Werner knallhart

Berliner Verkehrs-Betriebe - die coole Sau im ÖPNV

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Liebe Verkehrsbetriebe in Deutschland, versucht es doch auch mal!

In der Bushaltestelle: "Schön, dass du uns besuchst. Ach ja, Schuhe kannst du anlassen."

Oder jetzt zu Olympia auf Facebook ein Foto von Menschen in Allwetterjacken, die einem Doppeldecker-Bus hinterher rennen. Unterzeile: "Dabei sein ist alles."

Zu Gaulands Boateng-Bemerkung die BVG: "Übrigens: Wer keine Nachbarn mag, ist bei uns falsch." Darunter eine halbbesetzte U-Bahn-Sitzbank.

Oder: "Schon wieder Fashion Week? Wir sind ja schon froh, wenn unsere Gäste eine Hose anhaben."

Oder: "Frohen Ramadan! Pro-Tipp: Im Bus und Bahn ist Essen ohnehin nicht erlaubt."

Oder: "Der echte Berlin-Triathlon: Fähre verpasst, U-Bahn verpasst, Bus verpasst."

Und während andere Verkehrsbetriebe rätseln, ob man denn mit Witzen über Verbote und Verspätungen Werbung machen darf, macht es die BVG einfach. Weil es der Lebenswirklichkeit der Kunden entspricht. Das beseitigt jede Distanz.

Kritiker sagen: Investiert mehr in euren Service und weniger in Werbung. Aber wäre das so, müsste man in Berlin Sprüche lesen wie in Heidelberg: "Ferienzeit - Erlebniszeit mit der VRN-Tageskarte." Und auf dem Foto eine Familie mit Vater, Mutter und Kindern wie aus dem Otto-Katalog der 90er.

Oder in München. Über einem Nashorn mit Helm steht: "Hier stoßen Sie mit Ihrer Nase immer aufs passende Ticket. Online-Ticket-Navigator! Der Durchbruch zu schnellen Ticket-Infos."

In Frankfurt: "Alle fahren mit. Seit 20 Jahren."

Oder man verrennt sich wie die Stuttgarter vor drei Jahren. Der VSS warb: "Das Abo rechnet sich. Das check ich auch ohne Abi." Darunter abgebildet ein tätowierter schwarzhaariger Muskelbursche im Tanktop mit Sonnenbrille und verschränkten Armen in Türsteher-Manier. Die Leute schäumten ob der Überheblichkeit gegenüber geringer gebildeter Kundschaft. Dazu der Geschäftsführer Horst Stammler: "Wenn man Werbung macht, dann ist es zunächst prinzipiell gut, wenn es überhaupt Reaktionen gibt." Nein, ist es nicht. Für Effekt-Hascherei ist eben nicht jedes Mittel recht.

Wenn schon überzeichnete Klischees, dann liebevoll und mit Respekt. Der Grad zwischen clever und peinlich ist eben schmal. Da muss man gut sein.

Die Berliner Verkehrsbetriebe gehen da mutig und schlau voran. Das passt zu einer Hauptstadt. Oder anders gesagt: Es passt so gar nicht zum Bild, das Berlins öffentliche Einrichtungen und Behörden sonst oft abgeben. Sonst klappt da nicht viel. Und deshalb ist die BVG-Kommunikation so erwähnenswert.

Was Kunden von Unternehmen erwarten
Im Social Web herrscht Anwesensheitspflicht Quelle: obs
Deutlich wichtiger als die Facebook-Seite ist also eine aktuelle und übersichtliche Unternehmens-Homepage. Quelle: dapd
Nur relativ wenige Kunden sind bereit, Bewertungen zu schreiben. Quelle: Fotolia
Fast die Hälfte (45 Prozent) der Social-Media-Nutzer erwartet, Rabatte und Gutscheine auf Social Media-Plattformen zu bekommen. Quelle: dpa
Nur 28 Prozent der Nutzer erwarten, dass sie direkt bei Facebook & Co. etwas bestellen können. Quelle: dpa
41 Prozent der Nutzer erwarten, mit dem Unternehmen direkt über Social-Media Seiten kommunizieren zu können. Quelle: dpa

Tweet von Berliner Morgenpost vorgestern (Montag) Mittag: "Video aufgetaucht: Dieser Mann fährt einfach nackt mit der Berliner U-Bahn."

Antwort BVG: "Wo hat der denn seinen Fahrschein? Ach, vielleicht wollen wir das auch gar nicht wissen."

Liebe Verkehrsbetriebe in Deutschland. Versucht sowas doch auch mal. Es wäre für uns Kunden ja auch unterhaltsam, wenn es nicht klappt.

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