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Elon Musk Der Elektroauto-Pionier, der auf den Mars will

Heute soll der erste private Raumtransporter an der ISS andocken. Dahinter steckt Elon Musk, der auch Chef des Elektroautobauers Tesla ist. Doch ohne deutsche Hilfe hätte Musk es nicht zum amerikanischen Helden gebracht.

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Ein amerikanischer Held: Der Südafrikaner Elon Musk. Quelle: dpa

Elon Musk will hoch hinaus. Und er ist auf einem guten Weg: Er hat den ersten privaten Raumtransporter ins All gebracht. Das Unternehmen SpaceX, dessen Haupteigner, Vorstands- und Technologiechef der 40-Jährige ist, hat den unbemannten Transporter mit dem Namen Dragon entwickelt, ebenso die Falcon-9-Rakete, die ihm Starthilfe gab. Heute Vormittag hat das Andockmanöver des „Drachen“ an die Internationale Raumstation ISS begonnen.

„Die Bedeutung dieses Tages kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, jubelte Nasa-Chef Charles Boden schon unmittelbar nach dem Start am Dienstag. „Es ist ein großer Tag für Amerika. Und ein großer Tag für die Welt.“ Und Boden beschränkt sich nicht auf Lobeshymnen, er hat zwölf Flüge bei SpaceX gebucht. Die von ihm geführte US-Weltraumbehörde lässt sich das stolze 1,6 Milliarden Dollar kosten.

Die Geschichte des Elon Musk ist die Geschichte eines Helden, der am Boden lag und sich wieder aufrappelte – so wie sie die Amerikaner lieben. Denn der studierte Physiker Musk, der von sich sagt: „Ich gebe niemals auf, und ich meine niemals“, schien gescheitert zu sein. Der gebürtige Südafrikaner hatte 100 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen in SpaceX gesteckt - und Mitte 2008 war ihm die dritte Rakete explodiert. Zudem geriet der von ihm mitgegründete und geführte US-Elektroautobauer Tesla in Geldnot. Und als seien das nicht schon mehr als genug Widrigkeiten lieferte sich Musk einen Rosenkrieg mit seiner Frau; die daraus resultierenden Anwaltskosten musste er auf Pump finanzieren.

Der jungenhaft wirkende Mann hatte da schon vollbracht, was den meisten im Laufe eines ganzes Lebens nicht gelingt - und das, obwohl er eine Promotionsstelle an der Eliteuniversität Stanford nach zwei Tagen aufgegeben hatte. Statt einen Doktortitel zu erwerben, revolutionierte er als Haupteigner von Paypal den weltweiten Zahlungsverkehr und machte das große Geld, als Ebay den Onlinebezahldienst 2002 für 1,5 Milliarden Dollar kaufte. Nur wenige Jahre später stand er dann vor dem finanziellen Ruin.


Daimler hat Musk gerettet

Dass er heute wieder obenauf ist, hat Musk auch einem deutschen Konzern zu verdanken. „Ohne Daimler würde Tesla nicht existieren. Daimler hat Tesla gerettet“, sagte er vor wenigen Monaten im Gespräch mit Handelsblatt Online. Denn ohne den Einstieg der Schwaben vor drei Jahren hätte das Start-Up später wohl niemals einen Kredit in Höhe von fast einer halben Milliarde Dollar von der US-Regierung bekommen, dank dem im Sommer 2010 der Börsengang gelang. Heute ist auch Toyota beteiligt. Die beiden Partner kooperieren beim Antriebsstrang mit Tesla.

Musk, der gerne leger ohne Krawatte auftritt und noch immer wie ein IT-Unternehmer aus dem Silicon Valley wirkt, ist ein Tausendsassa und so beschränkt er sich nicht auf Tesla oder SpaceX, sondern arbeitet zwei Tage pro Woche für den Elektroautopionier, der mit dem Sportwagen Roadster das erste für die Autobahn zugelassene Elektroauto entwickelte, und drei Tage für die Raumfahrtfirma. Ein drittes Unternehmen hat er ganz nebenbei auch noch: Solarcity rüstet Haushalte auf Sonnenstrom um.

