WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

E.On Der erneuerbare Energiekonzern E.On

Seite 2/3

Kommunikationstalent Quelle: dpa

Teyssen will mit seinen drei Neuen die Schlacke wegschaffen. Die Aura des ganzen Unternehmens soll verändert werden. Der Vorstand soll weniger arrogant agieren. E.On-Manager sollen handfester, operativer und offener für Neues auftreten. Am Ende des Weges soll ein multinationaler, aber dezidiert eurozentrischer Konzern stehen, der sich mehr auf das Machbare als auf das Wünschenswerte konzentriert. Hochfliegende Beherrschungsträume der Energieversorgung in allen Ecken der Welt sollen ad acta gelegt werden.

Die Auffälligste der neuen E.On-Garde, die Teyssens Wandel durchsetzen sollen, ist Stachelhaus. Die Ex-HPlerin ist für Offenheit, Transparenz und Unkompliziertheit zuständig – also für all das, was sie bei ihrem früheren Arbeitgeber offenbar praktizierte. Bei E.On dagegen bekommt es die kommunikative Frau, gelernte Juristin und Anwältin, mit dem glatten Gegenteil zu tun. Hier sind die Vorstandstüren geschlossen. Eigene Cateringbereiche in der Vorstandsetage verhindern den Gang in die Kantine und damit den spontanen Kontakt mit Gleichgestellten oder gar Subalternen.

Ganz klar, der Kampf von Stachelhaus gilt den erstarrten Riten des Reviers, die bis heute einen Konzern durchziehen, in dem das Arbeitsklima von Dienstwagenklassen, getäfelten Wänden und fester Hackordnung des Managements geprägt ist. „E.On soll wie ein internationales Unternehmen geführt werden, so wie es in Norwegen, Schweden oder Großbritannien die Norm ist“, sagt ein Arbeitnehmervertreter. Dazu gehörten der Abbau von Hierarchieschranken und ein lockerer Umgangston, wie er im Industrierevier an der Ruhr bisher nicht üblich war.

Ökostrom und kohlendioxidarme Elektizität

Dem Norweger Kildahl dagegen obliegt die „energiewirtschaftliche Optimierung des Konzerns über alle Regionen und Produkte hinweg“, wie es offiziell und sperrig heißt.

Im Klartext: Das ihm unterstellte neu geschaffene Ressort soll die Kraftwerksaktivitäten neu ordnen. Der 47-Jährige kommt von Statkraft, dem staatlichen norwegischen Stromkonzern. Kildahl bringt den Sinn für das Naheliegende aus der deutschen Organisation von Statkraft mit, die nicht teure Übernahmen in Mitteleuropa zu ihrem Ziel machte, sondern es mehr auf kostengünstigere Kooperationen anlegte – vor allem mit regionalen Versorgern. Das soll auch als Modell für E.On herhalten. Kildahl soll maßgeblich mithelfen, E.On in jene neue Zeit zu führen, in der in ganz Europa die Kraftwerksparks grundlegend in Richtung Ökostrom und kohlendioxidarmer Elektrizität umgebaut werden.

Dritter im Bunde der Neuzugänge im obersten Leitungsgremium – und zwar als Technologie- und Forschungschef – ist Klaus-Dieter Maubach, der in seinem Arbeitsleben immer dort seinen Dienst versah, wo Teyssen es zu höheren Weihen brachte. Maubachs Karriere fand geradezu in den Fußstapfen von Teyssen statt, er ist fast das Abziehbild von Teyssen. Für Teyssens Ziehsohn ist der 48-Jährige zu alt, als Zwillingsbruder seines ein Jahr älteren Chefs würde der in Wuppertal ausgebildete Elektrotechniker auf den ersten Blick schon eher taugen. Maubach soll Kildahl bei der Neuordnung des Kraftwerkparks helfen, indem er sich um Forschung und Entwicklung kümmert. Der langjährige Teyssen-Fahrensmann wird sich dem CO2-freien Kohlekraftwerk widmen, das er noch vor dem schwedischen Wettbewerber Vattenfall, der bereits eine Forschungsanlage betreibt – und vor dem Rivalen RWE – ans Netz bringen soll.

Im Sommer will Teyssen eine detaillierte Konzernstrategie vorstellen. Die damit verbundenen knallharten unmittelbaren Aufgaben für sein neues Personal-tableau werden jetzt schon deutlich. Investitionsfreuden flauen dabei ab: Die Verschuldung beträgt 44,7 Milliarden Euro – ein Schutz gegen feindliche Übernahmen, aber auch eine Expansionsbremse.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%