Wirtschaftsprüfer "Wir reden mit niemandem"

Der Deutschland- und der Zentraleuropa-Chef der Boston Consulting Group haben keine Angst vor den großen Wirtschaftsprüfern. Sie wollen mit neuen Beratungsansätzen aus eigener Kraft wachsen.

Carsten Kratz und Christian Veitz Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Veith, Ihr Wettbewerber Roland Berger verhandelt mit den Wirtschaftsprüfern PricewaterhouseCoopers, Deloitte und Ernst & Young über eine Fusion. Machen Sie sich Sorgen, wenn jetzt die Big Four beim Beratungsgeschäft mitmischen?

Veith: Überhaupt nicht, Wettbewerb ist immer gut. Das gilt für unsere Kunden und für uns selbst. Wir sehen uns als die führende Strategieberatung im Premiumsegment. Solange wir unseren Vorsprung als innovativer Vordenker halten, haben wir kein Problem damit, wenn die Big Four der Wirtschaftsprüfung versuchen, auch in unserem Beratungssegment aktiv zu werden.

Mit Verlaub, das nehmen wir Ihnen nicht ab. Nachdem Brüssel seine Pläne zur Regulierung der Prüfer aufgegeben hat, dürfen die jetzt Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung, IT- und eben auch Management- oder Strategieberatung aus einer Hand anbieten.

Veith: Natürlich nehmen wir die Big Four ernst, aber wir sind nicht besorgt. Schließlich ist es nicht ihr erster Versuch, sich in der Beratung zu positionieren...

Kratz: ...in den vergangenen 20 Jahren haben wir schon drei oder vier ähnliche Vorstöße erlebt. Bemerkenswert ist, dass die Prüfer ausgerechnet jetzt Gas geben, in einer Zeit, in der sie unter besonderer regulatorischer Beobachtung stehen. Die ursprünglich geforderte Trennung von Prüfung und Beratung hat sich mittlerweile darauf reduziert, Beratungsmandate nur noch zu untersagen, wenn Kontrolleure bei einem ihrer Prüfmandanten Dinge testieren würden, die sie zuvor mitgestaltet haben. Ob das reicht, müssen aber letztlich die Kunden beurteilen.

Angeblich redet im Moment jeder mit jedem. Mit wem sind Sie im Gespräch?

Veith: In dem Sinne, in dem die Frage gestellt ist, reden wir mit niemandem, denn wir wollen weder mit einer anderen Gesellschaft fusionieren noch uns übernehmen lassen. Wir wachsen organisch – und das sehr erfolgreich. Gelegentlich stellen wir Berater aus anderen Häusern ein. Der Kauf von ganzen Beratungsfirmen ist immer problematisch, denn die Köpfe, um die es dabei vor allem geht, können morgen schon wieder weg sein. Für uns stellt sich eher die Frage, wie wir unseren Kunden gegenüber begründen können, dass wir teurer sind als andere.

Das sind die Sieger des "Best of Consulting 2012"

Das scheint im vergangenen Jahr nicht so richtig geklappt zu haben: Der BCG-Umsatz in Deutschland und Österreich stagnierte. Was sind die Gründe?

Kratz: Weltweit ist unser Umsatz um neun Prozent gestiegen. Auch in Deutschland sind wir viele Jahre gewachsen. In der zweiten Jahreshälfte 2012 war allerdings ein hohes Maß an Unsicherheit spürbar, viele Projekte wurden aufgeschoben, weil keiner abschätzen konnte, wie es weitergeht. Aber wir sind uns sicher, keine Marktanteile verloren zu haben.

Das wundert uns. Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) geht davon aus, dass der Branchenumsatz um sieben Prozent gestiegen ist.

Veith: Der BDU beschreibt die Entwicklung des gesamten Beratungsmarktes. BCG bewegt sich aber ausschließlich im Top-Segment. Auch wir hätten im dritten und vierten Quartal 2012 mehr Projekte hereinnehmen können, wenn wir Preiszugeständnisse gemacht hätten. Aber dazu sind wir nicht bereit. Wir sind Premiumanbieter und werden dieses Segment verteidigen.

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