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Discounter Lidl-Führungsnachwuchs auf der Flucht

Den Managern des Lidl-Gründers geht es kaum besser als seinen Kassiererinnen: Überwachungswahn und Kasernenton schrecken den Führungsnachwuchs des Discounters.

Ein Firmenschild vor einem Quelle: dpa-dpaweb

Das Stasi-Image, das sich der Discounter Lidl mit der Überwachung von Mitarbeitern eingehandelt hat, führt zunehmend zu finanziellen Belastungen: Der Konzern räumte erste Umsatzeinbußen ein. Dem Kölner Markenspezialisten Psychonomics zufolge ist das Ansehen des Discounters gründlich ruiniert. Schlimmer noch: Dass es in den 2900 deutschen Lidl-Filialen nicht allzu spaßig zugeht, ist in Bewerberkreisen seit Jahren bekannt.

Doch seit der Spitzel-Affäre gilt der Konzern als Albtraum-Arbeitgeber schlechthin (siehe Grafik). Damit verschärft sich ein Problem, das langfristig das Wachstum von Lidl gefährdet: Dem Aldi-Jäger gehen die Manager aus. Schon jetzt zahlt Lidl einen hohen Preis, um den Nachwuchs zu rekrutieren. Ein Einstiegsgehalt von mehr als 4000 Euro und einen Audi A4 als Dienstwagen bietet der Konzern Hochschulabsolventen, die als Verkaufsleiter anfangen, also in der Hierarchie oberhalb der Filialleiter angesiedelt sind.

Ehemalige Mitarbeiter sprechen von „Schmerzensgeld“. 60 bis 70 Stunden Arbeit pro Woche seien Standard, ein rüder Umgangston an der Tagesordnung. Zudem werde im Konzern „alles von oben vorgegeben, du kannst lediglich kontrollieren und die Leute knüppeln“, sagt ein Verkaufsleiter.

Im Internet schreibt ein anderer: „Ich hatte in zwei Tagen 36 Stunden gearbeitet (wegen Inventur) und bin dann übermüdet in den Gegenverkehr gefahren.“ Nach drei Monaten im Job kündigte der Jungmanager – und ist damit keine Ausnahme. Jeder vierte Verkaufsleiter würde Lidl im ersten Jahr verlassen, heißt es intern.

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