Werner knallhart

Sollten Männer für Flugtickets weniger zahlen als Frauen?

In Rio de Janeiro sah ich jüngst vor einem Café: "Frühstücksbüffet Männer 39 Reais, Frauen 29 Reais". WAS? Wenn sowas konsequent zu Ende gedacht würde, ginge der Geschlechterkampf erst richtig los. Eine Kolumne.

Gender-Ampel: Frau oder Mann. Quelle: dpa Picture-Alliance

Schon 2011 hat der Europäische Gerichtshof entschieden: Versicherungen müssen Unisex-Tarife anbieten. Günstigere Haftpflichtversicherungen für Autofahrerinnen (weil schlecht einzuparken für Versicherungen billiger ist, als machoprollig zu rasen) sind verboten.

Genauso dürfen Männer bei Renten-, Lebens- und Krankenversicherung nicht davon profitieren, dass sie im Durchschnitt kürzer leben als Frauen.

Aber ist das gerecht? Müssen wirklich Männer für die genetischen Nachteile der Frauen einstehen und Frauen für die der Männer? Auch, wenn sie nicht miteinander verheiratet sind?

Jemand mit einer chronischen Krankheit bekommt beim Eintritt in eine private Krankenversicherung auch nicht den Schnäppchen-Tarif. Er kann da nicht auf die Solidarität der anderen Versicherten pochen.

Und Speditionen zahlen alleine Maut - dafür, dass ihre Lastwagen die Autobahnen kaputt fahren. Keine Solidarität zwischen Lkw und Pkw.

Was wäre, wenn wir die Solidarität auch zwischen den Geschlechtern aufkündigen würden?

Teilweise hat es ja schon begonnen. Oft zum finanziellen Nachteil der Männer! Frauen kommen kostenlos in Clubs und nutzen Flirt-Apps für lau. Alles querfinanziert von den Männern. Die heterosexuelle Balz-Industrie hat das Gleich-Gleich also schon in den Wind geschossen.

Aber das zählt nicht. Denn das Argument der Anbieter: Wenn Frauen zahlen müssten, wären keine hier. Männer erkaufen sich also mit dem Glück der Frauen ihr eigenes.

Aber gucken wir auf Rio. Das Büffet.

Der Geschlechtstest an der Kasse
Auf den ersten Blick wirkt es, als würde sich Hollywood dem Rollenklischee widersetzen. In der Filmreihe "Die Tribute von Panem" spielt die 16-jährige Katniss Everdeen die Hauptrolle. Doch anstelle eines schlagkräftigen Begleiters stellt ihr das Drehbuch einen Stylisten zur Seite. Quelle: dapd
Lego ist bei Kindern beliebt - unabhängig vom Geschlecht. Das heißt aber nicht, dass die Firma nicht auf die vermeintlich unterschiedlichen Vorlieben von Jungs und Mädchen eingeht. Mit der Reihe Lego "Friends" können Mädchen ihrem Bedürfnis nach Baumhausidylle nachkommen. Die Jungs dürfen in der Zeit in der Lego "City" Bankräuber jagen. Quelle: dpa
So putzt sich Mann die Zähne, könnte man meinen. Doch wenn es nach Unilever geht, benutzt der moderne Mann vor allem seine neue Zahnpasta "Signal White Now Men". Da Männer mehr rauchen und mehr Rotwein trinken, brauchen sie auch eine eigene Zahnpasta, so die Logik des Konzerns. Quelle: dpa
Nein, nein. Jungen- oder Mädchenspielzeug gebe es bei McDonalds nicht. Jedenfalls nicht mehr, nachdem sich eine Kundin über diese Einteilung beschwert hatte. Quelle: AP
Autos sind gemeinhin Männersache. Deswegen bemüht sich Opel besonders um die weibliche Kundschaft. Und womit wäre die besser einzufangen, als mit den Vorbildern von Germany's Next Topmodel? Quelle: obs
Waren Kosmetikprodukte bislang nur etwas für Frauen, hat die Industrie bei Herrendüften den Umschwung geschafft. Mittlerweile ist der Markt für Herrendüfte mehr als halb so groß wie der für Damendüfte. Quelle: dapd
Männer, die immer noch kein Parfüm benutzen, sollten natürlich trotzdem gut riechen. Auch dafür hält die Kosmetikindustrie eine Lösung bereit. Echte Männer, die sich - im Gegensatz zu Frauen - immer wieder in 48-stündigen Stresssituationen befinden, können zum Glück auf ein spezielles Deo zurückgreifen. Quelle: obs

Der durchschnittliche Mann hat einen täglichen Energie-Grundverbrauch (also für das schlichte Am-Leben-Bleiben mit Herzschlag, Körpertemperatur und so) von 1900 kcal. Frauen 1300 kcal. Frauen kommen also mit 31,6 Prozent weniger über die Runden als Männer. Unterstellt, dass Frauen folglich auch 31,6 Prozent weniger essen, kommt das Brasilianische Café den Frauen mit einem Rabatt von 25 Prozent noch nicht einmal voll entgegen. Aber immerhin: Wer weniger konsumiert, spart Geld.

Das ist gar nicht so absurd: Die kleine Smartwatch von Apple für das zierliche Damenhandgelenk kostet zum Beispiel auch 11 Prozent weniger als die klobigere für den brachialen Männerarm.

Da können wir Männer froh sein, dass Frauen uns noch unsere größeren Füße subventionieren, wenn sie für Schuhe Größe 38 den gleichen Preis bezahlen, wie wir Männer für Größe 45. Trotz des ungleichen Materialverbrauchs. Das Gleiche gilt für Jeans und T-Shirts.

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