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Elektrokonzern Siemens steht vor neuen Einschnitten

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Kursverlauf der Siemens-Aktie zwischen 2007-2009 (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Auswahl)

Mit Problemen anderer Art sieht sich Löscher in den Vereinigten Staaten konfrontiert. Im vergangenen Sommer kündigte der erfolgreiche und langjährige USA-Chef George Nolen überraschend seinen Abgang an. Siemens-Insider erklären dies damit, dass Nolen Löschers Konzernumbau nichts abgewinnen konnte. Der zielte unter anderem auf eine engere Anbindung der Landesgesellschaften an die Siemens-Zentrale am Wittelsbacherplatz in München. Siemens-Veteran Nolen war der Meinung, das USA-Geschäft sei auch so hervorragend aufgestellt, dagegen will es Löscher stärker an die Kandare nehmen. Doch so mancher bei Siemens bezweifelt, ob das eine gute Idee ist. Zwischen 2004 und 2008 hatte Nolen sehr zum Ärger des amerikanischen Siemens-Konkurrenten General Electric den US-Umsatz immerhin um rund 35 Prozent steigern können.

Siemens will im US-Geschäft punkten

Nachdem Siemens-Vorstand Peter Solmssen fünf Monate lang für Nolen eingesprungen war, macht sich nun Nicht-Siemensianer Eric Spiegel, der von der Unternehmensberatung Booz kommt, jenseits des Atlantiks an die Arbeit. Spiegel wird Siemens nicht mehr von New York, sondern von Washington aus führen. Auf diese Weise hoffen die Münchner, bei staatlichen Aufträgen aus dem US-Konjunkturpaket nicht so leicht von amerikanischen Konkurrenten abgehängt zu werden. Rund 120 Milliarden Dollar an erwarteten Aufträgen, an denen Siemens partizipieren könnte, hat Löscher in den USA identifiziert. Acht Milliarden davon, so verkündete er im Juni 2009, wolle Siemens ergattern.

Noch ist schwer abzuschätzen, ob Löscher dieses Ziel erreichen wird. Bisher scheinen eher nur kleinere Aufträge eingetrudelt zu sein. Doch die Bieterwettbewerbe für die dicken Brocken, etwa bei Infrastrukturprojekten, laufen noch und werden erst in diesem Jahr entschieden. Um vom wirtschaftlichen Push der US-Regierung unter Präsident Barack Obama in Richtung saubere Energien zu profitieren, steht Siemens zumindest bereit. 2007 eröffnete der Konzern eine neue Fabrik zur Produktion von Windrädern im US-Bundesstaat Iowa. 2008 folgte eine Produktionsstätte für Windturbinengetriebe in Illinois, schließlich eine weitere für Windturbinengehäuse in Kansas.

Siemens kämpft gegen "Buy American"

Allerdings kämpft Deutschlands langjähriger Vorzeigekonzern in den USA – ähnlich wie in China – gegen das Image, ein ausländischer Konzern zu sein. Das erweist sich bei Aufträgen mit „Buy American-Klausel“ („Kauft amerikanisch!“) immer noch als mögliche Hürde. Um diese zu überwinden, hatten die Deutschen bereits im vergangenen Herbst in einer Anzeigenkampagne in wichtigen US-Tageszeitungen wie dem „Wall Street Journal“ ihre Identifikation mit Amerika herausgestellt: „Wir haben die Antworten für die großen Fragen, mit denen unser Land konfrontiert ist.“

 Die heikelsten Antworten muss Löscher allerdings wohl in Bälde in Deutschland geben. Denn hier fragen sich Eingeweihte, ob er sich traut, noch einmal ein größeres Sparpaket zu verkünden. Dies würde zwar für Klarheit bei den Anlegern sorgen, die seit Langem eine Anpassung der Fertigungskapazitäten an das geschwundene Auftragsniveau erwarten. Gleichzeitig würde Löscher damit aber die eigene, vom vorherigen Stellenabbau und Schmiergeldskandal geschundene Belegschaft erneut stark verunsichern.

Daher spricht vieles dafür, dass Löscher seine bisherige Salamitaktik beibehält. Das bedeutet, regional und auf einzelne Geschäftsbereiche fokussiert Jobs abzubauen. Genau diese Hintertür hatte er sich vor einem Monat in der WirtschaftsWoche offen gelassen: „Wir werden punktuell und standortbezogen handeln, wenn die Umstände das erfordern.“

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