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Zukunftsstrategie in Skandal-Zeiten Wie die problembelastete Bahn von der Generation Z profitieren will

Die Deutsche Bahn will mit einer neuen Strategie starten. Quelle: dpa

Die Deutsche Bahn will sich künftig ausschließlich auf die Züge konzentrieren. Was das Kerngeschäft nicht unterstützt, wird veräußert – oder passend gemacht.

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Richard Lutz ist erst zwei Jahre Vorstandschef, aber schon eine halbe Ewigkeit bei der Deutschen Bahn. 1994 kam der Finanzexperte zur Bahn und erlebte seitdem nicht nur zahlreiche Bahnchefs, sondern auch viele Strategieschwenks. Einst sollte die Bahn dem Kunden dienen, dann an die Börse gebracht werden und später in alle Welt expandieren. Nun wird vieles anders: Die Bahn will sich auf das Kerngeschäft konzentrieren.

Lutz ist der Kopf hinter einer neuen Strategie der Deutschen Bahn, die dem Aufsichtsrat per Unterlage präsentiert wurde und Mitte Juni auf der turnusmäßigen Sitzung vorgestellt werden soll. Lutz will die Deutsche Bahn zu dem machen, was sich die Autoren der Bahnreform von 1994 einst erhofft hatten: eine Eisenbahn fürs Volk. Deutschland brauche eine „starke Schiene“, lautet die neue Dachstrategie des Konzerns. Dem Geschäft mit den Zügen und Gleisen soll alles untergeordnet werden.

Die Forderung, die Bahn solle sich auf den deutschen Schienenverkehr ausrichten, ist eigentlich nicht neu. Nur kam sie in den vergangenen Jahren vor allem von Bahn-Kritikern außerhalb des Konzerns. Auch Parteien wie die Grünen und die FDP haben das Verhalten des Konzerns oft kritisiert. Der Vorstand hielt lange Zeit daran fest, Mobilität und Logistik auf die gleiche Ebene zu stellen und international zu wachsen. Sparten wie Arriva sollen verkauft werden.

Die Bahn vollzieht zumindest teilweise eine Rolle rückwärts. Lutz korrigiert die Strategien seiner Vorgänger, die Geld auch immer für Auslandsgeschäfte ausgeben mussten. Ex-Bahnchef Rüdiger Grube und Ex-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg waren maßgeblich daran beteiligt, die Expansion der Bahn in neue Märkte voranzutreiben. Beide stehen in diesen Tagen auch aus anderem Grund unter Beobachtung. Die Bahn lässt über eine Anwaltskanzlei gerade prüfen, ob etwa Homburg nach seinem Abschied von der Bahn 2015 unrechtmäßig Gelder für Beraterverträge kassiert haben soll. Auch Grubes Millionen-Abfindung wird gecheckt.

Perfekter Zeitpunkt für eine grüne Offensive

Die neue Strategie von Lutz ist jedenfalls auch eine Reaktion auf die Klimarebellion der Generation Z. Die Bahn will nun davon profitieren, dass eine ganze Generation Front macht gegen Kohlendioxidemissionen. Ökologisch war der Schienenverkehr schon immer in weiten Teilen, aber die Bahn will nun schneller und konsequenter auf den Zug aufspringen.

Die grüne Offensive sieht etwa vor, dass der Bahnstrom bis 2038 „zu 100 Prozent auf Ökostrom umgestellt sein“ werde, heißt es in den Aufsichtsratsunterlagen. Ursprünglich sollte dieses Ziel erst 2050 erreicht werden. Der Fernverkehr kauft bereits Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind und Wasser. Andere Sparten wie die Güterbahn DB Cargo sollen bald folgen. Nur wenn die Güter von der Straße auf die Schiene wanderten, heißt es an die Politik gerichtet, könne Deutschland seine Klimaziele erreichen.

Die Bahn sieht sich darüber hinaus auch als Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts. Mehr und mehr Bürger verzichten auf ein eigenes Auto und teilen sich mobile Verkehrsdienste. Die Bahn werde die Zahl der Fahrgäste im Vergleich zu 2015 daher auf 260 Millionen Reisende pro Jahr „verdoppeln“. Dafür werde die Bahn zusätzliche Direktverbindungen einführen und die Frequenz zwischen einzelnen Metropolen erhöhen. Für 30 Großstädte gelte bald ein „30-Minuten-Takt“. Den Anfang macht die Verbindung Berlin-Hamburg im übernächsten Jahr.

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