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E.On-Chef Johannes Teyssen im Interview "Ich stehe unter Hochspannung"

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Anteil Stromerzeugung

Von einer Klage gegen das Moratorium haben Sie ganz Abstand genommen.

Die hat keinen Sinn. Ein Unternehmen sollte nicht gegen die Mehrheit des Volkes anklagen. Außerdem wäre der Instanzenweg viel zu lang. Wenn es zu einer Entscheidung kommt, leben wir in einer ganz anderen Energiewelt.

Ist Deutschland mit dem Abschalten der Atomkraftwerke auf dem Weg der Deindustrialisierung, wie viele Menschen fürchten?

Die Menschen sorgen sich um ihre Arbeitsplätze. Ich glaube nicht, dass es in der Bevölkerung mehrheitsfähig ist, keine Autos mehr in Deutschland zu bauen.

Daimler hat gerade seinen Stromvertrag mit dem baden-württembergischen Unternehmen EnBW gekündigt und einen neuen mit einer luxemburgischen Gesellschaft abgeschlossen. Der Strom für die Produktion von deutschen Automobilen muss also nicht unbedingt aus Deutschland kommen.

Das ist richtig, aber der Luxemburger Strom reicht nicht für die gesamte deutsche Industrie. Abgesehen davon werden wir nur von Dienstleistungen und Landwirtschaft nicht leben können. Natürlich hätten wir alle gerne möglichst saubere, energieferne Arbeitsplätze. Aber die Industriearbeiterschaft ist sehr stolz darauf, dass wir Volkswagen und BMWs bauen, das gehört zu unserer Kultur. Der Deindustrialisierung das Wort zu reden wird nicht tragen.

Da müssten sich doch auch die Gewerkschaften laut zu Wort melden.

Die IG Metall äußert sich klar gegen die Verteuerung von Strom und für den Erhalt energieintensiver Arbeitsplätze und der Grundstoffindustrie. Aber alle vermeiden wie der Teufel das Weihwasser, die Rolle der Kernenergie dabei anzusprechen.

Was stört Sie besonders bei der Atomdebatte?

Kernenergie ist nicht allein seligmachend, sondern immer nur ein Teil einer Lösung. Ich habe auf Hauptversammlungen nur wenig Verständnis für die sogenannten kritischen Aktionäre mit ihren penetranten Anti-AKW-Reden. Das Gleiche gilt allerdings auch für aufdringliche, sich einschmeichelnde, ewige Pro-Atom-Bekenner.

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