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Energie Duell in Moskau

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Gazprom will die Erdgaspreise für langlaufende Verträge, wie sie E.On-Ruhrgas hat, aber nur senken, wenn der russische Konzern im Gegenzug Beteiligungen an E.On bekommt. Wogegen sich E.On nach Einschätzung von RWE-Managern immer noch sträubt, das will Großmann in Moskau jetzt freiwillig anbieten.

Zwar sitzt E.On als Gesellschafter bei der Ostsee-Pipeline schon im Gazprom-Boot. Aber das Verhandlungsgeschick von Teyssen-Konkurrent Großmann in Form persönlicher Charmeoffensiven könnte die Russen überzeugen, künftig mit RWE statt mit E.On Gaskraftwerke zu bauen. Allerdings hat E.On da strukturell die besseren Karten, da der Kraftwerkspark der Düsseldorfer insgesamt moderner ist und Gazprom nach Aussagen von russischen Managern an Braunkohlekraftwerke weniger Interesse hat – dort ist RWE stark.

Offenes Duell

Für Großmann ist der Vorstoß der dritte seiner Art in seiner bisher fast vierjährigen Amtszeit. Sein erster Expansionsschritt war die Übernahme des holländischen Kommunalversorgers Essent. Dann begann er Verhandlungen mit dem spanischen Branchenführer Iberdrola, unter anderem der größte Windenergiebetreiber der Welt. RWE wollte eine Fusion eingehen, sogar mit einer Minderheitsbeteiligung wollte sich Großmann zufriedengeben. Doch der Deal platzte im Vorfeld, weil die nordrhein-westfälischen Kommunalaktionäre von RWE, die mehr als 25 Prozent halten, nach Aussagen eines beteiligten Kommunalpolitikers die Notbremse zogen. Die Kommunen befürchteten die Dominanz eines starken Partners bei RWE. Das könnte gefährlich werden.

Denn beide deutschen Versorger – RWE und E.On – sind nach einem starken Kursverfall und verschlechterten wirtschaftlichen Perspektiven ohne den lukrativen Atomstrom zu potenziellen Übernahmekandidaten geworden. Angeheizt wurden Spekulationen um Übernahmen durch eine Bemerkung von Gazprom-Chef Miller am Rande einer Energietagung in Prag, er könne sich vorstellen, „Teile von E.On zu übernehmen“.

RWE stellt für Miller kein so günstiges Übernahmeziel dar. Die Kommunen würden jedem Fremdling das Leben schwer machen. E.On dagegen verfügt über keinen Ankeraktionär und böte eine offene Flanke für alle Expansionsgelüste von Gazprom.

Das Duell zwischen Großmann und Teyssen ist also in jeder Hinsicht offen.

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