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Elektrokonzern Siemens steht vor neuen Einschnitten

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Grafik: Auftragseingang der Siemens-Divisionen (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Bis auf die Lichttochter Osram und die nach einer Restrukturierung wieder gut laufende Verkehrstechniktochter Mobility haben die vier restlichen Untersparten des Industriesektors daher mit Blick aufs Geschäftsjahr 2011 jeweils zwischen 20 und 35 Prozent Leute zu viel an Bord, hat BHF-Bank-Analyst Klusmann berechnet. Dies basiert auf der Annahme, dass der Umsatz des Industriesektors im laufenden Geschäftsjahr um rund zehn Prozent fällt und im kommenden nur ein Plus von rund vier Prozent aufweist.

Gleichzeitig schwinden auch Löschers Hoffnungen, die wichtigsten Auslandsmärkte könnten das schwächelnde Industriegeschäft in Deutschland kompensieren. So beginnt die globale Wirtschaftskrise auch im Geschäft mit China Bremsspuren zu hinterlassen, so sehr die Volksrepublik die Konjunktur auch angekurbelt hat. Das Volumen neuer Aufträge aus China legte bei Siemens im Geschäftsjahr 2009, das im September endete, lediglich um lächerliche ein Prozent auf 5,5 Milliarden Euro zu – im Vorjahreszeitraum konnte Siemens noch ein Plus von 12 Prozent verbuchen.

Siemens muss ehrgeizige Ziele aussetzen

Ähnlich entwickelte sich der tatsächliche Umsatz. Lag dessen Zuwachs im Finanzjahr 2008 noch bei 18 Prozent, mussten sich die Münchner 2009 mit einem Plus von sieben Prozent auf 5,2 Milliarden Euro begnügen. Von seinem Ziel, im Reich der Mitte doppelt so schnell zu wachsen wie die chinesische Wirtschaft, ist Siemens derzeit weit entfernt. „Es war eine extrem schwierige Situation, als Chinas Wachstum im Frühjahr auf 6,1 Prozent abfiel“, räumt Siemens-China-Chef Richard Hausmann ein.

Damit scheint aber Hausmanns Rechnung nicht aufzugehen, vom Konjunkturpaket der chinesischen Regierung zu profitieren. Rund 400 Milliarden Euro pumpt Peking in die eigene Wirtschaft, um das Wachstum stabil über acht Prozent zu halten. Etwa die Hälfte der Mittel soll in den Bau neuer Flughäfen, Zugstrecken und Bahnhöfe fließen – eigentlich Paradeprojekte für Siemens.

Löscher legt großen Wert auf Internationalität

Grafik: Operativer Gewinn der drei Siemens-Sektoren 2009 (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Offiziell heißt es denn auch, Siemens rechne mit Aufträgen im Umfang von zwei Milliarden Euro aus dem chinesischen Konjunkturpaket. Intern sei die Nervosität allerdings groß, berichtet ein Insider, denn Peking mache mit seiner Ankündigung vom vergangenen Jahr ernst, vom staatlichen Geldsegen sollten vor allem heimische Unternehmen profitieren. Nicht von ungefähr will bei Siemens bis heute niemand beziffern, in welchem Umfang der Konzern bisher von dem Anfang 2009 aufgelegten Konjunkturpaket der Chinesen profitiert hat.

Löscher jedenfalls ist gewillt, die Position von Siemens in einem schwieriger werdenden Markt mit aller Macht zu verteidigen. Noch im laufenden Jahr soll China-Chef Hausmann seinen Stuhl räumen, verlautet aus dem Unternehmen. Löscher, der ohnehin großen Wert auf Internationalität im Management legt, besteht darauf, dass der Nachfolger ein Chinese wird. Damit will er das Geschäft stärker in den Regionen verankern. Siemens wollte die Personalie nicht kommentieren.

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