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Ebay Paypal - ungebetener Freund

Sicherheitslücken, Kartellamtsermittlungen – beim Versuch, Kunden an den Bezahldienst Paypal zu binden, gerät der Online-Händler Ebay unter Beschuss.

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Paypal-Manager Justus. Paypal soll die bevorzugte Zahlungsart im Internet werden. Quelle: Marc Wetli für WirtschaftsWoche

Betrüger müssen geduldig sein. Wer für 14 Cent pro Minute im Kundencenter von Paypal anruft, dem Bezahldienst des Online-Händlers Ebay, hängt meist für ein paar Minuten im Warteschleifengedudel. Doch dann geht alles ganz einfach: Es reicht, Namen, Anschrift, E-Mail und Telefonnummer eines Paypal-Kontoinhabers anzugeben. „Nennen Sie mir jetzt noch die letzten vier Ziffern Ihrer Kontonummer“, bittet der freundliche Mitarbeiter. Und schon gibt er den Kontostand eines völlig Fremden preis oder welche Zahlungen empfangen und getätigt wurden.

Leichter kann man es unlauteren Zeitgenossen kaum machen, an sensible Informationen über die Kontobewegungen fremder Personen zu gelangen. Denn Tausende Ebay-Nutzer veröffentlichen ihre Adressdaten und Kontonummern leicht zugänglich im Internet-Impressum oder bei einer Online-Bestellung. Wer will, kann problemlos Schindluder mit den Daten treiben und sich als jemand anderes ausgeben. Die Verbraucherschutzinitiative „Falle Internet“ kritisierte das eklatante Datenleck schon vor Wochen. Daraufhin stellte Ebay die Abfrage von einem automatischen Telefoncomputer auf ein Callcenter um, wo zusätzlich die Adressinformationen abgefragt werden – viel sicherer sind die Konten dadurch nicht geworden.

„Wir sind uns bewusst, dass die Lösung noch nicht optimal ist und arbeiten mit Hochdruck daran, die Sicherheit zu verstärken“, sagt Paypal-Sprecherin Barbara Hüppe. Doch so schnell sei das nicht getan. Das Unternehmen könne nicht ausschließen, dass Unbefugte Daten abgefragt hätten, konkrete Fälle seien aber nicht bekannt.

Die Probleme bei der Konzerntochter Paypal kommen Ebay höchst ungelegen. Denn das Auktionsgeschäft stottert. Um weiter zu wachsen, setzt Ebay verstärkt auf seinen „Bezahlfreund“, wie Paypal ins Deutsche übersetzt heißt. Der vor sechs Jahren von Ebay übernommene Dienst wird für das weltgrößte elektronische Handelshaus immer wichtiger. 2007 wurden über Paypal Käufe und Verkäufe im Gesamtwert von 47 Milliarden US-Dollar abgewickelt. Die Einnahmen aus den Gebühren steuerten ein Viertel des Ebay-Umsatzes von insgesamt 7,7 Milliarden Dollar bei. Zudem wächst das Geschäft mit der Zahlungsabwicklung schneller, als die Umsätze mit dem reinen Handel.

Aus diesem Grund versucht Ebay mit aller Macht, immer mehr Kunden dazu zu bringen, statt Überweisungen oder Kreditkarten Paypal zu nutzen. Einerseits lockt das Unternehmen eifrig mit Gutscheinen und Rabatten bei Paypal-Zahlung. Andererseits zwingt der Internet-Riese Händler, auch Paypal als Zahlungsvariante zu akzeptieren. So müssen vom kommenden Donnerstag an alle gewerblichen Händler in Deutschland, die Artikel zu festen Preisen in den 65.000 Ebay-Shops anbieten, Paypal-Zahlungen annehmen. Ebay kassiert dadurch gleich doppelt: Denn auf die Verkaufsprovisionen werden noch einmal Paypal-Gebühren von 1,9 bis 3,9 Prozent aufgeschlagen.

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