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Zahlungsabwickler Softbank steigt bei Wirecard ein

Softbank will einen Anteil von fünf Prozent an Wirecard kaufen, meldet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise. Quelle: dpa

Der japanische Technologieinvestor Softbank steigt bei Deutschlands größtem Internet-Finanzkonzern Wirecard ein. Der will so seine Chancen auf dem asiatischen Markt erhöhen, Softbank setzt auf Wirecards Knowhow.

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Der japanische Mischkonzern Softbank will einem Bericht zufolge beim Zahlungsabwickler Wirecard einsteigen. Wirecard und Softbank haben eine verbindliche Grundsatzvereinbarung unterzeichnet, teilte Wirecard mit. Rund 900 Millionen Euro sollen im Rahmen einer Wandelschuldverschreibung von Softbank zu Wirecard fließen. Wirecard werde zu diesem Zweck eine Anleihe begeben, die nach Ablauf von fünf Jahren in gut 6,9 Millionen Aktien zu einem Preis von 130 Euro je Stück gewandelt werden.

„Mit SoftBank haben wir einen Partner gefunden, der nicht nur unsere Leidenschaft für neue Technologien teilt, sondern auch weltweit die neuesten Innovationen gemeinsam vorantreiben will“, kommentiert Wirecard-CEO Markus Braun den Schritt. Der Zahlungsdienstleister verspricht sich von der Partnerschaft einen leichteren Zugang der Wirecard-Produkte zu den ostasiatischen Märkten. Wirecard wolle seine Position in Asien stärken, so Braun.

Softbank und Wirecard haben in der Vereinbarung zugleich eine strategische Partnerschaft im Bereich digitaler Payment-Lösungen vereinbart. Softbank hat zugesagt, Wirecard bei der Expansion auf den Märkten in Südkorea und Japan zu unterstützen. Darüber hinaus ist eine enge Zusammenarbeit unter anderem bei digitalen Finanzdienstleistungen und Analysetools sowie Entwicklungen im Bereich Künstlicher Intelligenz geplant. Auch bei der digitalen Kreditvergabe wollen die beiden Unternehmen zukünftig kooperieren, „um die hochwertigen Kundenportfolios, die starke Liquidität und die innovativen Finanzdienstleistungen vorteilhaft zu nutzen“, heißt es bei Wirecard.

Der Einstieg von Softbank dürfte für Anleger in diesem Zusammenhang eine beruhigende Nachricht sein. Zuletzt war der Zahlungsabwickler im Zentrum von Berichten der „Financial Times“ über umstrittene Bilanzierungspraktiken gestanden. Die Zahl der Aktien, die Softbank übernehmen soll, entspricht rund 5,6 Prozent des Grundkapitals von Wirecard. Die Ausgabe der Wandelschuldverschreibung soll von den Aktionären bei der Hauptversammlung am 18. Juni genehmigt werden. Softbank ist weltweit an zahlreichen Technologieunternehmen beteiligt. So hatte das von Masayoshi Son geleitete Unternehmen Anfang 2018 knapp eine halbe Milliarde Euro in die Gebrauchtwagenplattform Auto1 gesteckt. Softbank ist zudem am Fahrdienst Uber beteiligt und ist auch der Eigentümer des US-Mobilfunkers Sprint, den Son aber am liebsten mit der Telekom-Tochter T-Mobile US fusionieren würde.

Die Wirecard-Aktie zog nach dem Handelsstart zwischenzeitlich um zehn Prozent an auf mehr als 136 Euro. Von den Kursen, die das Papier vor den Artikeln der „Financial Times“ erreicht hatte, ist die Aktie aber noch rund ein Fünftel entfernt. Der Wirecard-Vorstand hatte die Berichte zurückgewiesen und von Diffamierung gesprochen.

Mittlerweile hat die von Wirecard beauftragte Untersuchung einer Singapurer Anwaltskanzlei ergeben, dass Mitarbeiter in dem südostasiatischen Inselstaat tatsächlich gegen Bilanzregeln verstoßen haben – allerdings weniger gravierend, als von der Finanzzeitung berichtet. In der Zwischenzeit ist nicht nur die Börsenaufsicht eingeschritten: Auch die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es bei den Kursturbulenzen nicht mit rechten Dingen zuging. Beide Behörden ermitteln. Die Bafin hatte Anfang der Woche rund ein Dutzend mutmaßlich Beteiligter bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Um wen es sich handelt, teilte die Bafin nicht mit.

Konzernchef Braun, der sieben Prozent am zuletzt mit gut 15 Milliarden Euro bewerteten Unternehmen hält, tritt am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz vor die Öffentlichkeit. Dabei will Wirecard auf die Vorwürfe reagieren und mit mehr Kennzahlen eine größere Transparenz herstellen. Zudem sollen diejenigen Abteilungen überdurchschnittlich ausgebaut werden, die das operative Geschäft beaufsichtigen. Wirecard war auch durch Übernahmen stark gewachsen.

Erst am Dienstag war ein zweimonatiges Leerverkaufsverbot bei Wirecard ausgelaufen. Nach einer Untersuchung zu angeblichen Bilanzunregelmäßigkeiten sieht sich Wirecard selbst als vollkommen entlastet an.

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