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Werner knallhart

Nach Hitze-Unwetter: Die Ruhe der Verzweiflung im ICE

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Interrail-Sommer-Feeling für Business-Reisende

Jetzt kommt die fröhliche Kellnerin endlich zu ihrer ersten Tour durch das Restaurant. Das Bordbistro nebenan bleibt geschlossen. Ein Mann kommt von dort herüber, vielleicht Ende dreißig, und stellt sich in den Gang des Restaurants. Als die Kellnerin vorbeikommt, murrt er im Ton eines Kunden, der wirklich noch denkt, hier im Zug zögen die Allüren eines Königs: "Darf ich bitte was bestellen?"

"Einen Moment bitte", sagt die Kellnerin, und fragt dann die Passagiere am Tisch: "Was darf es bei Ihnen sein?"

Der Mann aus dem Bistro schimpfte dazwischen: "Warum überspringen Sie mich? Ich will auch was bestellen."

"Das ist ein Restaurant. Ick bediene erst einmal die Gäste an den Tischen."

Wo öffentlicher Nahverkehr am teuersten ist
Platz 10: San Francisco und Chicago Wer in der berühmten Cable Car von San Francisco (Foto) oder in der Hochbahn von Chicago unterwegs ist, muss zwei US-Dollar für das günstigste Ticket bezahlen. Das macht den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) dieser beiden Städte zum zehntteuersten der Welt, hat die Deutsche Bank ausgerechnet. Dafür hat sie die Preise des jeweils günstigsten Nahverkehr-Tarifs in Städten weltweit in US-Dollar umgerechnet und verglichen. Um einzuordnen, wie teuer oder günstig die Preise sind, hat die Deutsche Bank New York als Bezugspunkt gewählt: Die Preise in Chicago und San Francisco sind beispielsweise 20 Prozent günstiger als im Big Apple. Quelle: dpa
Platz 9: Berlin und ParisBerlin teilt sich den neunten Platz mit Paris. In beiden Städten kostet der günstigste ÖPNV-Tarif umgerechnet 2,06 US-Dollar. Das sind gerade mal 82 Prozent des New Yorker Preises. Quelle: dpa
Platz 8: SydneyWer im australischen Sydney im öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, zahlt 2,14 US-Dollar für das günstigste Ticket – und damit 15 Prozent weniger als in New York. Quelle: AP
Platz 7: Edinburgh und OttawaDen siebten Platz teilen sich wieder zwei Städte: Im schottischen Edinburgh und im kanadischen Ottawa (Foto) kosten die günstigsten ÖPNV-Tickets jeweils umgerechnet 2,48 US-Dollar. Das ist ein Prozent weniger als in New York. Quelle: AP
Platz 6: New YorkWer einmal in New York ist, muss in den Central Park, ins Empire State Buildung – und eine U-Bahn-Fahrt mitmachen. Ein Ticket des günstigsten Tarifs kostet 2,50 US-Dollar, was die Deutsche Bank als Bezugspunkt für alle anderen weltweiten Preise genommen hat. Quelle: REUTERS
Platz 5: TorontoIn der größten Stadt Kanadas kostet ein ÖPNV-Ticket des kleinsten Tarifs umgerechnet 2,73 US-Dollar. Damit zahlen Menschen in Toronto neun Prozent mehr als in New York. Quelle: dpa
Platz 4: FrankfurtAuch Deutschlands Bankenmetropole hat es ins Ranking geschafft: Wer mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof zum Hauptsitz der Deutschen Bank fahren möchte, muss umgerechnet 2,88 US-Dollar zahlen. Das sind 15 Prozent mehr als der niedrigste Tarif in New York und platziert Frankfurt im weltweiten Vergleich auf Platz 4. Quelle: dpa

Der Mann setzte sich daraufhin mit einer Pobacke auf ein freies Stück Sitzbank und posaunt triumphierend: "Ich sitze! Darf ich dann jetzt bestellen?"

Die Kellnerin ignoriert ihn lächelnd. Bestimmt denkt sie: "Was für ein Autofahrer". Ein Gast flüstert ihr zu: "Nicht aufregen lassen." Sie spitzt die Lippen zu einem stummen Nönö.

Halb 9: Ein Fahrgast, der im Restaurant keinen Sitzplatz mehr ergattern konnte, bittet die Kellnerin stehend um eine Tasse Kaffee. Sie sagt: "Ick kann Ihnen leider keene Sitzplatznummer zuordnen, weil Sie stehen. Ick weeß nicht, wie ick Ihren Kaffee in der Kasse bongen soll. Tut mir leid."

Aber sie hat das warme Herz einer Gastronomin. Fünf Minuten später kommt sie vorbei und raunt zufrieden: "Gleich bringt Ihnen der Service aus der ersten Klasse einen Kaffee. Die bongen nicht auf Sitzplatznummern."

Der Fahrgast kann sein Glück kaum glauben: "Darf ich meine Tasse denn auch ohne Platznummer zwischendurch auf einem Tisch abstellen?"

Die wichtigsten Baustellen der Bahn 2015

Ca. 9 Uhr: Fahrkartenkontrolle. Der Schaffner verteilt Fahrgastrechte-Formulare. Er stempelt "mehr als 60 Minuten Verspätung" ab. Eine Frau beschwert sich: "Aber mit dem ausgefallenen Zug vorab habe ich bald drei Stunden Verspätung. Müssen Sie nicht 'mehr als 120 Minuten' abstempeln?"

"Nee. Das Feld ist nur für Nachtzüge."

Die Frau stutzt kurz, legte eine Mine auf, als wolle sie fragen: "HÄÄ?" Dann fällt ihr ein, wessen Kunde sie gerade ist, sagt "Aha" und geht weg.

Viertel vor 10: Meine Tischnachbarin möchte raus in den Gang, um sich die Beine zu vertreten. Drei Minuten später ist sie wieder da und lacht, als amüsiere sie sich über einen eigenen Denkfehler: "Spazieren gehen macht natürlich keinen Sinn. Die Leute sitzen und liegen ja kreuz und quer im Weg über ihren Koffern. Da kommt ja keiner durch." Interrail-Sommer-Feeling für Business-Reisende. Ach, früher, da sind wir Teenager in Brindisi noch durchs Fenster aus dem vollen Zug ausgestiegen. Dafür müsste man heute die Scheiben mit dem Not-Hammer einschlagen. Aber das macht irgendwie nie jemand.

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11 Uhr 09: Wir sitzen hier alle in Jacken, Fleecepullis und Mänteln. Vor 18 Stunden waren es draußen noch 37 Grad. Und prompt ist es richtig kühl im ICE.

Das ist der Beweis: Die Klimaanlagen funktionieren. Sogar extra lange.

Der Zug hat jetzt schon 125 Minuten Verspätung. Wird er damit zum Nachtzug? Das ist wichtig. Der kostet dann nämlich Zuschlag.

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