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Werner knallhart

Wie lange gibt es noch das gute, alte Fernsehen?

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Das positive Alleinstellungsmerkmal des linearen Fernsehens

Einige Sender bäumen sich schon auf - im Rahmen ihrer linearen Möglichkeiten. Super RTL mit Europas erfolgreichstem privaten Kinderfernsehen, der Marke Toggo, etwa geht voran und hat einen zweiten Sender: Der heißt Toggo Plus.
Das Konzept: das identische Programm wie bei Super RTL, nur alles eine Stunde später nochmal. So kommen die Werbekunden pro gebuchtem Spot auf einen besseren Preis pro erreichtem Zuschauer. Und die Kinder haben nun eine weitere Chance pro Tag, ihre Sendung von Anfang an zu sehen, wenn sie zur ersten Ausstrahlung noch an den Hausaufgaben sitzen.
Aber beim Streaming sind es unendlich viele Chancen. Am meisten wird die Kinder noch vom Streaming abhalten, dass die Eltern sie nicht lassen oder sie die Geräte dafür nicht in die Hände bekommen. Alles eine Frage der Zeit.
Was bleibt also das positive Alleinstellungsmerkmal des linearen Fernsehens? Ich finde, es gibt sogar zwei:
1. Nichts ist aktueller als Live-Infos. Live schlägt Video on Demand. Das sage ich jetzt nicht nur als Moderator eines Live-Magazins im WDR Fernsehen, sondern auch als Zuschauer.
Live-Nachrichten wie Heute, das Heute-Journal und die Tagesthemen, Live-Talkshows wie „Maybritt Illner“ und „Hart aber fair“ oder Live-Magazine wie das Morgenmagazin von ARD und ZDF. Infos und Meinung superfrisch – von jetzt.
Wenn der Moderator live auf seinen Laptop guckt und sagt: „Gerade erreichen uns hier Informationen über eine neue Entwicklung…“, dann spüre ich regelrecht, wie ich dabei bin, wenn die Welt sich bewegt. Das ist Fernsehen!

2. Viele Menschen über 40 betrauern Erlöschen der großen nationalen Lagerfeuer, das Ende von Sendungen wie „Wetten, dass…?“ oder ein bisschen auch „Schlag den Raab“. Doch manchmal gibt es sie noch, die große Live-Unterhaltung: Shows wie „Eurovision Song Contest“, „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ oder große Sportereignisse. Sendungen, über die alle in der Kantine sprechen. Die die Schlagzeilen bestimmen. Wie die Wette mit dem Lastwagen auf den Biergläsern damals.
Aktuelle Information und TV-Events. Das lässt sich nicht so leicht kaputt streamen.
Und deshalb sind die Öffentlich-Rechtlichen klar im Vorteil. Durch ihre Info-Kompetenz, höhere Info-Budgets, ihr hochwertiges Korrespondenten-Netz, ihr journalistisches Renommee – und durch ihren schon heute hohen Programmanteil von Informations-Sendungen – vor allem auch live. Aber auch durch ihre Übertragungsrechte bei großen Sportevents punkten ARD und ZDF.
Die Unterhaltungskompetenz im Bereich Serie und Film indes wandert mit Sicherheit mehr und mehr ins Internet ab. Wie Thies sagt. Und zwar mit Wucht zu den Streaming-Anbietern. Und manchmal reichen kleine emotionale Auslöser wie der Netflix-Knopf auf der Fernsehfernbedienung aus, um den Leuten die Hemmung zu nehmen umzusteigen. Eben: „Ach, das ist ja einfach“.
Ich würde mich als Zuschauer aber auch für die deutschen Produzenten und Unterhaltungssender freuen, wenn alle rechtzeitig erkennen: Zuschauern eine feste Uhrzeit vorzugeben, kann bei vorproduzierter Unterhaltung auf Dauer nicht funktionieren. Weil wir Menschen uns nur dann etwas vorschreiben lassen, wenn wir unterm Strich davon profitieren.
Ansonsten lockt der schnelle Druck auf diese ganzen neuen tollen Tasten auf der Fernbedienung. Meine Mutter geht da voran!

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