Werner knallhart

Bosch gegen Emio: der unfaire Kampf der E-Roller-Sharer

Das Start-up Emio bietet Carsharing auf zwei Rädern: Motorroller mit E-Antrieb. Nun bekommt das Team Konkurrenz von der Bosch-Tochter Coup. Die wollen den Markt aufrollen. Und nennen mich total bescheuert "Coupster".

Bosch-Tochter Coup, E-Motorroller Quelle: dpa

Wer wissen will, wie er sich in ein paar Jahren fortbewegen wird, der kann sich das heute schon einmal in Berlin angucken.

Carsharing ist da schon Standard. Noch recht neu ist E-Roller-Sharing: per Smartphone einen elektrischen Motorroller minutenweise mieten. Die Dinger sind wendig, dürfen wie Fahrräder auf jedem Bürgersteig abgestellt werden, solange man mit dem Kinderwagen durchkommt. Damit entfällt die Parkplatzsuche. Das Problem ist ein für allemal gelöst! Und dank des E-Motors sind die Roller einfach zu fahren und leise unterwegs wie eine Raubkatze.

Das verdanken wir Emio. Das Berliner Start-up hat im Frühjahr 2015 begonnen, 150 ihrer warmorange-farbenen E-Roller im Retro-Look in der Stadt aufzustellen. Wer sich beim Anbieter registriert hat, kann die E-Roller künftig per Smartphone-App reservieren, hingehen, per Tastendruck in der App Helmbox öffnen, Helm und den Schlüssel entnehmen.

