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Energie Duell in Moskau

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Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender von E.On Quelle: Martin Langhorst für WirtschaftsWoche

Vorige Woche trat Großmann den Gang nach Canossa an, er besuchte Gazprom-Chef Alexej Miller in Moskau. Dort, in der Nametkina-Straße Nummer 16 steht das Machtzentrum von Gazprom, ein graues Hochhaus mit blauer Glasfassade und spitzem Dach. Von hier aus will Gazprom künftig die europäische Gasversorgung dominieren. Entscheidungen gibt es nur bei Miller in Moskau. Über den Deutschland-Ableger Gazprom Germania gehen Großmann und Teyssen schon lange nicht mehr. Die Berliner Niederlassung ist entmachtet.

Womöglich hatte Großmanns Duzfreund, Putin-Kumpel und Exkanzler Gerhard Schröder das Treffen eingefädelt. Der RWE-Chef sprach mit den Russen über eine Beteiligung Gazproms an Bau und Betrieb von Gaskraftwerken. Analoge Pläne wollte Miller tags darauf mit E.On-Chef Johannes Teyssen diskutieren. Das Treffen ließ Miller kurzfristig platzen, will es aber bald nachholen. Die Russen wollen den Strom über gemeinsame Tochterfirmen am deutschen Markt direkt verkaufen. Nichts reizt Moskau mehr als der Zugang zum immer noch margenträchtigen Handel mit Stromkunden in Deutschland.

Zu früh für eine Beteiligung

Miller fährt gegenüber den deutschen Energieversorgern die Maximalstrategie: Er verhandelt über den Kauf von nennenswerten Aktienpaketen an der E.On-Tochter Ruhrgas und RWE-Vertriebstöchtern. „Gazprom greift nach strategischen Paketen, um Kontrollmehrheiten geht es aber noch nicht“, sagt einer, der über den Stand der Verhandlungen zwischen E.On und Gazprom im Bilde ist.

RWE-Aktien sind günstig, doch eine Beteiligung am Konzern käme für Gazprom zu früh, sagen Branchenkenner. Millers Priorität ist es, RWE erst einmal vom Pipeline-Projekt Nabucco loszueisen: Darum bietet er den Rheinländern den Zustieg beim Konsortium der South-Stream-Pipeline an, die unter der Regie von Gazprom ab 2015 Gas aus Russland durchs Schwarze Meer nach Europa pumpen soll. Nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung würde RWE in Verhandlungen über feste Gaslieferverträge einsteigen, womit Großmann in den letzten Jahren immer wieder gescheitert war.

South Stream steht in direkter Konkurrenz zu Nabucco, gilt aber als realistischer. „Gazprom sucht dringend einen weiteren EU-Partner für South Stream“, sagt ein deutscher Energiemanager, der in RWE einen Kandidaten sieht. „Aber Großmann wird nur bei South Stream einsteigen dürfen, wenn er Nabucco fallen lässt.“ Damit wäre die Nabucco-Röhre wohl endgültig tot.

Mit dem günstigen Gas aus Russland wollen die Deutschen vor allem neue Gaskraftwerke füttern. Die Sorge vor einer energiewirtschaftlichen Vormachtstellung der Russen in Europa, wie sie Großmann-Berater Joschka Fischer noch vor Monaten ausmalte, sind nach der Atomausstiegsdebatte offenbar verflogen.

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