WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Zwischen Stehplatz und Luxusbett Der Wahnwitz der neuen Flugzeugsitze

Seite 2/3

Die neuen Wege der Flugzeug-Designer

In der lange tot gesagten First Class hatte die Renovierungswelle bereits Erfolg. Laut einer Studie der britischen Marktforschungsfirma OAG verkauften die Airlines im noblen Vorderteil mit gut 86 Millionen Tickets im Jahr 2014 gut ein Drittel mehr Tickets als fünf Jahre zuvor. Trotz Billigboom wuchs das Luxusfliegen fast genauso schnell wie der Flugverkehr insgesamt.

In der Holzklasse ist das Ziel, mehr Umsatz pro Quadratmeter Fläche zu machen, schwieriger zu erreichen. Zwar fallen die Kosten eines Sitzes gering aus und betragen selten mehr als 2000 Euro pro Stück. Doch viele der einfachen Verbesserungen sind bereits ausgereizt. Seit Jahren gehen die Airlines den einfachsten Weg: sie magern die Rückenlehnen ab und bringen bei gleicher Beinfreiheit mehr Reihen unter.

Die Luxus-Angebote der Fluglinien
Etihad (I)Ein wenig hat die Staatslinie aus Abu Dhabi immer unter ihrer Rolle als Nachzügler gegenüber ihren Lokalrivalen gelitten. Emirates aus Dubai war größer und Qatar Airways aus Katar hatte laut Marktforschern wie der britischen Skytrax den besseren Service. Nun ist Etihad endlich Nummer eins mit der luxuriösesten First Class.
Etihad (II)Denn das „The Residence“ genannte Angebot ist im Gegensatz zur Konkurrenz kein mehr oder weniger umbauter Sitz, sondern eine Art Dreiraum-Wohnung mit Aufenthaltsraum, eigenem Bad mit Dusche, einem Schlafzimmer und einem eigenen Butler.
Etihad (III)Exklusiv wird das Angebot gleich aus zwei Gründen: Es kostet pro einfachem Flug mindestens 14.000 Dollar. Und angeboten wird es erst ab dem kommenden Jahr und nur auf den insgesamt zehn Superjumbos A380 von Etihad.
Emirates (I)Seine Konkurrenten aus Europa erschreckte die Staatslinie aus Dubai lange Zeit vor allem durch Kampfpreise und starkes Wachstum. Doch Fünf-Sterne-Linie setzte auch einen neuen Maßstab beim Service. Quelle: PR
Emirates (II)Als erste baute sie in ihrer First Class um, spendierte den luxuriösen Schlafsessel eine Wand und machte daraus eine Suite mit einem eigenen Kühlschrank. Quelle: PR
Emirates (III)Das toppte die Fluggesellschaft Emirates noch, als sie in ihre Superjumbos A380 statt der üblichen Toiletten zwei komplette Badezimmer mit Dusche einbaute. Die waren so beliebt, dass die Linie die Zeit unter der Brause beschränken musste, damit jeder mal dran kam. Kein Wunder, dass die Linie nun die Führung halten will und wie Lokalrivale Etihad ein fliegendes Dreiraum-Appartement plant. Quelle: PR
Singapore Airlines (I)In Sachen Service hat keine Airline einen besseren Ruf als die Linie aus dem südostasiatischen Stadtstaat. Kein Wunder, bot sie doch als erste persönliche Bildschirme auch in der Economy Class und Video-on-Demand im Unterhaltungsprogramm. Zudem gibt es besonders großzügige, nicht zu sehr umbaute Schlafsessel und im A380 sogar eine umbaute Kabine, die sich zum Doppelbett erweitern lässt. Quelle: PR

So ist die Lehne der Lufthansa von gut 15 Zentimetern Ende der neunziger Jahre bis heute auf deutlich unter zehn Zentimetern geschrumpft. Da gleichzeitig noch die Bordküchen verkleinert und ein paar Toiletten ausgebaut wurden, passen heute bis zu drei Reihen mehr mit 18 zahlenden Passagieren in die Maschine. Das entspricht einem Umsatzsprung von gut zehn Prozent. „Viel enger geht es nicht ohne dass sich die Leute entweder die Knie stoßen oder ihren Vorderleuten ständig in den Steiß rammen“, so ein Airliner.

Also versuchen die Designer, neue Wege zu gehen. Die meisten davon arbeiten relativ konventionell und drücken vor allem die Rückenlehne auf teilweise nur noch drei Zentimeter zusammen. Sie drucken die Sicherheitskarten auf die Lehne und machen die Fächer so eng, dass kaum mehr als die Übelkeitstüten rein passt. Doch es gibt auch mutigere Ansätze.

Skycouch

Den vorhandenen Platz besser zu nutzen, das praktiziert bereits seit gut drei Jahren Air New Zealand. Der Lufthansapartner hat einen Teil seiner Sitze zur Skycouch erweitert. Dabei können Reisende vor einer klassischen Dreierreihe ein Polster hochklappen, bis an die Vorderreihe schieben und so ein Himmelssofa machen, auf dem Eltern mit Kindern oder Paare mit angezogenen Beinen ruhen können.

Breiter Mittelsitz

Eine einfache Idee hat auch der US-Billigflieger Frontier. Weil Passagiere auf dem Mittelsitz in der Regel besonders unzufrieden waren, ist bei der sonst für besondere Strenge bekannten Linie der Zentralsessel fast drei Zentimeter breiter als die Gang- oder Fensterplätze.

Gegen die Flugrichtung

Noch nicht im Einsatz, aber besonders radikal ist die Idee des französischen Sitzriese Zodiac. Der schrumpft bei seinem Hexagon-Sessel nicht nur die Rückenlehne auf die Stärke eines Wartesessels im Busbahnhof. Er dreht auch jeden zweiten Platz in einer Reihe gegen die Flugrichtung und verzichtet komplett auf Armlehnen. Das spart nochmal zwei Zentimeter Abstand zwischen den Reihen, weil größere Passagiere schrägsitzen und ihre Beine nun unter den Platz des gegenüber sitzenden packen können.

Skycouch Quelle: Presse

Der Clou ist, dass parallel sitzende Passagiere mit ihren Schultern enger an einander rücken können. Damit passt in jede Reihe ein Platz mehr auf der Kurzstrecke und bei großen Langstreckenfliegern sogar zwei. Und der Kunde fühlt sich wohl, so Zodiac. Er hat zwar nun ein Gegenüber – knapp 40 Zentimeter vor der Nase. Dafür entfällt der Streit um die Armlehne.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%