Seine Vielseitigkeit und die damit verbundenen umfassenden Ambitionen verunsichern etliche Investoren. Deshalb wettete etwa der Ironfire-Capital-Gründer Eric Jackson gegen die Tesla-Aktie. An Musk irritiert ihn auch dessen „Egomanie“ und das extrem selbstbewusste Auftreten. Doch trotz dieser „Achillesferse“ lobt Jackson die Leistung von Musk bei Tesla und SpaceX heute als „phänomenal“. Der „Bloomberg Businessweek“ sagte er: „Ich muss meinen Hut ziehen. Er liegt bisher goldrichtig.“ Und mit der Anerkennung steht er nicht alleine da.

Der Technologieanalyst Steve Milunovich von der US-Investmentbank Merrill Lynch sagt: „Er ähnelt Steve Jobs.“ Denn Musk, der inzwischen Milliardär ist, sei wie der verstorbene Apple-Gründer ein glänzender Geschäftsmann. „Er ist ein Technologievisionär und überdies in der Lage, Shareholder Value zu schaffen.“


Auf Apples Spuren

Apples Erfolgsgeschichte dürfte für Elon Musk eine Inspiration sein: Jobs hat es geschafft, Apple vom hochqualitativen Nischenanbieter zum marktbeherrschenden Massenhersteller umzubauen. Auch Tesla vollzieht derzeit diesen Strategiewechsel. Die Herstellung des mehr als 100.000 Dollar teuren Roadsters, der auf dem Lotus Elise basiert, hat die nach Musks Worten „unwiderstehlichste Autofirma des 21. Jahrhunderts“ nach 2.250 verkauften Exemplaren eingestellt. Jetzt hat sie mit der Großserienproduktion des Elektroautos begonnen.

Das Model S, das im Frühjahr auf dem Genfer Auto-Salon erstmals in Europa zu sehen war und das Musk dort als „bestes und nachhaltigstes Auto der Welt“ anpries, hat bei sparsamer Fahrweise eine Reichweite von rund 450 Kilometern, bietet Platz für bis zu sieben Insassen und wird in der Grundausstattung etwa halb so viel kosten wie der Roadster.

Diese Woche hat Tesla angekündigt, am 22. Juni mit der Auslieferung der Limousine zu beginnen. Das ist sogar etwas früher als geplant und widerlegt viele Kritiker, die an einem pünktlichen Start gezweifelt hatten. 5.000 der Fahrzeuge will Elon Musk noch in diesem Jahr an die Kunden übergeben. 2013 soll die Jahresproduktion im kalifornischen Werk, das einstmals von General Motors und Toyota betrieben wurde, auf 20.000 gesteigert werden. Damit will Musk den Umsatz auf 1,5 Milliarden Dollar vervielfachen und Tesla erstmals profitabel machen.

Der Automobilwissenschaftler Franz-Rudolf Esch gibt dem Unternehmen „die Chance, das erste iCar der Geschichte zu bauen“. Der Nischenanbieter könnte sich irgendwann zum ernsthaften Gegenspieler für die Branchenriesen BMW, Mercedes-Benz und Audi entwickeln. Schon im Herbst will Musk auf der Auto-Messe in Paris das Model X präsentieren, ein Crossover mit spektakulären Falkenschwingen-Türen, das die Vorteile von Minivan, Großraumlimousine und Geländewagen vereinen und nach dem Produktionsstart Ende 2013, Anfang 2014 auf ähnliche Stückzahlen wie das Model S kommen soll. Danach will er mit einem kleineren und billigeren Modell Audis A4 und BMWs 3er Konkurrenz machen.

Doch damit begnügt sich Musk bei weitem noch nicht. Schließlich sei es sein Antrieb, zu „helfen, die großen Probleme der Menschheit zu lösen“. Und da ist auch der Raumtransporter Dragon nur ein erster Schritt. Denn der 40-Jährige will „das menschliche Leben multiplanetar machen“. Wenn es nach ihm geht, soll SpaceX in ein bis zwei Jahrzehnten die erste bemannte Marsmission gelingen.

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