Die größten Carsharing-Anbieter
Car2Go (Daimler)Kundenzahl: 160.000 Fahrzeugzahl: 42.000 Städte: München, Hamburg, Ulm/Neu-Ulm, Hamburg, Düsseldorf, Berlin, Köln, Stuttgart, Wien, Birmingham, London, Amsterdam, Lyon, Austin, San Diego, Washington D.C., Portland, Miami, Seattle, Toronto, Vancouver, Calgary Wie es funktioniert: Mobil: Fahrzeuge stehen im Stadtgebiet und können überall abgestellt werden. Ortung über Smartphone oder Internet Anmeldegebühr: Einmalig zwischen 9 und 19 Euro Nutzungskosten: Zwischen 24 und 29 Cent pro Minute, höchstens 12,90 Euro pro Stunde Extras: Benzin und Parkgebühren inkl. Fahrzeugtypen: Smart, 600 E-Smarts Quelle: dpa
DriveNow (BMW)Städte: Berlin, München, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Wien, San Francisco Nutzer: über 350.000 Autos: 2950 Automodelle: BMW 1er, BMW X1, BMW ActiveE, MINI, MINI Cabrio, MINI Clubman, MINI Countryman Fixkosten: Anmeldung 29 Euro (derzeit 19 Euro mit 30 Minuten Fahrtguthaben) Reservierung eines Autos: 2x15 Minuten vor Fahrt kostenfrei möglich Fahrtkosten pro Minute: 0,31 Euro; BMW X1 und Mini Cabrio (01.04.-31.10.): 0,34 Euro; günstigere Preise ab 0,24 Euro je Minute in Spar-Paketen möglich Parkkosten pro Minute¹: 0,15 Euro (Montags bis Freitags 0:00 bis 6:00 Uhr kostenfrei) Kosten pro Kilometer: inklusive bis 200 km, je Mehrkilometer 29 Cent Kosten Kurzfahrt²: 3,72 Euro Kosten Stadtfahrt³: 17,75 Euro Versicherung: Haftpflicht und Kaskoversicherung inklusive (Selbstbehalt bei selbstverursachten Unfällen maximal 750 Euro; kann gegen gebühr reduziert werden) Anmeldung (Internet): de.drive-now.com ¹Kosten, die für das Parken anfallen, wenn die Fahrt nicht beendet wird ²Beispiel 5 Kilometer in 12 Minuten ³Beispiel: Hin und Rückfahrt, je 10 Kilometer und je 25 Minuten Fahrt und 15 Minuten parken Quelle: Unternehmen Quelle: Presse
Flinkster (Bahn)Kundenzahl: 215.000 Fahrzeugzahl: 2.800 Städte: 140 Städte Wie es funktioniert: Stationsbasiert: mehr als 800 Ausleih- und Rückgabeorte, z.B. an allen großen ICE-Bahnhöfen Anmeldegebühr: Einmalig 50 Euro, Bahncard-Inhaber kostenlos Nutzungskosten: Kleinwagen 2,30 Euro pro Stunde plus 18 Cent pro Kilometer Extras: Benzin und Strom inkl. Fahrzeugtypen: Kleinwagen bis Transporter, mehr als 100 E-Fahrzeuge Quelle: Screenshot
Quicar (VW)Kundenzahl: 4.000 Fahrzeugzahl: 200 Städte: Hannover Wie es funktioniert: Persönlich zur Quicar Station gehen oder online, per Smartphone-App oder über die Hotline die nächste der 50 festen Ausleihe- und Rückgabeorte auswählen und ein freies Auto aussuchen Anmeldegebühr: Einmalig 25 Euro, für Schüler, Studenten und Azubis zahlen 15 Euro Nutzungskosten: Erste halbe Stunde 6 Euro, danach pro Minute 20 Cent, Parktarif 10 Cent pro Minute, 10 Stunden ab 30 Euro Extras: Benzin inkl. Fahrzeugtypen: Golf Blue Motion, VW up!, VW Beetle, Golf Cabrio, Passat Variant, Sharan, Caravelle, Transporter Quelle: Screenshot
Book N DriveKundenzahl: 10.00 Fahrzeugzahl: 2.500 bundesweit, davon 330 im Rhein-Main-Gebiet Städte: Darmstadt, Frankfurt am Main, Mainz, Oberursel, Offenbach, Rüsselsheim und Wiesbaden Wie es funktioniert: Stationsbasiert Anmeldegebühr: Je nach gewähltem Paket kostenlos oder 29 Euro Nutzungskosten: Je nach Paket: Kleinwagen ab 1,50 Euro pro Stunde plus 16 Cent pro Kilometer Extras: Benzin inkl. Fahrzeugtypen: Kleinwagen bis Transporter, in Kooperation mit Flinkster bietet Book N Drive in vielen Städten Elektro-Autos an Quelle: Screenshot
CambioKundenzahl: 50.000 Fahrzeugzahl: 1500 Städte: 14 Städte, z.B. Köln, Bonn, Berlin Wie es funktioniert: Stationsbasiert Anmeldegebühr: Einmalig ab 30 Euro, plus monatliche Grundgebühr ab 2 Euro Nutzungskosten: Pro Stunde zwischen 1,90 und 5,40 Euro, plus 23 bis 42 Cent pro Kilometer Extras: Benzin inkl. Fahrzeugtypen: Von Smart bis Transporter, auch Mitsubishi E-Fahrzeuge Quelle: Pressebild
Carpooling.com/Mitfahrgelegenheit.deKundenzahl: 4,7 Mio. Nutzer Fahrzeugzahl: rund 900.000 Angebote Städte: Ganz Europa Wie es funktioniert: Mitfahrgelegenheiten im Internet finden Anmeldegebühr: keine Nutzungskosten: ca. 5 - 8 Euro pro 100 Kilometer Extras: keine Fahrzeugtypen: alle Quelle: Pressebild
GreenWheelsKundenzahl: 10.000 Fahrzeugzahl: 300 Städte: 25 Städte Wie es funktioniert: Stationsbasiert Anmeldegebühr: 5 Euro pro Monat Nutzungskosten: 21 Cent pro Kilometer (Kompaktklasse) beziehungsweise 26 Cent (Vans). Der Tagespreis bei den Kompakten beträgt 22 Euro und bei Vans 29 Euro. Extras: Benzin inkl. Fahrzeugtypen: Toyota, Kompaktwagen und Vans Quelle: Screenshot
StadtmobilKundenzahl: über 30.000 Fahrzeugzahl: 1.800 Städte: 74 Städte Wie es funktioniert: Stationsbasiert Anmeldegebühr: Einmalig 39 Euro, 2 Euro pro Monat Nutzungskosten: Kleinwagen 1,30 bis 2,20 Euro pro Stunde plus 22 Cent pro Kilometer Extras: Benzin inkl. Fahrzeugtypen: Kleinwagen bis Transporter, auch Hybrid- und E-Fahrzeuge Quelle: Pressebild
teilAutoKundenzahl: 15.000 Fahrzeugzahl: 450 Städte: 17 Städte in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt Wie es funktioniert: Stationsbasiert Anmeldegebühr: Einmalig 25 Euro, je nach Paket monatliche Grundpreise von 0 bis 30 Euro Nutzungskosten: Kleinwagen im Starttarif ab 2,28 Euro pro Stunde plus 21 bis 28 Cent pro Kilometer Extras: Benzin inkl. Fahrzeugtypen: Kleinwagen bis Transporter Quelle: Screenshot
AutonetzerKundenzahl: 15.000 Fahrzeugzahl: 6.000 Städte: Ganz Deutschland Wie es funktioniert: Peer-to-Peer-Konzept: Privatautos in der Nachbarschaft mieten, über Internet oder Smartphones Anmeldegebühr: keine Nutzungskosten: Golfklasse ca. 20 Euro pro Tag/ Versicherung 5,90 für 4 Stunden, 8,90 Euro für 24 Stunden Extras: Bei häufigen Mieten sinkt Versicherungsgebühr Fahrzeugtypen: Smart bis Sprinter Quelle: Pressebild
DeinBusKundenzahl: 20.000 Fahrzeugzahl: k.A. Städte: Abfahrten in mehr als hundert Städten Wie es funktioniert: Mitfahrzentrale für Busfahrten Anmeldegebühr: keine Nutzungskosten: Strecke München-Stuttgart z.B. 9 Euro Extras: keine Fahrzeugtypen: Busse Quelle: Pressebild
FlincKundenzahl: über 100.000 Fahrzeugzahl: 70.000 Städte: Ganz Deutschland Wie es funktioniert: Ridesharing, Smartphones und Navigationsgerät bringen Fahrer und Mitfahrer zusammen Anmeldegebühr: keine Nutzungskosten: ca. 10 Cent pro Minute Extras: keine Fahrzeugtypen: alle Quelle: Screenshot
NachbarschaftsautoKundenzahl: 7.000 Fahrzeugzahl: 1.000 Städte: Ganz Deutschland Wie es funktioniert: Peer-to-Peer-Konzept: Privatautos in der Nachbarschaft mieten, über Internet oder Smartphones Anmeldegebühr: keine Nutzungskosten: Verleiher bestimmen den Preis, Golf-Klasse ca. 25 Euro, 8,90 Euro Versicherung und 1,50 Euro Buchungsgebühr, der Leiher trägt zudem die Spritkosten Extras: Kurzmieten von einer Stunde bis Wochenmieten möglich Fahrzeugtypen: Smart bis Hummer Quelle: Screenshot
PocketTaxiKundenzahl: 700 Fahrzeugzahl: 700 Städte: Region Karlsruhe Wie es funktioniert: Ridesharing vermittelt vor allem Fahrten für Pendler Anmeldegebühr: keine Nutzungskosten: k.A. Extras: Für Pendler optimiertes System Fahrzeugtypen: alle Quelle: Pressebild
TamycaKundenzahl: k.A. Fahrzeugzahl: 2.500 Städte: 650 Städte Wie es funktioniert: Peer-to-Peer-Konzept: Privatautos in der Nachbarschaft mieten, über Internet oder Smartphones Anmeldegebühr: keine Nutzungskosten: Golfklasse ca. 25 Euro pro Tag/ 10 Euro für 4 Stunden, plus 9,90 Euro Versicherung Extras: keine Fahrzeugtypen: Smart bis Rolls Royce Quelle: Pressebild

