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Werner knallhart

Die schlimmsten Fälle von Verbraucher-Irrsinn

Wir lassen uns als Kunde und als Bürger Tag für Tag Blödsinn bieten, nur weil es irgendwie immer so war. Unser Kolumnist hat fünf Kleinigkeiten zusammengetragen, mit denen wir uns zum Deppen machen. Also so richtig.

Ein Mann hält sich eine Banane an den Kopf Quelle: Fotolia

Punkt eins: Vor kurzem stand ich nach einer privaten Feier mitten in der Nacht in einem Kölner Vorort an einer roten Ampel und wollte dringend ins Bett. Denn es war kurz nach vier Uhr morgens am Sonntag. Seit mehreren Minuten hatte ich keinen Menschen mehr gesehen, geschweige denn ein fahrendes Auto auf der Straße. Ich war allein. Zum Glück. So konnte keiner sehen, wie mich gerade die dritte Ampel in Folge demütigte. Stehen vor einer roten Ampel, minutenlang, ohne dass auch nur eine Menschenseele davon profitierte: was für ein hirnrissiger Scheiß. Besonders wenn man weiß, dass es in anderen Kommunen auch anders geht. Wieviele Menschen stehen in Deutschland Nacht für Nacht allein auf weiter Flur und warten vor einer roten Lampe und verschwenden ihre Lebenszeit? Es ist doch menschenrechtswidrig, uns derartig zu Idioten zu machen. Und da regen wir uns darüber auf, wenn ein ICE zehn Minuten zu spät kommt.

Punkt zwei: Was ist das typische Frühstück in einem ICE-Bordrestaurant? Zwei Snickers und eine Cola. Denn bei gefühlt jeder dritten Fahrt, die ich mit dem ICE zurücklege, ist irgendwas im Bordrestaurant so schief gelaufen, dass das Angebot dort zumindest "eingeschränkt" ist. Meist ist es die Kühlung, oft fährt auch die Kaffeemaschine nicht hoch, manchmal wurde die Küche aber auch einfach nicht mit Lebensmitteln beliefert. Dann liegen in der Regel mit Kuli beschriftete Pappendeckel auf den Tischen. "Bordrestaurant geschlossen" oder da steht morgens um 8 Uhr "heute kein Frühstück" drauf. Dann sitzen dort enttäuschte Fahrgäste vier Stunden von Berlin nach Köln mit knurrenden Mägen oder fressen zum Frühstück Schokolade und Salzstangen. Vielfahrer wie ich nehmen deshalb immer Proviant mit für den Fall, dass die Bahn sich mal wieder von ihrer traditionellen Seite zeigt.

Neulich saß ein Fahrgast mir dort gegenüber, guckte vergnügt aus dem Fenster und verdrückte dabei ein selbstgeschmiertes Salamibrot. Hihi, war ja klar, was dann kam. Der Kellner: "Wo dürfen Sie sonst mitgebrachtes Essen im Restaurant essen?" Der Gast: "Neulich wollte ich bei Ihnen frühstücken, da verweigerten Sie Ihren Gästen schulterzuckend den Service, der mir beim Kauf meiner ICE-Fahrkarte in Aussicht gestellt wurde. Heute bin ich mal ein Kunde, der Ihren Service nicht in Anspruch nimmt. Was ist verwerflicher?" Ich fand den Kerl gut. Der Zuschlag für den ICE ist nicht allein erklärbar mit der höheren Reisegeschwindigkeit. Diverse IC-Verbindungen dauern zumindest gleich lang wie die entsprechende Reise mit dem ICE. Der Zuschlag ist demnach auch ein Komfort-Zuschlag. Und was bei einem Minus an Komfort? Warum bekommt man nicht den ICE-Zuschlag zurück, wenn das Restaurant geschlossen ist? In einem Hotelzimmer ohne die versprochene Minibar gäbe es sofort eine Entschädigung, wenn das Haus was auf sich hält. Wir lassen uns von der Bahn aus Gewohnheit einfach zu viel gefallen.

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