WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

EM-Einwurf Erfolgloser Glücksbringer

Seite 2/2

Ausgeschieden: Holländische Quelle: dpa

Wo also hätten wir besser den Triumph des holländischen Weltklasseteams gegen die aufstrebenden Jünglinge aus Petersburg und Moskau feiern können als in Venlo? Ja, wenn es diese Feier irgendwo auf der Welt gegeben hätte...

Bleibt zu erinnern, dass die vielen, vielen Fans in orangenen T-Shirts ausgesprochen nett waren zu den zugereisten Fremdlingen, vielleicht bis auf die Altherrenmannschaft des Basketballklubs Venlo, die zwischen der Fernsehleinwand und dem nicht gerade groß gewachsenen Berichterstatter der WirtschaftsWoche den Raum ausfüllte. Ach, hätten Nigel de Jong , Joris Mathijsen und André Ooijer sich ein Vorbild am geschickten Stellungsspiel der Venloer Recken genommen! Warum sie das nicht getan haben, kann ich so genau nicht sagen, weil die Basketballer mir meistens die Sicht versperrten.

Aber klein zu sein, hat einen Riesenvorteil: Man neigt zum Optimismus. Wenn die langen Leute auf ein Glas gucken und feststellen, es ist halb leer, dann ist es aus der Sicht von uns Kleinen immer mindestens halb voll. Also brauche ich die historischen Parallelen gar nicht zu strapazieren, um vor dem deutschen Türkeispiel optimistisch zu sein. Erinnert sei trotzdem an die beiden bisherigen deutsch-türkischen Länderspiele bei Welt- und Europameisterschaften. Beide in der Schweiz, das erste am 17. Juni 1954, 4:1 für Deutschland, erster Sieg auf dem Wieg zur Weltmeisterschaft. Weil der damalige Austragungsmodus noch verrückter war als der heute, das zweite Spiel derselben Mannschaften gleich sechs Tage später, 7:2 für die Deutschen.

Anruf im türkischen Konsulat

Vielleicht, weil die Türken nach diesen Ergebnissen die Lust vergangen war, traten sie in den 54 Jahren seitdem nur noch dreizehn Mal gegen die DFB-Auswahl an, acht Mal davon in Qualifikationsrunden für Welt- und Europameisterschaften (insgesamt acht deutsche Siege, zwei türkische, drei Unentschieden). In der türkischen Deutschlandbilanz tauchen drei weitere türkische Siege aus, der letzte am 12. April 1989: 2:0 in Ostberlin gegen die DDR vor einem lautstarken türkisch-westberlinischen Fanblock, fast schon die Abschiedsvorstellung der gastgebenden Nationalmannschaft.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Was damals keiner wissen konnte. Die Weltgeschichte ist nicht prognostizierbar, fast so wenig wie der Fußball. Aber Sie können hoffen: Ich rufe gleich beim Türkischen Generalkonsulat hier in Düsseldorf an und lade mich für morgen Abend ein. Verraten Sie denen nicht, warum.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    Zur Startseite
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%