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Wie Vergleichsportale den Markt beeinflussen „Nutzer gehen nur nach dem Preis“

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Geschäft durch Neukundenrabatte nach Ablauf des ersten Jahres

In der Vergangenheit haben die Stromanbieter vor allem über Neukundenrabatte nach Ablauf des ersten Jahres das Geschäft gemacht. Die mussten möglichst hoch sein, oft 25 Prozent, damit der auf den Vergleichsportalen ausgewiesene Preis optisch günstig ist – zumindest im ersten Vertragsjahr. Im Folgejahr liegen die Preise dann schon auf dem Niveau oder gar über den Grundversorgerpreisen, also den Preisen des lokalen Anbieters vor Ort, etwa der Stadtwerke. Teil des Geschäftsmodells einiger günstiger Anbieter war dann schon, den Bonus aufgrund von Ausschlussklauseln möglichst nicht auszuzahlen oder den Kunden mit Tricks über die Mindestvertragslaufzeit in Belieferung zu halten. Inzwischen sind so hohe Neukundenrabatte aufgrund dieser Probleme und Beschwerden nicht mehr üblich. Beliebter ist eine momentan eine Kombination aus einem Sofortbonus, der zwischen zwei und drei Monaten nach Abschluss ausgezahlt wird, und einem Neukundenrabatt von 15 Prozent, der dann nach einem Jahr gezahlt wird. Am Ende erreicht der Rabatt zwar eine ähnliche Größenordnung, aber Verstöße fallen jetzt schon kurz nach Vertragsabschluss auf, zum Beispiel wenn der Sofortbonus nicht pünktlich gezahlt wird.

Nach den Erfahrungen mit der Teldafax und Flexstrom Insolvenz achten Portale inzwischen verstärkt auf die Qualität der Anbieter. Sie kontrollieren die Geschäftsbedingungen und geben bei der Tarifsuche den Nutzern Voreinstellungen, die die anfälligsten Tariftricks herausfiltern. Wünschenswert wäre aus Verbrauchersicht vielleicht, dass die Bonustarife bei den Voreinstellungen der Suche ausgeschlossen würden, das würde aber den Anreiz zum jährlichen Wechsel mindern. Der Trend zu den Bonus-Tarifen, die unter Verbraucherschützern kein gutes Image haben, wird von den Portalen immer noch angefeuert, da günstigere Preise zu mehr bezahlten Wechseln führen. Das ist das Grundproblem: Die Vergleichsportale verdienen nur am Wechsel, nicht an einem zufriedenen Kunden, der über Jahre bei seinem Anbieter bleibt.

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Vergleichsportale unterstützen Stromlieferanten gegen Bezahlung

Die Portale bieten den Lieferanten gegen Bezahlung auch Beratung bei der Tarifgestaltung an und unterstützen sie in vielen anderen Bereichen; so lassen manche Anbieter den Sofortbonus von den Portalen auszahlen. Bei einem Discountanbieter gibt es sogar Hinweise, dass Kunden, die über ein Vergleichsportal abgeschlossen haben, ihren Bonus ausgezahlt bekommen haben. Kunden des gleichen Anbieters, die direkt beim Anbieter abgeschlossen haben, behaupten, den Bonus nicht erhalten zu haben. Solch eine Ungleichbehandlung – wenn die Vorwürfe denn stimmen – würde belegen, wie wichtig den Anbietern ihre positiven Bewertungen auf den Portalen sind. In der Branche gibt es ohnehin vereinzelt Stimmen, die sagen: Schauen wir doch erst mal, ob Kunden es merken, wenn wir den Bonus nicht auszahlen. Erst nach Beschwerden lenken solche schwarzen Schafe dann meist ein.

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