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Wirtschaftsforschung „Die Unternehmen sind umfragemüde“

Wie geht es unserer Wirtschaft? Forscher wollen diese Frage möglichst genau beantworten, stehen jedoch vor Problemen. Quelle: dpa

Viele Frühindikatoren für die Konjunktur basieren auf Unternehmerumfragen. Was aber, wenn immer weniger Firmen mitmachen wollen? Ein Gespräch mit Klaus Wohlrabe, der für den ifo-Geschäftsklimaindex verantwortlich ist.

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Herr Wohlrabe, offenbar wird es für Forschungsinstitute immer schwerer, Teilnehmer für ihre Unternehmer-Panels zu gewinnen. Gilt das auch für das ifo Institut?
Ja. Die Teilnehmerzahlen bei unseren Unternehmensumfragen sind schon sehr lange rückläufig. Aus der Industrie etwa hatten wir Anfang der Neunzigerjahre mehr als doppelt so viele Teilnehmer wie heute. In den vergangenen Jahren konnten wir jedoch die Zahlen weitgehend stabilisieren – auch wenn es natürlich immer wieder Schwankungen gibt. Im Durchschnitt der Monate Juli bis September 2018 lag die Teilnehmerzahl bei 8700, das sind 100 weniger als im Vorjahreszeitraum.

Was sind generell die Ursachen für sinkende Rückläufe?
Unter den Unternehmen macht sich eine generelle Umfragemüdigkeit breit. Ein Grund ist, dass immer mehr Akteure hinzukommen, die Umfragen durchführen – Unternehmensberatungen, Marktforschungsinstitute oder Studenten etwa. Es ist heutzutage durch die elektronischen Kanäle viel einfacher, Umfragen durchzuführen, auch die Kosten dafür sind erheblich gesunken. Die Unternehmen werden nun regelgerecht zugeschüttet mit Anfragen, hinzukommen die Anforderungen der offiziellen Statistik. Viele Unternehmen beantworten daher nur noch das, was gesetzlich vorgeschrieben ist. Diese Entwicklung bekommt auch das ifo Institut zu spüren. Zudem hat die Bindung abgenommen: Früher gab es mehr Firmen, die über einen sehr langen Zeitraum kontinuierlich an unseren Umfragen teilgenommen haben.

Zur Person

Und was unternimmt das ifo Institut, um neue Teilnehmer zu akquirieren?
Wir haben grundsätzlich zwei Kanäle für Neuwerbungen. Wir schreiben potenzielle Teilnehmer direkt an und fragen, ob sie regelmäßig mitmachen wollen. Die Kontaktdaten kommen aus Adressdatenbanken. Diese Vorgehensweise ist aber mit sehr großen Streuverlusten verbunden. Wir arbeiten daher zudem stärker mit Wirtschaftsverbänden zusammen, etwa dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Diese motivieren ihre Mitglieder, bei uns teilzunehmen. Dafür können die Verbände unsere detaillierten Ergebnisse für eigene Analysen nutzen. Sie haben deshalb ein Eigeninteresse, dass möglichst viele Unternehmen teilnehmen. Generell ist es wichtig, den richtigen Ansprechpartner zu finden, der die Entscheidung treffen kann, ob ein Betrieb an der ifo-Umfrage teilnimmt. Oft landen viele Anfragen einfach im „Nichts“. Und manchmal bleibt der Rücklauf aus Unternehmen schlicht deshalb aus, weil der Bearbeiter des Fragebogens die Abteilung oder das Unternehmen gewechselt hat.
Gibt es eine Vergütung oder besondere „Incentives“ für Teilnehmer der ifo-Umfragen?
Es gibt keine finanziellen Anreize für die Unternehmen. Unternehmen, die regelmäßig teilnehmen, haben jedoch zu einem geschützten Bereich Zugang. Dort erhalten sie detaillierte Ergebnisse zu ihrem Wirtschaftsbereich. Diese sind ansonsten auf der ifo-Webseite nicht frei zugänglich. So können die Unternehmen sich selber „benchmarken“, die Entwicklung ihrer Branche beobachten und Informationen über ihre Zuliefer- und Abnehmerbranchen erhalten. Im Moment arbeiten wir daran, dass sich die Unternehmen Ergebnisse individuell zusammenstellen können.

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