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Zerplatzte Hoffnungen Warum Billigflüge auf der Langstrecke nicht funktionieren

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Lotsenstreiks treffen Billigairlines härter

Zudem müssen sich die neuen Billigen auf preisbewusste Urlauber konzentrieren, während die Marktführer auch andere, besser zahlende Kundschaft haben. Dazu zählen Premiumpassagiere mit teuren Tickets in der Business und First Class sowie Geschäftsreisende, denen das dichte Flugnetz mit seinen vielen Umbuchungsmöglichkeiten einen Aufpreis wert ist. Damit können die Marktführer die Rabatte in der Economy Class eine Weile durchhalten. So sank der Spielraum, die Großen zu unterbieten für die Billigflieger auf nur noch gut zehn Prozent.

Zu guter Letzt fehlte es den Billiglinien schlicht an Erfahrung. Während die Großen dank ihrer vielen Jahre im Geschäft recht gut einschätzen können, was den Kunden ihre Flüge maximal wert sind, arbeiten sich die Neulinge erst langsam an die richtigen Preispunkte heran. Damit sind viele neue Strecken erst später profitabel.

3. Das Frühjahr der Probleme

Die wachsenden Probleme des aktuellen Jahres durch schlechtes Wetter und Lotsenstreiks setzten zwar allen Fluglinien zu. Doch sie trafen die Neulinge stärker, weil die sich im Betrieb schwerer tun als die Großen. Letztere haben dank ihrer größeren Flotten bei Flugausfällen oder großen Verspätungen schneller einen Ersatzflieger am Start. Auch können sie gestrandete Passagiere im Rahmen ihrer Allianzen leichter auf Partnerlinien umbuchen. Billigflieger können dies mangels solcher Partnerschaften nicht.

Schließlich leiden die Neulinge im Verhältnis stärker unter den steigenden Kosten der Branche: Die Steigerung des Ölpreises um mehr als das Doppelte binnen zwei Jahren trifft sie im Schnitt härter, weil sie sich in geringerem Umfang und mit weniger guten Preisen gegen das teurere Öl geschützt haben. Ebenso trifft der beginnende Mangel bei Piloten und andrem Fachpersonal die Neulinge stärker. „Wer die Wahl hat, unterschreibt lieber bei einer etablierten Linie als bei einer Neuen“, sagt ein Pilot. Also bleibt vielen Linien nur, höhere Gehälter zu bieten. Dadurch steigen die Ausgaben und zusammen mit dem teuren Öl sorgt das für Verluste.

Trotz aller Probleme: Ganz verschwinden wird das Segment nicht. Ob am Ende viele unabhängige Billiglinien überleben, ist aber fraglich. Denn nicht nur Wow Air ist bereits unter die Fittiche einer etablierten Linie geflüchtet. Auch Norwegian-Chef Kjos hat mehrfach bestätigt, dass er mit der British-Airways-Mutter IAG und der Lufthansa über eine Übernahme verhandelt. Somit könnte am Ende nur ein Anbieter übrigbleiben: Air Asia X aus Malaysia.

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