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Werbesprech

Wehmütige Werber-Weihnacht

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Zeitungen, Verlage und Agenturen streichen Stellen

Auch die Medien- und Werbebranche steht unter massivem, nie dagewesenem Druck. Es gibt kaum eine Zeitung, die in diesen Tagen nicht über Stellenabbau spricht. Zuletzt präsentierte der Verlag des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ seine Sparpläne. Die Hamburger werden bis Ende nächsten Jahres jeden fünften Arbeitnehmer entlassen.

Um die Werbeagenturen steht es nicht besser: Insbesondere großen Networkagenturen und einstmals schillernden Namen wie JWT, Y&R, Saatchi & Saatchi, Publicis oder TBWA bläst ein eiskalter Wind ins Gesicht. Infolge von Kundenverlusten, Auftragsrückgängen und der Umstellung von Jahres- auf Projektaufträge seitens ihrer Kunden werden ganze Büros geschlossen. Es ist von Niedergang und Krise die Rede. Viele Agenturmanager sehen ihr ganzes Geschäftsmodell in Frage gestellt.

Neid und Missgunst

Statt sich jedoch um die Zukunft ihrer Agenturen zu kümmern, streiten sich Agenturchefs lieber um die Vergabe des Effie-Awards. „Neid und Missgunst, Hahnenkämpfe und Zickenkriege bestimmen den Arbeitsalltag der Werber“, schreibt Volker Schütz in „Horizont“. Sie machen ihre ohnehin als eitel verschriene Werbebranche zum Gespött nicht nur der Fachblätter, sondern längst auch der Wirtschaftspresse. Wenn nun sogar Anwälte zu Hilfe gerufen werden, kann in der Werbebranche von Besinnlichkeit in der Vorweihnachtszeit wohl keine Rede sein.

Da kommt schnell Freude über jede noch so kleine, aber gute Nachricht auf. So erfahren wir voller Entzücken, dass die um die Sicherheit der Bürger besorgte EU-Kommission beabsichtigt, die Sicherheitsanforderungen von Kerzen und damit auch die Höhe der Kerzenflamme bis ins Detail zu regulieren. Damit wäre wenigstens das Weihnachtsfest 2016 gesichert.

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Ein weiterer und immerhin werblicher Lichtblick just zum Advent ist der #heimkommen-Werbespot des Einzelhandelsriesen Edeka. Darin geht es um einen traurigen, alten Opa, der wieder einmal zu Weihnachten nicht von seiner Familie besucht wird. Den Clip weiter zu beschreiben ist nicht erforderlich, denn er wurde alleine bei YouTube bereits von über 30 Millionen Verbrauchern angesehen und rührt ganz Deutschland zu Tränen.

Selbst Werber-Kollegen verbeugen sich in Demut vor der „Emotionsbenchmark“ des Jahres. Was genau Edeka mit seinem Spot verkaufen will, bleibt zwar ein Rätsel, rückt aber angesichts des überwältigenden Sympathieerfolges in den Hintergrund.

Edeka und die Werbeagentur Jung von Matt beweisen uns damit wieder einmal: Egal, wie traurig die Situation auch sein mag, die Werbung ist immer für uns da, wenn wir sie brauchen. Mal um die Stimmung zu heben, mal um uns nachdenklich zu stimmen. In diesem Sinne wünsche ich eine besinnliche Weihnachtszeit.

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