Das Problem: Das System ist sympathischer, als Emio es mit seinen 150 Rollern aushält. Das Ergebnis: Schon diesen Sommer waren Emios kaum mehr zu kriegen. Wollte ich schnell mal eben zu einem Termin, waren von den 150 Emios mitunter gerade mal gut 20 frei. In ganz Berlin. Und dann eben kilometerweit entfernt.

Ich ertappte mich jüngst dabei, wie ich an einem abgestellten Emio vorbei lief und mir dachte: "Soll ich es mieten, wenn da schon mal eins steht?" Dabei musste ich nirgends hin.

Mittlerweile habe ich mir abgewöhnt, die Emio-App zu öffnen, wenn die Fahrt dringend ist.

Und genau in dieser Zeit des schlimmsten Emio-Mangels greift jetzt Bosch an. Deren Tochterfirma Coup will Berlin auf kurz oder lang mit 1000 E-Rollern überrollern. 1000! Da höre ich Emio quietschen. Coup ist dabei wahrlich der Gegenentwurf zu Emio. Das einzige, was Emio und Coup gemeinsam haben, sind E-Roller. Der Rest sind zwei Welten.

Mit dem Namen geht es schon los. Emio heißt Emio. Aber wie heißt Coup? Spricht man es Kuh oder Kuhp? Tja. Und noch blöder: Seine Kunden bezeichnet Coup als Coupster. Das ist nicht nur lächerlichster Marketing-Bullshit für Micky-Maus-Heft-Leser, das ist regelrecht frech. Denn die englische Bedeutung von Coup ist Putsch. Und Coupster sind folglich grob übersetzt Putschisten. In heutiger Zeit nicht gerade ein Kompliment. Ich will kein Coupster sein. Wenn ich einen Smart ausleihe, bin ich schließlich auch kein Car2goster.

Und eine Fahrt mit Coup heißt auch nicht Fahrt, sondern bei Coup ist eine Fahrt ein "Ride". "Gute Fahrt" heißt bei dem deutschen Unternehmen "Have a good ride!" Da hat wohl einer bei der Beraterfirma Boston Consulting Group in den 90ern studiert. BCG-Berater setzen das Projekt Coup nämlich für Bosch um.

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