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Energie Duell in Moskau

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Aktien-Info zu RWE-E.On Quelle: Thomson Reuters

Gaskraftwerke stoßen relativ wenig Kohlendioxid aus und können nicht nur Atomkraftwerke klimafreundlich ersetzen, sondern zu einem gewissen Grad auch die CO2-intensiven Braunkohlekraftwerke, von denen das Versorgungsgeschäft bei RWE stark abhängt. Sie können überdies Offshore-Windradparks, in die RWE Milliarden investiert, „grundlastfähig“ machen. Denn sie können bei Bedarf schnell angefahren oder kurzfristig abgeschaltet werden und so die hohen Produktionsschwankungen der Windmühlen auf hoher See flexibel ausgleichen. Damit könnten Gaskraftwerke einen kontinuierlichen Versorgungsstrom – die Grundlast – garantieren, von denen besonders Industriebetriebe abhängig sind.

Poker um Beteiligungen

RWE-Insider wissen zu berichten, dass sich Großmann (offizielle Konzern-Stellungnahme: „Kein Kommentar“) nun von seinem Nabucco-Berater Fischer geistig abzusetzen beginnt und die Annäherung zu seinem anderen Duzfreund Schröder sucht. Schröder ist seit Langem aufseiten der Russen („Putin, ein lupenreiner Demokrat“) und Aufsichtsratschef der Ostsee-Gaspipeline, an der Gazprom zur Hälfte beteiligt ist. Schröder ist auch ein Vertrauter des Gazprom-Chefs und knüpft enge Verbindungen in den Gazprom-Aufsichtsrat.

RWE-Größen beobachten seit Langem, wie sich Nachbar E.On mit Gazprom zuerst eine goldene Nase verdient hat und schließlich in herbe Verluste getrieben wurde. 2011 erwartet E.On-Ruhrgas im Gashandelsgeschäft mit den Russen – weil ihnen die Stadtwerke das Gas wegen billigerer Spotmarktpreise nicht mehr abnehmen – ein Minus von einer Milliarde Euro. Halsstarrigkeit von E.On, so analysieren RWE-Manager, sei vor allem schuld an dem Zerfall der guten Beziehungen von E.On-Ruhrgas zu den Russen. Schon früh hatte Gazprom, dessen 6,5-prozentiger Aktionär E.On einst war, Interesse an einer Beteiligung an einer E.On-Tochter, zum Beispiel der Kraftwerkssparte oder der Energieeffizienz, bekundet. Gazprom möchte vor allem am Endkundengeschäft mitverdienen.

Erst seitdem die Gaspreise weltweit fallen – die Märkte werden dadurch, dass die USA mit der Gewinnung von Schiefergas autark wurden und kein Gas mehr impor-tieren, mit dem Rohstoff überschwemmt –, muss E.On mit Gazprom verhandeln. Denn die LTC-Preise, die über zwei Jahrzehnte laufen, sind zu teuer. Stadtwerke, früher treue Kunden von E.On-Ruhrgas, decken sich lieber günstiger auf den Spotmärkten ein. Die bald wegfallenden Erlöse aus dem Atomkraftwerksgeschäft werden das Ertragsproblem bei E.On verschärfen.

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