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E.On-Chef Johannes Teyssen im Interview "Ich stehe unter Hochspannung"

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Aktien-Info E.On

Sie kannten die "Atomkraft? Nein danke"-Fraktion aus Ihrer Studienzeit, wussten also, auf was Sie sich einließen, als Sie 1989 bei E.On eintraten.

Als ich bei dem E.On-Vorgängerunternehmen PreussenElektra anfing, schlugen die Wellen gegen Brokdorf und andere Kraftwerke sehr hoch, und wir wurden geradezu gedrillt, Kernkraft zu sagen und nicht Atomkraft. Das war der Ausdruck der Gegner, und es hätte fast zur Abmahnung geführt, wenn wir Atomkraft gesagt hätten. Für mich persönlich war Kernkraft nie ein überhöhtes Thema, bei dem ein Seelenheil gerettet werden müsste. Nur: Waren Sie mal in Gorleben im Zwischenlager?

Ja.

Da sehen Sie die Rückstände von 30 Jahren deutscher Nuklearwirtschaft, die passen hier auf diese Vorstandsetage. Schauen Sie sich dagegen mal eine Kohlenhalde eines einzelnen Kraftwerks an, die ist viel größer. Es gibt bei der Kernenergie vergleichsweise wenig Abfall. Auch bei der CO2-Frage ist Kernenergie rückstandsfrei. Es ist gigantisch, was diese Technik leistet.

Klingt wie ein Werbeprospekt...

Mag sein. Ich weiß auch, dass sie Gefahren und nie völlig auszuschließende Risiken birgt. Aber das ist immer so im Leben. Der Einsatz ist hoch, und der Ertrag ist auch hoch. Dass man da eine Abwägung trifft, kann ich verstehen. Auch in Fukushima ging es nicht so sehr um das Restrisiko, das Kernkraft nun mal hat. Die Betreiber wussten, dass irgendwann eine Flutwelle kommen musste. Es gab dort in den vergangenen 100 Jahren schon wesentlich höhere Tsunamis, als es die Reaktorblöcke vertragen konnten. Die Kernkraftwerke hätten besser geschützt werden müssen. Das war offenkundig menschliches Versagen.

Der Schrecken nach den Ereignissen von Fukushima hat hierzulande die Politik auf den Plan gerufen, Folge war das Moratorium. War diese politische Reaktion zu emotional?

Das sehe ich nicht so. Das Moratorium der Laufzeitverlängerung war richtig. Kaum war die Unterschrift unter dem neuen Atomgesetz für die Verlängerung der Laufzeiten trocken, kam Fukushima dazwischen. Es gab außer beim Kernkraftwerk Neckarwestheim I von EnBW überhaupt noch keine Wirkung des Gesetzes. Dass die Regierung nun sagt, Leute, wir haben da ein Konzept gemacht, bevor das jetzt einfach so weitergeht, sollten wir Fukushima verstanden und bewertet haben, das kann ich verstehen, auch als Staatsbürger. Auch die Schweiz hat ein einjähriges Moratorium für den Neubau von Kernkraftwerken beschlossen.

Was bringt die zusätzliche Abschaltung älterer Kernkraftwerke während des dreimonatigen Moratoriums?

Dies hat nur die gefühlte Sicherheit erhöht. Außer in Deutschland ist wegen Fukushima weltweit keine einzige Anlage abgeschaltet worden. Und auch das Abschalten macht die Anlagen nicht sicherer. Keiner der Meiler von Fukushima war am Netz, alle hatten sich mit dem ersten Beben abgeschaltet. Bei dreien waren die Kerne sogar komplett entladen. Wir haben in Japan gesehen: Auch eine stillstehende kerntechnische Anlage hat ein Risikopotenzial, kein geringeres als eine im Betrieb. Durch Abschalten wird ein Kernkraftwerk nicht sicherer.

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