Wertverlust ihres PKWs selbst tragen müssen.

Der Konzern bewirbt zwar seine Marken konstant weiter als wäre nichts geschehen, aber die deutlich wichtigere Kommunikation mit seinen loyalen Kunden blendet er offenbar komplett aus. Volkswagen lässt die eigenen Kunden vor Weihnachten sprichwörtlich im Regen stehen.

Fujitsu streicht 400 Jobs
Fujitsu Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu will einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland 400 bis 500 Arbeitsplätze abbauen. Eine endgültige Entscheidung solle nach Verhandlungen mit den Beschäftigten fallen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Insgesamt beschäftigt der Konzern hierzulande 12.000 Menschen. Die Stellenstreichungen beträfen hauptsächlich Entwicklung und Informationstechnik. Bereits am Dienstag hatte der Konzern bekanntgegeben, in Großbritannien 1800 Jobs zu streichen. Das entspricht 18 Prozent der Belegschaft dort. Insidern zufolge könnte sich Fujitsu künftig auf IT-Dienstleistungen konzentrieren. Mit dem weltgrößten Computer-Hersteller Lenovo verhandelt das Unternehmen offenbar über einen Verkauf des PC-Geschäfts von Fujitsu. Quelle: REUTERS
Lufthansa Technik Quelle: dpa
DAK Gesundheit Quelle: dpa
EnBWDer Energieversorger baut weiter Stellen ab: Die Energie Baden-Württemberg werde sich aus dem Strom- und Gasvertrieb an Großkunden der Industrie zurückziehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Davon seien 400 Beschäftigte betroffen, denen ein Aufhebungsvertrag oder ein alternativer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werde. Auch im Privatkundengeschäft, der Energieerzeugung und der Verwaltung steht demnach Stellenabbau bevor, der noch nicht beziffert wurde. In den vergangenen zwei Jahren waren bereits rund 1650 Stellen weggefallen. Quelle: dpa
Intel Quelle: REUTERS
Nokia Quelle: dpa
Der IT-Konzern IBM plant in Deutschland offenbar einen massiven Stellenabbau Quelle: dpa

Millionen weitere Deutsche erwarten eine ebenso traurige Weihnacht. Die Zahl der Unternehmen, die ausgerechnet die Vorweihnachtszeit nutzen, um Stellenstreichungen anzukündigen, könnte länger nicht sein. Darunter befinden sich IBM, Deutsche Börse, Deutsche Bahn, HypoVereinsbank, Bosch, Hewlett-Packard, Deutsche Bank, Continental, Siemens, EnBW, Arewa, Karstadt, Sony, SMA, Talanx und  RWE, um nur einige der prominenten Beispiele zu nennen. Selbst die Bundesagentur für Arbeit kündigt einen Stellenabbau an. Und Volkswagen wird sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch zu dieser Liste hinzugesellen. Derzeit wird nebulös ein Abbau von Stellen „nicht ausdrücklich ausgeschlossen“.

Zeitungen, Verlage und Agenturen streichen Stellen

Auch die Medien- und Werbebranche steht unter massivem, nie dagewesenem Druck. Es gibt kaum eine Zeitung, die in diesen Tagen nicht über Stellenabbau spricht. Zuletzt präsentierte der Verlag des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ seine Sparpläne. Die Hamburger werden bis Ende nächsten Jahres jeden fünften Arbeitnehmer entlassen.

Um die Werbeagenturen steht es nicht besser: Insbesondere großen Networkagenturen und einstmals schillernden Namen wie JWT, Y&R, Saatchi & Saatchi, Publicis oder TBWA bläst ein eiskalter Wind ins Gesicht. Infolge von Kundenverlusten, Auftragsrückgängen und der Umstellung von Jahres- auf Projektaufträge seitens ihrer Kunden werden ganze Büros geschlossen. Es ist von Niedergang und Krise die Rede. Viele Agenturmanager sehen ihr ganzes Geschäftsmodell in Frage gestellt.

Neid und Missgunst

Statt sich jedoch um die Zukunft ihrer Agenturen zu kümmern, streiten sich Agenturchefs lieber um die Vergabe des Effie-Awards. „Neid und Missgunst, Hahnenkämpfe und Zickenkriege bestimmen den Arbeitsalltag der Werber“, schreibt Volker Schütz in „Horizont“. Sie machen ihre ohnehin als eitel verschriene Werbebranche zum Gespött nicht nur der Fachblätter, sondern längst auch der Wirtschaftspresse. Wenn nun sogar Anwälte zu Hilfe gerufen werden, kann in der Werbebranche von Besinnlichkeit in der Vorweihnachtszeit wohl keine Rede sein.

Da kommt schnell Freude über jede noch so kleine, aber gute Nachricht auf. So erfahren wir voller Entzücken, dass die um die Sicherheit der Bürger besorgte EU-Kommission beabsichtigt, die Sicherheitsanforderungen von Kerzen und damit auch die Höhe der Kerzenflamme bis ins Detail zu regulieren. Damit wäre wenigstens das Weihnachtsfest 2016 gesichert.

Dienstleister



Ein weiterer und immerhin werblicher Lichtblick just zum Advent ist der #heimkommen-Werbespot des Einzelhandelsriesen Edeka. Darin geht es um einen traurigen, alten Opa, der wieder einmal zu Weihnachten nicht von seiner Familie besucht wird. Den Clip weiter zu beschreiben ist nicht erforderlich, denn er wurde alleine bei YouTube bereits von über 30 Millionen Verbrauchern angesehen und rührt ganz Deutschland zu Tränen.

Selbst Werber-Kollegen verbeugen sich in Demut vor der „Emotionsbenchmark“ des Jahres. Was genau Edeka mit seinem Spot verkaufen will, bleibt zwar ein Rätsel, rückt aber angesichts des überwältigenden Sympathieerfolges in den Hintergrund.

Edeka und die Werbeagentur Jung von Matt beweisen uns damit wieder einmal: Egal, wie traurig die Situation auch sein mag, die Werbung ist immer für uns da, wenn wir sie brauchen. Mal um die Stimmung zu heben, mal um uns nachdenklich zu stimmen. In diesem Sinne wünsche ich eine besinnliche Weihnachtszeit.

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