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Werner knallhart

Sicherheits-Check: Der würdelose Weg durch den Metalldetektor

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Durchatmen und durch den Metalldetektor

Dann heißt es: durchatmen und durch den Metalldetektor. SIEHSTE! Jetzt piept es doch und schuld ist der Gürtel. Also wieder zurück. Aber seien Sie froh. Richtig demütigend wird es, wenn die Schuhe aus müssen.

Wer denkt schon morgens bei der Auswahl der Garderobe daran, dass er vor Publikum mehrfach auf Socken zurück und nochmal vor durch den Scanner schlurfen muss? Auf Socken, von denen man kürzlich schon dachte: Eigentlich sind die durch, aber einmal tragen geht noch. Auf Socken durch den Detektor-Torbogen – dabei diese Neugier beim Kontrolleur: Gehen die Lampen an der oberen Leiste des Bogens an? Und der Passagier mit festem Blick in die Augen des Kontrolleurs: Sieht der blinkende Lampen? Was für ein Ritual.

Auf Strümpfen im Detektor werden alle zum Hampelmann. Hier verschmelzen alle gesellschaftlichen Schichten zu einem kollektiven Ich-will-hier-weg.

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Die Karten werden übrigens ja gerade neu gemischt durch die Nacktscanner. Denn da kommen selbst lang gediente Unternehmensberater mit Lufthansa-Senator-Status durcheinander. Da darf man plötzlich mitunter Armbanduhren anbehalten, muss aber seitwärts durch. Einige Betroffene halten aufgeregt die Arme hoch, als würden sie gleich erschossen. Andere rennen nach dem Scan los Richtung Fließband, ohne abzuwarten, was der Monitor anzeigt. Hier muss sich die neue Elite bei der Sicherheitskontrolle erst noch finden.

Und danach das Auflesen des Handgepäcks vom Band. Dort, wo sich die Plastikbottiche stauen (nur Wenigflieger räumen artig mit auf).

Manchmal sieht man selbst heute noch ganz peinlich berührte Damen aus fernen Ländern, wie sie ihre Blusen durchwühlen lassen und dann literweise gute Hautlotion von Nivea zum Wegschmeißen aus dem Köfferchen hergeben müssen, mit der sie eigentlich der Großfamilie daheim eine Freude machen wollten. Und man selber unterdrückt ein Kopfschütteln und denkt: Mensch, dass sich das noch nicht auf dem ganzen Globus rumgesprochen hat ...

Und wie man gerade den wohligen Schauer der Zufriedenheit genießt, selbst zu den Globetrottern zu gehören, denen ein Kötter-Security-Mensch mit seinen Vorschriften niemals nie den Tag vermiesen könnte, da tönt es von der anderen Seite des Fließbands: „Haben Sie da eine Nagelschere in der Tasche?“ Shit, die nagelneue Nagelschere.

„Ach, auf der Hinreise bin ich mit der Bahn gefahren. Deshalb. Die hat übrigens 30 Euro gekostet. Muss ich die wirklich wegschmeißen? Sehe ich aus wie ein Terrorist?“

Okay, so. Fail! Schlimmer geht’s nimmer.

Hinterfragen Sie die Regeln jederzeit gerne. Aber besprechen Sie das niemals mit den Sicherheitsleuten. Das ist so, als wenn Sie einem Taxifahrer erklären, wie man besser Auto fährt. Das fehlt dem gerade noch. Es gibt nur eine Art, in Würde zu entkommen: Wortlos die Nagelschere raus kramen, ohne dass die Schmutzwäsche rausfällt.

Und unbedingt vorher die Schuhe wieder anziehen.

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