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E.On Der erneuerbare Energiekonzern E.On

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Teyssens Problemzonen

Eine gewaltige Baustelle im E.On-Reich stellt der sibirische Stromproduzent OGK-4 dar, für den E.On 4,6 Milliarden Euro zahlte und dessen Rentabilität in weite Ferne gerückt ist. Die Hoffnung, im Osten auf einen grünen Zweig zu kommen, ist geschwunden, seitdem klar ist, dass Putin den russischen Strommarkt für Gewerbekunden nicht vollständig liberalisieren will.

Und das Brot-und-Butter-Geschäft des Erdgashandels zerbröselt auch noch. Im vergangenen Jahr brach der Umsatz ein, weil Wettbewerb scharf ins Kontor wehte. Die Wettbewerbsbehörden erzwangen den Marktzugang für neue Anbieter, die dem früheren Oligopolunternehmen viele Gewerbekunden abspenstig machten.

Einen Vorgeschmack auf das neue E.On-Feeling gibt das gerade in Schottland vorgestellte Modell eines Wellenkraftwerks. Es setzt die Wellenbewegung des Meeres in Strom um. Noch in diesem Jahr soll eine Anlage den Testbetrieb in Orkney aufnehmen. Die Vorarbeiten dazu wurden zwar von Teyssens Vorgänger Bernotat eingeleitet. Das neue Image will aber der Nachfolger für sich nutzen.

Mit dem Norweger Kildahl glaubt Teyssen für einen solchen Wandel den idealen Mann zu haben. Denn der Betriebswirt und Havard-Absolvent hat seine beruflichen Sporen nicht nur in einem Unternehmen verdient, das sauberen Strom aus Wasserkraft produziert.

E.On und das Raumschiff Orion

Kildahl war auch zuvor acht Jahre lang PR-Manager in der Osloer PR-Agentur Geelmuyden Communications, die Konzepte auch für die Energiewirtschaft entwickelte. Kildahl weiß wie kein anderer um die reinigende Imagewirkung von Wasserkraft-Testanlagen, die E.On vom Ruf des ideologischen Atommeiler-Betreibers befreien sollen. Dann schwindet auch das hässliche Gesicht gegenüber Politikern, die Energiekonzerne gelegentlich als machthungrige atomsüchtige Renditejäger ohne Moral verdammen.

Diesen Ruf abzulegen wird für E.On wirtschaftlich wichtig. Denn noch sind es gerade diese zum Teil geschmähten Meiler, die dem Konzern viel Geld einbringen. Die große Diskussion über die Laufzeitverlängerungen von Kernkraftwerken steht im Herbst erst noch bevor. Und auch der stockende Bau eines schadstoffärmeren Steinkohlekraftwerks in Datteln, mitten im Ruhrgebiet, kann von einer positiveren Grundeinstellung gegenüber E.On nur profitieren.

Weniger Aufsehen erregen wird Kildahl mit viel grauer Alltagsarbeit, die er fernab seiner früheren PR-Welt verrichten muss, die aber die E.On-Bilanz aufhellen soll. Er wird die E.On-Kernkraftwerke in Skandinavien besser auslasten, den Vertrieb in Großbritannien und die Vermarktung von Gasspeicherkapazitäten voranbringen und weitere Gewinneinbrüche bei Ruhrgas verhindern müssen.

Fast wie im Raumschiff Orion kann sich E.On-Forschungschef Maubach fühlen. Neben dem CO2-freien Kohlekraftwerk soll er vor allem die Entwicklung preiswerter Strom-Speichermöglichkeiten von Windparks vorantreiben. Denn erst, wenn dies gelingt, wird die Windkraft in der Lage sein, wie Atom- und Kohlemeiler Tag und Nacht Großindustrien wie Chemie und Stahlverarbeitung mit Strom zu versorgen. „Grundlastfähigkeit“ heißt das Zauberwort, mit dessen Einlösung die Windkraft dann zur ebenbürtigen, vollwertigen Stromquelle neben den klassischen Energien aufsteigen würde.

Damit treibt Maubach Fragen auf die Spitze, um die sich bei E.On bisher fast jeder herumdrückte. Braucht der Riese vom Rhein langfristig überhaupt noch die Kraftwerke in Spanien, die viel Strom produzieren, ohne feste Kunden zu haben? Was bringen Kraftwerke in Sibirien, die wenig rentabel Industriekonglomerate versorgen, ohne die Chance, in absehbarer Zeit die Strompreise erhöhen zu dürfen?

Da werden die Türen bei E.On ganz schön weit offen stehen und die PR-Künste groß sein müssen, wollte Johannes Teyssen diese Probleme radikal lösen. 

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