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dm-Chef Erich Harsch "Es ist viel unbequemer"

dm-Chef Erich Harsch über das Kuschelimage seiner Drogeriekette und den Konkurrenzkampf mit Schlecker.

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dm-Chef Erich Harsch übernahm im Mai 2008 den Chefposten von Unternehmensgründer Götz Werner

WirtschaftsWoche: Herr Harsch, dm gilt als Sonnenscheinkonzern unter den deutschen Drogeriemarktbetreibern. Während bei Schlecker Angestellte geknechtet werden, besuchen Ihre Lehrlinge Theaterworkshops, und das dm-Management diskutiert über Schillers „Ästhetische Briefe“. Nervt Sie das Kuschelimage nicht manchmal?

Harsch: Das nervt mich sogar gewaltig, weil es einfach nicht stimmt. Es ist viel unbequemer bei dm.

Wir sind schockiert – wurden etwa die gemeinsamen Theaterabende für Führungskräfte abgeschafft?

Ich kann Sie beruhigen, die gibt es noch. Ich weiß ja, dass unsere Initiativen und unser Ansatz, Probleme im Dialog miteinander zu lösen, für die meisten Manager gewöhnungsbedürftig klingt. Aber genau das ist eben das Unbequeme. Es ist doch viel einfacher, wenn in der Zentrale der große Chef herrscht, der sagt, alles hört auf mein Kommando, so wird’s gemacht. Bei uns gibt es viel mehr Auseinandersetzungen und Diskussionen – mit Kuscheln hat das nichts zu tun.

Das klingt nach endlosen Sitzungsrunden und Reibungsverlusten.

Wir betreiben das ja nicht dogmatisch. Wenn der Kapitän gemeldet bekommt „Eisberg voraus“ und er erst eine Beratung auf dem Oberdeck abhält, dann ist es vorbei. Wenn also schnelle Entscheidungen notwendig sind, beispielsweise ein Produkt zurückgerufen werden muss, dann treffen wir die auch sofort. In den Filialen läuft das ganz ähnlich. Da entscheiden die Mitarbeiter vor Ort, wie ein akutes Problem gelöst wird.

Wie soll das in der Praxis funktionieren? Ihre einzelnen Läden werden kaum auf ein breites Phänomen wie den Wirtschaftsabschwung reagieren können.

Zunächst stellt sich die Frage, wie lange es dauert, bis die Wirtschaftskrise bei uns überhaupt ankommt. Der Bedarf an Shampoo oder Babynahrung wird ja nicht kleiner, weil in den Nachrichten von Krise gesprochen wird.

Dann spüren Sie noch keine Zurückhaltung der Kunden?

Unsere Kunden kaufen nach wie vor ein, wir liegen bei den Umsätzen sogar über unseren eigenen Plänen. Sowohl im April als auch im Mai hatten wir eine Zuwachsrate von rund zehn Prozent. Auch für das gesamte Geschäftsjahr erwarte ich, dass sich der Trend fortsetzt und wir wieder deutlich zulegen können. Gerade in der Krise werden die Verbraucher stärker auf den Preis achten und dabei feststellen, dass dm sehr gut dasteht.

Wie kann sich dm den Mix aus niedrigen Preisen, vergleichsweise guter Produktqualität und recht humanem Umgang mit den Mitarbeitern leisten und dabei trotzdem noch etwas verdienen?

Es besteht kein Widerspruch zwischen diesen Punkten. Gerade weil wir unsere Mitarbeiter fair behandeln, herrscht eine Atmosphäre in den Geschäften, die dazu führt, dass auch mehr Kunden bei uns einkaufen. Damit können wir wiederum höhere Warenmengen zu besseren Konditionen bestellen und distribuieren. Das führt zu einer extrem hohen Produktivität unserer Standorte. Bei den Durchschnittsumsätzen pro Filiale sind wir top. Bei Drogerieprodukten setzt eine normale dm-Filiale 15 Mal mehr um als ein Standard-Schlecker.

Es gibt inzwischen an jeder Ecke eine Schlecker-, Rossmann- oder dm-Filiale. Wo wollen Sie da noch wachsen?

Klar, in Deutschland ist niemand unterversorgt mit Haargel und Rasiercreme. Das Drogeriegeschäft ist schon seit Jahren ein Verdrängungswettbewerb. Aber im Norden der Republik ist dm relativ dünn vertreten. Es gibt also noch genug weiße Flecken für uns. Und wenn man die Filialdichte als Maßstab nimmt, die wir rund um die Zentrale in Karlsruhe erreicht haben, sehe ich noch Platz für gut 1000 zusätzliche dm-Standorte in Deutschland.

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