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Ende der Ära Bernotat Dauerkronprinz Teyssen steht bei E.On in den Startlöchern

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Dass E.On Ruhrgebietsnachbar RWE beim Gewinn eine enorme Aufholjagd begonnen hat, sehen E.Ons Spitzenmanager dagegen kaum als große Bedrohung an - mit Skepsis in den Augen spricht man eher von einem "großen Stadtwerk", wenn die Rede auf RWE kommt  - während sich Bernotat mit internationalen Playern wie Shell, BP oder General Electric vergleicht.

Geschmerzt hat bei E.On nur, dass es Konkurrent RWE gelang, den holländischen Kommunalversorger Essen unter seine Fittiche zu bringen. Kann Bernotat etwa nicht mit kommunalen oder nationalen Politikern, sondern nur mit Finanzmarktstrategen umgehen?

Es nützte Bernotat zum Schluss nicht, dass der Essent-Deal bei RWE wegen regionalpolitischer Vorbehalte nun doch wahrscheinlich nicht klappt. Der Vorstoß des Konkurrenten hat eine Schwachseite Bernotats offengelegt, er flankt schlecht in Richtung Politik.

Das aber kann Teyssen. Seine Vergangenheit liegt nicht bei Shell, wo Bernotat zwanzig Jahre lang sozialisiert und globalisiert wurde. Statt Portugal, Frankreich oder in der Londoner City, wo Bernotat mental zuhause ist, kennt Teyssen das Flächengebiet der Niedersachsen umso besser.

Wer darüber lächelt, weiß nicht, dass hier Energiekunden sitzen, die heftig Strom abnehmen - und dass über Jahrzehnte. Volkswagen zum Beispiel oder Salzgitter, aber auch Kommunen - Braunschweig, Hildesheim, Hannover.

Bernotat war anzumerken, dass leichte Resignation in sein Managerleben Einzug gehalten hatte

Mit diesen knorrigen, häufig kompliziert denkenden Regionalfürsten und Stromeinkäufern hat Teyssen mit der Ausgeglichenheit eines Hildesheimers lange dauernde Verträge abgeschlossen - von denen E.On heute ebenso profitiert wie von der bayrischen Industrie - in Bayern betreibt E.On eine Reihe von Kernkraftwerken.

Und Teyssen war als Chef der niedersächsischen  E.On-Beteiligung Avacon sowie als in München ansässiger Energieboss von E.On immer mittendrin im Kerngeschäft. Hätte er mit diesem Langmut eines Langstreckenläufers Endesa bekommen? Hätte er sich Essen einverleibt? Hätte, hätte, hätte.

Im Konditional dachte bei E.On in den vergangenen Monaten so mancher. Was wäre gewesen, wenn Endesa im E.On-Reich gelandet wäre? Auf jeden Fall würde Bernotat dann bis zu seinem als 67. Lebensjahr als E.On-Chef wirken. Die interne Regelung, dass nach dem 60 Lebensjahr die Vorstandsverträge nur um zwei Jahre verlängert werden, wäre bei so einem durchschlagenden internationalen Erfolg natürlich obsolet gewesen.

Bernotat war im Gespräch zum Schluss anzumerken, dass leichte Resignation in sein Managerleben Einzug gehalten hatte. Er klagte über die "tiefe Skepsis unserer Gesellschaft gegenüber Marktprozessen". Und fünf Tage vor der Bekanntgabe seines Amtsendes sagte er bei einer privaten Festivität des RWE-Chefs Jürgen Großmann in Osnabrück über das Verhältnis Unternehmen und Staat: "Ohne einen Therapeuten zu Rate zu ziehen: Die Entfremdung beider Partner ist weit fortgeschritten". 

Nun betritt ein 49-Jähriger die E.On-Bühne mit neuem Stil. Für Teyssen sind Kommunen und Staaten in ganz Europa immer noch hartnäckige Stromkunden und Auftragggebern - und keine Patienten auf dem Couch.  

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