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ZDFzoom „Lufthansa in Turbulenzen“ Der vermeintliche Chaos-Kranich

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Getränk im Pappbecher und ein Sandwich

Der Grund: Den verhältnismäßig hohen Gewinn hat die Lufthansa weniger der Kostenreduktion als vielmehr den gesunkenen Ölpreisen zu verdanken. Der Umbruch, den die Lufthansa eingeleitet hat, ist daher unumgänglich. Dass darunter die Qualität leidet, beispielsweise im Catering-Bereich, versucht Schwarz mit recht fragwürdigen Beispielen zu belegen. So würden in der Economy Class der Lufthansa Getränke in Papp- und Plastikbechern serviert und es gäbe „gerade mal ein Sandwich“ auf jedem Flug.

Schwarz' Darstellungen decken sich auch nicht mit der Bewertung der britischen Bewertungsfirma Skytrax, die die Qualität von Fluggesellschaften auswertet. Ende Juni hat Skytrax, deren Auszeichnung als „Oscars“ der Luftfahrtbranche gelten, die Lufthansa als beste Airline Europas mit dem begehrten fünften Stern ausgezeichnet. Weltweit haben den nur neun Premium-Airlines.

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Genau an dieser Stelle kippt der Film – und die eigentliche These kommt zum Vorschein. Es geht weniger um die Flugsicherheit der Lufthansa. Auch nicht um die Qualität beziehungsweise den Premiumanspruch, den die Lufthansa für sich reklamiert, sondern in erster Linie um die Bodencrew der Airline, deren Arbeitsplätze dem globalen Wettbewerb zum Opfer fallen. Doch mit diesem Problem muss sich nicht nur die Lufthansa auseinandersetzen, sondern auch andere Konzerne in der Welt.

Debatten über die Fairness der Globalisierung gegenüber Arbeitnehmern gibt es etliche. Die Lufthansa versucht letztlich in der wirtschaftlichen Realität des internationalen Wettbewerbs zu bestehen, was auch der Lufthansa-Sprecher und ehemalige ZDF-Reporter Martin Leutke bestätigt: „Klar ist eins: Nur wer langfristig wettbewerbsfähig ist und die richtige Kostenstruktur hat, der kann auch langfristig im Wettbewerb mitmachen.“

Die ZDF-Reportage „Lufthansa in Turbulenzen“ schießt daher ein wenig über das Ziel hinaus. Man kann dem Konzern zwar durchaus vorwerfen, dass sie durch die aggressive Kostenreduzierung den Premiumanspruch der Marke in Gefahr bringen könnte – was derzeit noch nicht der Fall ist – und Mitarbeiter stark verunsichere. Dass das jedoch auf Kosten der Flugsicherheit ginge, ist schlichtweg falsch.

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