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E.On-Chef Johannes Teyssen im Interview "Ich stehe unter Hochspannung"

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Woran liegt das?

Das komplette Abkühlen aller Brennelemente dauert fünf Jahre. So lange müssen die Elemente am Standort bleiben, bevor sie transportiert werden können. Bei einem abgeschalteten Kernkraftwerk muss übrigens die gesamte Mannschaft in allen Schichten weiterarbeiten, als ob die Anlage noch am Netz wäre.

Hat das Moratorium denn zu einer Stromlücke in Deutschland geführt? Ein Energiemanager malte die Horrorvision eines abgedunkelten Süddeutschlands an die Wand.

Das ist weit übertrieben. Wir hatten zum Zeitpunkt des Moratoriums in Europa sogar eine Überversorgung. Diese drei Monate fängt unser grundsätzlich stabiles System aller Voraussicht nach ohne größere Probleme auf.

Ganz unwahrscheinlich sind Blackouts aber nicht, sagen zumindest EnBW- und RWE-Manager.

Im Grunde kann das nur ein Netzbetreiber beurteilen. Wir haben unser Höchstspannungsnetz an Tennet verkauft. Was wirklich an Lastströmen in den Netzen ist, hängt vom Handel ab, von anderen Produzenten, von Transitströmen, da können wir nur mitraten. Es hängt auch vom Wetter und anderen Faktoren ab. Wir bekommen von den Stromnetzbetreibern reihenweise Bitten, welche Kohle- und Gaskraftwerke wir außerhalb der Reihe laufen lassen sollten, damit es nicht zum Spannungsabfall kommt, der einen kurzfristigen Blackout theoretisch möglich machen würde.

Welche Kraftwerke fahren Sie hoch?

Das kann ich Ihnen aus Wettbewerbsgründen nicht sagen. Aber wir verschieben auch auf Bitten der Netzbetreiber, sofern das technisch vertretbar ist, Revisionen von Werken, um keinen plötzlichen Spannungsabfall zu erzeugen.

Im Jahr zwölf der Energieliberalisierung in Deutschland sind die Fronten zwischen Energieunternehmen, Regierung und Staat so verhärtet wie nie zuvor. Die Strompreise steigen. Ist die Liberalisierung gescheitert?

Nein. Private Unternehmen mit privaten Investoren können die Energielandschaft in Deutschland wesentlich mitgestalten. Es war schon vor Jahrzehnten E.On Ruhrgas, die mit eigener unternehmerischer Initiative Gaslieferungen aus Russland sicherstellte, als dort noch der Kommunismus herrschte. Damals protestierten vor allem die Amerikaner gegen diese deutsch-sowjetische Handelsbeziehung. Aber wir haben es gemacht, und die Politik hat später unsere Wirtschaftsbeziehungen für eigene Kontakte genutzt. Da waren wir Vorreiter, nicht der Staat. Aber ich gebe zu, das Pendel der Liberalisierung schlägt europaweit leicht zurück. Das gilt für Stadtwerke in Deutschland, die zunehmend in kommunale Hand kommen, als auch für große ausländische Konzerne wie Endesa, die mit der Fusion mit Enel nun zu einem Drittel dem italienischen Staat gehören. 

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