Werner knallhart

Mit DHL per Express zum Magengeschwür

Fakt 1: Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Fakt 2: Bei DHL arbeiten 285.000 Menschen. Noch Fragen? Ja, sagt unser Kolumnist Marcus Werner.

Die Stärken und Schwächen der Deutschen Post
QuartalsgewinneDer vom Internetboom profitierende Paketversand in Deutschland und das florierende Expressgeschäft haben der Deutschen Post einen deutlichen Gewinnzuwachs beschert. Das operative Ergebnis des Konzerns stieg im zweiten Quartal um 14 Prozent auf 619 Millionen Euro. Der Konzerngewinn fiel mit 422 Millionen Euro sogar mehr als doppelt so hoch aus wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zu der Verbesserung trugen allerdings auch Einmaleffekte bei. Gleichzeitig hob die Deutsche Post DHL die Gewinnprognose für das Gesamtjahr leicht nach oben an. Der Umsatz des Logistikkonzerns ging von April bis Juni um 0,6 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro zurück. Quelle: dpa
Stärke: ProfitabilitätAlle Sparten der Deutschen Posten arbeiten profitabel. Für 2013 rechnet Konzern-Chef Appelt mit einem Gewinn von 2,7 bis 2,95 Milliarden Euro. Besonders stark ist das Briefgeschäft, das 2012 gut ein Drittel am Gewinn ausmachte. Quelle: REUTERS
Stärke: Monopol-Stellung im BriefmarktDie Post hält 90 Prozent Marktanteil im deutschen Briefgeschäft. Damit ist sie unangefochten die Nummer eins. Das Briefgeschäft soll 2013 zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro Gewinn abwerfen. Quelle: AP
Stärke: Paket-GeschäftDie Post ist zwar Marktführer im Briefgeschäft, doch da immer mehr Privat- und Geschäftsleute die elektronische Kommunikation per E-Mail vorziehen, schrumpft der Markt für Papierbriefe seit 2000 stetig. Dafür läuft das Geschäft mit der Paketzustellung dank Internethandel umso besser. Millionen von Kunden bestellen Päckchen online - und schicken sie deutlich öfter als den Versandhändlern lieb ist wieder zurück. Quelle: dpa
Schwäche: E-PostbriefUm der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Der E-Postbrief lässt sich außerdem ausdrucken und per Briefträger zustellen. Bislang nutzen ihn rund eine Millionen Privatkunden, 4000 Mittelständler und 150 Großkunden - deutlich weniger erhofft. Auch beim elektronischen Briefverkehr der Bundesbehörden kam die Post nicht zum Zug. Diese elektronische Nachrichten müssen nach dem De-Mail-Standard verschlüsselt sein, den die Deutsche Telekom und 1&1 anbieten. Quelle: dapd
Schwäche: Cashflow Obwohl die Post 2012 deutlich mehr Gewinn machte als im Vorjahr, wuchs die Nettoverschuldung auf rund zwei Milliarden Euro. Der Grund: Die Post musste Pensionsverbindlichkeiten von rund zwei Milliarden Euro finanzieren. Hinzu kam eine Umsatzsteuernachzahlung in Höhen von 482 Millionen Euro sowie eine Beihilferückforderung  von rund 300 Millionen Euro. Die Beihilfen hatte der Staat nach der Post-Privatisierung für Beamtenpensionen gewährt, doch die EU-Kommission hielt sie für zu hoch. In den ersten sechs Monaten des Jahres hat die Post ihren Cashflow gegenüber dem Vorjahr jedoch deutlich verbessert. Er stieg von von -767 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2012 auf 99 Millionen Euro in 2013. Die Nettoverschuldung ist allerdings auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen. Quelle: dpa
Schwäche: Teilweise ungedeckte Pensionsverpflichtungen14,7 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen kommen auf die Post zu, mehr als 2,5 Milliarden Euro sind nicht gedeckt. Das heißt diese Summe ist weder in der Bilanz erfasst noch durch externes Fondsvermögen abgedeckt. Quelle: dpa
Schwäche: Hohe KonzernkostenRund 400 Millionen Euro kosten den Konzern sein Headquarter jährlich. Analysten halten die hohen Kosten für eine Erbschaft des ehemaligen Staatsunternehmens, das einst von Beamten geführt wurde. Zum Vergleich: Der Logistikkonzern Kühne + Nagel begnügte sich mit Verwaltungsaufwendungen von rund 110 Millionen Euro. Quelle: AP
Chance: Einstieg im Fernreise-MarktZusammen mit dem ADAC startet die Post am 1. November 2013 den ADAC Postbus. Das neue Fernbusangebot soll schrittweise zu einem deutschlandweiten Netz ausgebaut werden. Bis zum Frühjahr 2014 will die gemeinsame Betreibergesellschaft rund 60 Fernbusse einsetzen und 30 deutsche Städte anfahren. Tickets gibt es ab Oktober 2013 über das Internet und in 5000 Postfilialen und ADAC-Geschäftsstellen. Quelle: dpa

