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Discounter Warum Aldi & Co. immer wieder die Preise senken

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In jedem Fall ist es plausibel, dass der Discountprimus seine Position stärken will, indem er seine Finanzkraft für Preissenkungen nutzt. Aldi glänzt branchenweit mit den höchsten Filialumsätzen und Renditen. Die Billiger-Offensive wird als Investition in die Zukunft verstanden: Aldi will beim Kunden punkten, wenn die Auswirkungen der Finanzkrise stärker auf den Arbeitsmarkt durchschlagen und die Budgets noch knapper werden.

Denn Aldi muss sich gegen weitere Konkurrenten wehren, die mittlerweile in der Billig-Liga mitmischen: Supermärkte von Rewe oder Edeka sowie SB-Warenhausketten wie Real (Metro) und Kaufland (Schwarz-Gruppe) haben eine offenbar erfolgreiche Strategie gegen die Discounter gefunden. Zum einen bieten sie immer mehr Eigenmarken an, die bei Bedarf sofort auf Aldi-Niveau gesenkt werden.

Stärkere Konkurrenz

Zudem fahren sie große Werbe- und TV-Kampagnen, in denen sie Produktqualität und Angebotsvielfalt in Szene setzen. Hatten die Einzelhandelskonzerne dem rasanten Aufstieg der Discounter lange kaum etwas entgegenzusetzen, zeigt diese Doppelstrategie zunehmend Erfolg.

Die Preissenkungsrunden sind auch als Angriff der Etablierten auf den neuen, starken Dritten im Bunde zu werten: Netto, die Discountkette des Hamburger Edeka-Konzerns. Jahrzehntelang waren die Albrecht-Brüder die Billigkönige. Dann kam der Aufstieg Lidls, und nun positioniert sich ein weiterer Konkurrent. Netto hat mit der Übernahme von Plus Ende 2008 zur Spitze aufgeschlossen, hat sogar mehr Filialen als Lidl. Aus dem Duell ist ein Dreikampf geworden.

Angriff auf Netto

Normalerweise gibt Aldi die Preise vor, die anderen reagieren. Den immer noch tobenden Preiskrieg hatte dieses Mal allerdings Lidl begonnen. Der Angriff zum Jahresbeginn galt nicht dem Erzrivalen Aldi, sondern dem Emporkömmling Netto, der sich gerade erst die mehr als 2000 Plus-Filialen einverleibt hatte. Mit aller Macht sollte Netto bei der kostspieligen Integration und Umstellung auf die Marke Netto behindert werden. Denn immer neue Preissenkungswellen drücken in dieser Situation besonders unangenehm auf die Erträge.

Aldi folgte prompt. Seitdem lässt der Marktführer nichts unversucht, die Schmerzgrenze der Konkurrenten zu treffen. Dank seiner effizienten Kostenstrukturen erzielt Aldi auch mit niedrigeren Verkaufspreisen auskömmliche Margen. Die Konkurrenz muss knapper kalkulieren. Vor allem Netto dürfte der Preisrutsch ungelegen kommen. Schließlich kostet allein der Umbau der Plus-Filialen rund 250 Millionen Euro. Auch Lidl und die Rewe-Tochter Penny würden ihr Geld lieber in den Ausbau und die Modernisierung ihrer Filialnetze stecken. Doch derlei Expansionsgelüste werden durch die Aldi-Manöver immer wieder torpediert.

Wann hat das Spiel nun ein Ende? Der Anstieg der Rohstoffpreise und die Tatsache, dass das Preissenkungsjahr für alle Händler zum Nullsummenspiel werden könnte, deuten auf eine Beruhigung im kommenden Jahr hin. Der Preisdruck wird auch nachlassen, wenn die Arbeitslosigkeit steigt und der Kunde traditionell wieder den Weg zum vermeintlich günstigeren Discounter sucht. Derzeit sollte er sich über die niedrigen Preise freuen und gespannt sein, welche Preisraketen im Weihnachtsgeschäft noch gezündet werden.

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