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Wirecard-Skandal Umstrittener Apas-Chef Bose freigestellt

Durch Aktiendeals im Zusammenhang mit Wirecard ist der Apas-Chef freigestellt worden. Quelle: dpa

Ralf Bose, Leiter der Wirtschaftsprüferaussicht Apas ist nun freigestellt worden. Ursächlich sind seine Aktiendeals im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal.

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Der Chef der Wirtschaftsprüfer-Aufsicht Apas, Ralf Bose, ist nach Geschäften mit Wirecard-Aktien freigestellt worden. Darüber sei er bereits am 11. Dezember informiert worden, erklärte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle am Montag. Die Integrität der Apas, die beim Bafa angesiedelt ist, solle bis zur schlussendlichen Aufklärung des Sachverhalts sichergestellt werden. Der Leiter der Unterabteilung Qualitätskontrolle übernehme bis auf Weiteres die Leitung der Behörde.

Bose handelte mit Aktien des mittlerweile kollabierten Zahlungsabwicklers, während die Bundesbehörde die Arbeit des damaligen Wirecard-Bilanzprüfers Ernst & Young (EY) genauer unter die Lupe nahm, wie vergangene Woche im Bundestag-Untersuchungsausschuss aufgedeckt wurde. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte am Freitag erklärt, dass dieser Vorgang ihn befremdet habe.

Bose kaufte am 28. April Aktien von Wirecard und verkaufte sie am 20. Mai wieder, wie Teilnehmer der Ausschusssitzung nach der Befragung Boses gesagt hatten. Erworben hat er sie also ausgerechnet an dem Tag, als der Zahlungsabwickler in einem Sonderbericht ein vernichtendes Urteil der Wirtschaftsprüfer von KPMG erhalten hatte. Der Finanzpolitiker der Linken, Fabio De Masi, wies auf ein Telefonat der Apas-Leitung mit der staatlichen Aufsichtsbehörde Bafin im Zusammenhang mit Wirecard am gleichen Tag hin. Trotzdem habe er an das Geschäftsmodell des aufstrebenden Fin-Techs geglaubt, sagte der Behördenleiter nach Angaben von Teilnehmern im Ausschuss. Zu diesem Zeitpunkt hatte seine Behörde bereits Vorermittlungen gegen die Wirecard-Wirtschaftsprüfer von EY eingeleitet. Die Experten hatten monatelang die Bilanzen von Wirecard durchforstet und erklärt, für Umsätze im Ausland keine Beweise finden zu können. Die damals noch im Dax notierten Aktien waren daraufhin um mehr als 20 Prozent in die Tiefe gestürzt.

Abgeordnete mehrerer Fraktionen forderten personelle Konsequenzen: „Aus meiner Sicht kann er nicht im Amt bleiben“, kommentierte der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar die Aussage des Behördenchefs. Sein Kollege bei den Grünen, Danyal Bayaz, erklärte: „Ohne einen Neuanfang an der Spitze der APAS wird es kaum möglich sein, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.“ Hier sei Altmaier gefragt. Auch der Finanzpolitiker der Linken, Fabio De Masi, forderte die Entlassung des Behördenchefs. Die Bundesregierung habe bereits im November mitgeteilt, dass sie keine Kenntnisse über Aktienhandel bei der Apas und bei weiteren Aufsichtsbehörden habe, da dort keine Meldepflichten existierten.



Die Apas steht im Fall Wirecard in der Kritik, weil sie erst im Sommer 2020 ein förmliches Verfahren gegen EY einleitete, obwohl sich die Betrugsvorwürfe bereits Monate zuvor verhärtet hatten. Ein Unterabteilungsleiter rechtfertigte das im Ausschuss: Nach einem Telefonat mit den Wirtschaftsprüfern habe man den Eindruck gehabt, die Sache werde angegangen. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die Prüfer ihre Berufspflicht verletzten, habe es damals nicht gegeben. Ausschussmitglieder dagegen haben den Eindruck, dass sich EY mit dem Anruf bei der Aufsichtsbehörde habe absichern wollen. „Die Apas scheint eine Zuschauerbehörde zu sein“, kritisierte die SPD-Finanzpolitikerin Cansel Kiziltepe.

EY segnete jahrelang die Bilanzen des inzwischen insolventen früheren Dax-Konzerns Wirecard ab - und ist mit dem Vorwurf konfrontiert, nicht genau genug hingeschaut zu haben. Denn Wirecard soll seit 2015 Scheingewinne ausgewiesen haben, im Sommer räumte der Konzern Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro ein.


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Der Aktienkauf zeige, dass der Leiter der Wirtschaftsprüfer-Aufsicht den Skandal offenkundig überhaupt nicht richtig erfasst habe, erklärte De Masi. Bayaz betonte, der Behördenchef habe „nicht nur die Tragweite des KPMG-Berichts komplett nicht verstanden, sondern auch eine erschreckende Ignoranz gegenüber einem offensichtlichen Interessenskonflikt gezeigt“. „Wie die Apas und ihr zuständiger Minister Altmaier dazu kommen, dass die Aufsichtstätigkeit der Behörde zu den Wirecard-Abschlussprüfungen frei von Fehlern gewesen sein soll, bleibt nach ihren Aussagen im Untersuchungsausschuss völlig unverständlich.“ Die Fahrlässigkeit bei Aufsicht und Kontrolle ziehe sich wie ein roter Faden durch den Wirecard-Skandal.

Zusätzlich erstattet die SPD-Finanzpolitikerin Cansel Kiziltepe wegen aus ihrer Sicht unstimmiger Aussagen im Wirecard-Untersuchungsausschuss Anzeige gegen einen Wirtschaftsprüfer von EY. „Ich gehe davon aus, dass er vor dem Untersuchungsausschusses Wirecard falsch ausgesagt hat“, sagte Kiziltepe am Montag. Hintergrund ist ein Telefonat des Mannes mit der Wirtschaftsprüferaufsicht Apas.

Der Wirtschaftsprüfer hatte angegeben, in diesem Telefonat lediglich nach einem Ansprechpartner für die Rechtsabteilung gefragt zu haben. Mehrere andere im Ausschuss befragte Zeugen hätten dem aber widersprochen und ausgesagt, er habe sich nach einer Strafanzeige der Apas gegen EY-Wirtschaftsprüfer erkundigt.

Mehr zum Thema: „Big Four“ nennt man die führenden Wirtschaftsprüfer – wegen ihrer Macht und ihres politischen Einflusses. Der Wirecard-Skandal erzwingt eine Reform.

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