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Elektrokonzern Siemens steht vor neuen Einschnitten

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Sektor Industrie: Vier von sechs Unterdivisionen sind von starkem Auftragsrückgang betroffen Quelle: Siemens

Dabei hatte Konzernchef Löscher offenbar gehofft, ohne großen Stellenabbau durch das Jahr 2010 zu kommen. Noch bis weit in den Dezember hinein hatte er die Notwendigkeit eines Stellenabbaus im größeren Stil bestritten. „Es gibt keinen Bedarf für ein weiteres konzernweites Programm“, sagte Löscher im Interview mit der WirtschaftsWoche vor Weihnachten. „Wir sind im Vergleich zu allen großen Wettbewerbern stabiler durch die Krise gekommen.“

Das stimmt zwar: Dank frühzeitig eingeleiteter Sparmaßnahmen hat Siemens im Geschäftsjahr 2009 mit seinen drei Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit einen operativen Gewinn in Höhe von 7,5 Milliarden Euro erzielt. Dazu trug bei, dass Löscher im vergangenen Jahr relativ geräuschlos rund 22.000 Stellen abbaute. Zugleich gelang es ihm, von der Krise als erste getroffene Geschäftsfelder mit jenen auszubalancieren, die bisher relativ resistent waren. So brachen 2009 frühzyklische Bereiche wie die Lichttochter Osram oder die Antriebstechnik, die auf konjunkturelle Abschwächung ebenso schnell reagieren wie auf den Aufschwung, stark ein. Im Gegenzug stützten Langläufer wie der Energiesektor, wo von der Planung bis zur Abnahme eines Kraftwerks Jahre vergehen, das Geschäft.

Bei Siemens droht weiterer Stellenabbau

Genau das wird dem 52-jährigen Österreicher im laufenden Jahr jedoch deutlich schwerer fallen, weswegen nun ein Stellabbau von bis zu 20.000 Jobs droht. „Das Geschäft der bisher stabilen Nicht-Industrie-Bereiche wird schlechter, während der Industriesektor im Tief verharrt und erst im zweiten Halbjahr langsam wieder wachsen wird“, sagt Merck-Finck-Analyst Kitz, „die Betonung liegt auf langsam.“ Deshalb werde es „noch Jahre dauern“, sagt auch sein Kollege Klusmann, bis das Industriegeschäft rund um Industrieautomatisierung und Gebäudetechnik wieder zum Vorkrisenniveau aufschließt.

Krise könnte bis 2012 andauern

Grafik: Umsatzanteile der Siemens-Sektoren 2009 (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Grund für die trüben Aussichten im größten Siemens-Geschäftssektor ist die Skepsis in der deutschen Metall- und Elektroindustrie, die zu den wichtigsten Kunden von Siemens zählt. „Der Weg aus dem Tal hinaus wird mindestens bis 2012 dauern“, sagte Gesamtmetall-Chef Martin Kannegießer am vergangenen Dienstag. Laut Schätzung des Arbeitgeberverbandes müsste die Produktion der Metall- und Elektroindustrie um 30 Prozent, der Auftragseingang gar um 35 Prozent zulegen, um auf den Stand von 2007 zu klettern.

Die Vorboten dieser bedrohlichen Entwicklung sind schon in einigen Untersparten des Industriegeschäfts abzulesen: So brach beispielsweise der Auftragseingang in den Industrie-Divisionen Antriebstechnik und Industrielösungen im vierten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres um jeweils mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein; neue Bestellungen in der Industrieautomatisierung lagen mit rund einem Viertel im Minus.

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