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Ende einer Ära Metro-Chef Cordes zu Abschied gedrängt

Die Amtszeit von Vorstandschef Eckhard Cordes bei der Metro scheint abgelaufen zu sein. Aus Insiderkreisen heißt es, es gebe keine Mehrheit für eine Verlängerung des Vertrages.

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ARCHIV: Der Quelle: dapd

Beim Handelskonzern Metro deutet sich ein Chefwechsel an. Vertreter des Großaktionärs Haniel hätten Metro-Chef Eckhard Cordes signalisiert, dass dieser möglichst noch im September erklären solle, von sich aus auf den Posten an der Spitze zu verzichten, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen am Montag.Darüber hatte auch das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ berichtet. Sprecher von Haniel und Metro wollten sich nicht äußern. Der Vertrag des Metro-Chefs läuft im Oktober 2012 aus, noch im Herbst soll der Aufsichtsrat über seine Zukunft an der Metro-Spitze entscheiden. Nun könnten die Weichen aber auf einen personellen Neuanfang gestellt werden, sagt ein weiterer Insider. Cordes solle selbst auf eine weitere Kandidatur verzichten, um dem Manager einen ehrenvollen Abgang zu ermöglichen, hieß es. Die hätten ihm Vertreter von Großaktionär Haniel nahegelegt. „Die Haniel-Seite ist verstimmt“, sagte eine weitere mit dem Vorgang vertraute Person.

Kommt Deutscher in Frankreich oder Franzose in Deutschland?

Als möglicher neuer Metro-Chef sei bereits Thomas Hübner, derzeit Europa-Chef des französischen Metro-Konkurrenten Carrefour , gehandelt worden, sagte ein weiterer Insider. Hübner hatte den Metro-Konzern 2008 verlassen, wo er zuletzt die Großmarktkette Cash&Carry geleitet hatte. Carrefour wollte sich nicht äußern. An anderer Stelle hieß es, denkbar sei auch eine Variante mit dem Franzosen Joel Saveuse als Übergangslösung. Saveuse verantwortet derzeit bei dem Düsseldorfer Konzern unter anderem das Cash&Carry-Geschäft in Europa sowie die Tochter Real.

Spekulation um berufliche Zukunft

Kritik an Cordes war schon aus dem Lager der Arbeitnehmer laut geworden. Die kritische Haltung von Verdi zu verschiedenen unternehmerischen Entscheidungen von Cordes sei bekannt, hatte bereits ein Sprecher der Gewerkschaft gesagt. Dies betreffe etwa den Stellenabbau durch das Sparprogramm Shape. „Im übrigen werden Vorstandsverträge wohlweislich auf Zeit geschlossen, damit die Aufsichtsräte gegebenenfalls die Möglichkeit haben, personelle Weichen neu zu stellen.“  Cordes selbst hat es bislang immer wieder offen gelassen, ob er eine weitere Amtszeit an der Metro-Spitze anstrebt. Bereits seit Monaten wird über seine berufliche Zukunft spekuliert.

Jürgen Kluge, Quelle: dpa

Haniel-Chef Jürgen Kluge, der Cordes bei dem Mischkonzern 2009 auf dem Chefsessel gefolgt war, hat sich in der Vergangenheit als wenig zimperlich bei Personalien erwiesen. Nach Zwistigkeiten über die richtige Firmenstrategie bei der Beteiligung Celesio musste der langjährige Vorstandschef des Pharmahändlers, Fritz Oesterle, Ende Juni seinen Posten räumen. Auf der Hauptversammlung stand Kluge als Chef des Celesio-Kontrollgremiums wegen des zuvor öffentlich ausgetragenen Streits im Kreuzfeuer der Kritik. Cordes hatte im Januar 2006 den Vorstandssessel bei Haniel übernommen und einen Monat später auch den Aufsichtsratsvorsitz bei der Beteiligung Metro. Im November 2007 wechselte er auf den Chefposten bei Metro und löste Hans-Joachim Körber als Chef des Konzerns ab. Danach leitete er gleichzeitig den Duisburger Mischkonzern und den Düsseldorfer Handelsriesen, den er auf Rendite trimmen sollte. Im März 2009 schließlich gab Cordes den Spitzenposten in Duisburg auf, um sich allein der Metro zu widmen.

Tausende Stellen gestrichen

Cordes leitete bei Metro einen umfassenden Umbau ein, dem auch Tausende von Stellen zum Opfer fielen. Zuletzt sorgte indes der ehemalige Wachstumsgarant Media-Saturn mit Verlusten für Verstimmung. Cordes stellte seine Jahresziele unter Vorbehalt und kündigte bei der Elektromarktkette unter anderem eine Internet-Offensive an, um das Ruder herumzureißen. Ein Streit zwischen Metro und den Minderheitseignern der Tochter Media-Saturn bremst indes die Online-Pläne. Minderheitseigner Erich Kellerhals hat nach Aussagen aus dem Kreis der Gesellschafter mit seinem Veto-Recht den geplanten Kauf zweier kleiner Internetunternehmen abgelehnt. Cordes und die Minderheitseigentümer Kellerhals und Leopold Stiefel ringen seit langem um das Sagen bei Media-Saturn. Die Metro hält rund 75 Prozent an der Media-Saturn-Gruppe.

Eine Frau läuft am Dienstag Quelle: dpa

Aktionärsschützer fordern eine rasche Weichenstellung beim Vorstandsvorsitz des Handelskonzerns Metro. „Die Unsicherheit, ob der Vertrag von Eckhard Cordes verlängert wird oder nicht, ist nicht gut für das Unternehmen“, sagte Jella Benner-Heinacher, Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), am Montag. Aus Aktionärssicht sei eine baldige und klare Entscheidung des Aufsichtsrates wünschenswert, damit die öffentliche Personaldebatte beendet werde. Das „Hickhack“ um die Spitzenpersonalie gehe zu Lasten des Unternehmens-Rufes.

Kein glückliches Händchen

Nach Einschätzung von Benner-Heinacher hat Cordes in seiner bisherigen Amtszeit seit Oktober 2007 nicht alle Erwartungen erfüllt. Der Metro-Chef könne zwar das Spar- und  Effizienzsteigerungsprogramm „Shape“ als einen Erfolg vorweisen. Andere Hoffnungen, wie ein Verkauf der Warenhauskette Kaufhof oder ein Börsengang der Elektronikketten Media Markt und Saturn, hätten sich aber nicht erfüllt. Zwar müsse die Finanzmarktkrise gesehen werden. Aber auch andere Faktoren wie der Machtkampf mit den Gründern von Media Markt spielten beim Bild des Düsseldorfer Konzerns eine Rolle. „Cordes hatte bisher kein besonders glückliches Händchen“, meinte sie.

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