Ich gehöre zu den Kunden, die ihren winzigen Funken an Marktmacht gerne bis zum Exzess ausleben. Oberste Eskalationsstufe: "Dann kaufe ich halt bei der Konkurrenz." Aber wenn man das konsequent durchzieht, dann wird irgendwann das Eis sehr dünne.

Würden Sie auf immer und ewig mit der U-Bahn zum am zweitnächsten gelegenen Supermarkt fahren, nur weil die Kassiererin vom Supermarkt direkt um die Ecke jüngst zu Ihnen sagte: "Jeht 's noch? Ick stornier jar nüscht. Wenn Se hier anna Kasse normale Frosties von Frosties zuckerreduziert unterscheiden könn, denn hätten Se 's ooch schon am Regal jekonnt"?

Aber am allerschlimmsten ist es ja mit dem Paketdienst. Den beauftragt der Versender, aber ausbaden muss es der Empfänger. Perfides System. Hier empfiehlt es sich, seine Rechte nicht gut zu kennen. Sonst verzweifelt man nur daran, dass man sie nicht gewährt bekommt.

Vor einiger Zeit erreichte mich eine SMS von DHL. Sinngemäß stand darin, dass DHL mich sehr ehre und dass ich eine Sendung an eine Packstation am Hauptbahnhof erhalten hätte. Für alle, die PIN und PUK für ein Comic-Heft halten oder Filme noch auf DVD gucken: Packstationen, das sind Postämter, die so klein sind, dass da aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen keine Beamten drin arbeiten dürfen. DHL will sich mit diesen Automaten-Filialen die Arbeit leichter machen, nennt es aber scherzhaft Kundenservice.

Also, die SMS. Ich war baff. Denn nun war offenbar der Augenblick gekommen, da ich mitten im Vorweihnachtszeit-Online-Bestell-Trubel endgültig den Überblick verloren hatte. Ich erwartete dieser Tage tatsächlich keine Post. Und nun diese SMS. Die Neugier zerriss mich fast in Fetzen.

An der Packstation angekommen wirbelte ich routiniert das Identifizierungs-Ritual mit Karte und Mobil-PIN herunter. Dann spielte ich wie immer mit mir selber das kleine Spiel namens "Türchen raten". Welche Klappe würde wohl gleich aufspringen? Ich tippte vergnügt auf eine mittelgroße direkt vor meinem rechten Knie, da knallte es links oben ganz am Rand und die Tür flog auf. Mist. Naja. Hihi!

Ich zog erregt das Päckchen hervor und begriff sofort: Schön war das alles nicht.

Nun kann ein hastiger DHL-Heißsporn ja mal ähnlich geschriebene Namen verwechseln. Marcus Werner/Markus Werner. Meine Güte. Wer wäre ich, mir anzumaßen zu behaupten, solch eine Unaufmerksamkeit könnte nicht auch mir einmal passieren - zum Beispiel bei 42 Grad Fieber oder nachdem ich gerade Opfer eines Raubüberfalls geworden war.

Der wahre Adressat auf dem Päckchen hieß aber irgendwie so etwas wie Pinocchio Waalkes oder Adolf-Maria Balboa. Also wirklich ganz anders als ich.

Aber nun war ich schon mal da. Ich öffnete das Päckchen vorsichtig an einer Lasche. Denn vielleicht war es ja doch für mich. Diese Überlegung war natürlich dumm. Und noch schlimmer: Sie kostete entscheidende Sekunden.

Im Päckchen erkannte ich einen PKW-Außenspiegel in metallic-grün. Ich war mir sicher, den hätte ich selbst im blinden Kaufrausch niemals bestellt. Ich habe kein Auto.

Ich stopfte das unheilvolle Paket zurück in das offene Fach und drückte die Klappe ins Schloss. Doch das Schloss schloss nicht. Auch beim zweiten bis fünfundzwanzigsten Versuch rastete es nicht ein.

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