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Elektromobilität Mit Millionen an die Weltspitze

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"Das Ziel der Schaufenster-Projekte ist die Entwicklung eines systemischen Ansatzes", sagt Christian Malorny, Autoexperte der Unternehmensberatung McKinsey, die Politik und Industrie bei den Schaufensterprojekten berät. Wenn die Projekte richtig geführt und ausgewertet würden, könne sich "Deutschland bei der Elektromobilität damit wieder an die Spitze setzen".

Während in Berliner Ministerien noch am Schaufenster-Design gefeilt wird, zeichnen sich die ersten Konturen ab: Eine Jury mit Experten aus Politik, Industrie und Verbänden soll mindestens drei, maximal fünf Regionen festlegen, die ein Schaufenster werden dürfen. Die Ausschreibung und die anschließende Bewerbung der Regionen erwartet die Autoindustrie für Herbst. Bereits im Winter könnte die Entscheidung über die Teilnehmer fallen. Und im Sommer 2012 würden die ersten Projekte Fahrt aufnehmen. Weil sich die Bundesministerien für Verkehr, für Umwelt, für Wirtschaft und für Forschung jeweils gern mit dem Elektroauto profilieren wollen und sich immer wieder gegenseitig ausbremsen, soll eine neutrale Stelle das Vorhaben koordinieren. Im Gespräch sei, so berichten Beteiligte aus der Autoindustrie, das Finanzministerium oder das Bundeskanzleramt.

Autoindustrie darf sich auf 3,5 Milliarden Euro freuen

Um sich von den vielen Tests mit vergleichsweise wenigen Elektroautos abzusetzen, plant die Bundesregierung die ganz große Nummer: Pro Schaufenster sollen mittelfristig 20 000 bis 50 000 Fahrzeuge rollen. Nur so ließe sich die Praxistauglichkeit der E-Mobilität made in Germany wirklich erforschen. Bei einem Durchschnittspreis von 35.000 Euro pro Elektroauto und vier Regionen könnte sich die Autoindustrie auf Bestellungen im Wert von bis zu 3,5 Milliarden Euro freuen.

Beste Chancen, eines der geplanten Schaufenster zu werden, haben die sogenannten Modellregionen für Elektromobilität, von denen es in Deutschland mittlerweile acht gibt. Die örtlichen Testläufe für Elektrofahrzeuge sind für den Zeitraum 2009 bis 2011 angelegt und werden mit 130 Millionen aus dem Konjunkturpaket II gespeist, das in der Krise aufgelegt wurde. In den Projekten probieren Kommunen, Autohersteller oder Stromerzeuger alles E-Mögliche teilweise doppelt und dreifach aus, weil die Konzepte der Regionen nicht aufeinander abgestimmt sind.

Weitere Schaufenster-Bewerbungen werden erwartet

Deshalb wird die Hälfte dieser acht Modellregionen nicht zum Schaufenster befördert. Zwar droht ihnen nicht zwangsläufig ein Schicksal als Subventionsruinen, sie können auf kleinerer Flamme fortgeführt werden. Doch "die Fokussierung bestehender Ressourcen auf die Schaufenster", so heißt es in einer Regierungsantwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken, sei "übergeordnetes Ziel".

Insider rechnen nämlich damit, dass sich weitere Regionen um den Titel Schaufenster und die damit verbundenen Steuergelder bewerben werden, etwa die Volkswagen-Heimat Wolfsburg. Zu groß ist die Verlockung; laut Kabinettsbeschluss soll von 2012 an rund eine Milliarde Euro in die E-Auto-Förderung fließen. Wie viel davon an die Schaufenster gehen wird, ist noch offen. Ein Kenner der E-Auto-Szene rechnet jedoch damit, dass "ein Großteil der Milliardensumme in die Schaufenster-Projekte fließen wird".

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